Bei immer mehr Projekten wird die soziale Komponente schon bei der Ladenplanung berücksichtigt. Jüngstes Beispiel: Das New Yorker Plattenlabel Fool’s Gold hat pünktlich zum 10-jährigen Bestehen in Brooklyn einen Laden eröffnet, der vollkommen auf Instagram ausgerichtet ist. Das Store Design bietet mehrere szenographische Motive, die perfekt auf quadratischen Instagram-Bildern aussehen. Zu jedem neuen Marken-Zugang und jeder Kooperation gibt es darüber hinaus eine aufwändige Produktinstallation im Laden, bildstarke Stillleben, die optimal auf Social Media abgestimmt sind. Sie sollen Besucher animieren, zu fotografieren und zu teilen. Denn wer teilt, wirbt.

Fool’s Gold spielt mit Dimensionen. Vom Eingang aus baut sich ein zweidimensionales Bild auf, mit einem goldenen Spiegel im Kern. Erst beim Durchlaufen erschließt sich die Dreidimensionalität, erschließt sich der Modeladen. Hinter jedem Bogen aus Polycarbonat-Doppelstegplatten verstecken sich Nischen, in denen Bekleidung, Taschen, Platten und Bücher präsentiert werden. In einer Bucht befindet sich eine gemütliche Lounge, in einer anderen ist ein DJ-Pult aufgebaut, das bei den zahlreichen Events zum Einsatz kommt.

Für das Store Design zeichnet das Planungsbüro Family New York verantwortlich. Die Ansage der  Fool’s Gold-Macher: Kein typischer Plattenladen, kein minimalistischer Modeladen. Keine vermeintlichen Trends wie weiße Boxen, exponiertes Holz, Pflanzen. Nur auf den obligatorischen Betonboden wollten sie nicht verzichten.

Das New Yorker Künstlerstudio The Principals steuerte Möbel aus Gummi zu dem Low-Cost-Projekt bei. Für die Plattenkisten wurden Milchstiegen verputzt. „Wir wollten noble Materialien nehmen, die aber wie Gummiböden oder Putz oft ignoriert oder für banale Dinge verwendet werden“, sagen die Macher von Principals.

„Es ist so eine Art Beastie-Boy-Formel. Wir zollen der Kultur Tribut, machen uns über uns selbst lustig und liefern trotzdem ein Qualitätsprodukt“, sagt Dave Macklovitch, der Fool’s Gold zusammen mit seinem Bruder, DJ Alain Macklovitch (A-Trak), führt. So kommen auch Plattenständer aus Sperrholz zum Einsatz, die kupferbeschichtet und oxidiert wurden, um eine Patina zu schaffen. Sowie ein Tisch aus Pressspan, der mit  Zink bedeckt, geschwärzt und poliert wurde. So konnte das Team auf  teure Materialien wie Marmor und Jade verzichten – und dennoch schöne Instagram-Momente schaffen.

Fool's Gold ist eine von 50 spannenden und richtungsweisenden Eröffnungen des Jahres aus dem In- und Ausland, die die TW-Redaktion im neuen Lädenbuch vorstellt. Mit dabei sind u.a. Arket in London, La Rinascente in Rom, May in Waldshut-Tiengen und Pier 14 auf Usedom. Im mehrseitigen Fokus „Fashion goes digital“ geht es darum, wie Modeunternehmen digitale Anwendungen in ihre Läden integrieren.

Das Buch Läden 2017/18 erscheint am 1. Dezember im Deutschen Fachverlag. Der aufwendig gestaltete Bildband hat 168 Seiten und kostet 98 Euro. Bestellt werden kann er im Buchhandel oder über www.dfv-fachbuch.de.