Alle Zeichen auf Veränderung. Der Deutsche Modehandelskongress hat besonders eindrücklich gezeigt, vor welchen Herausforderungen die unterschiedlichen Marktteilnehmer stehen. Eines eint den Discounter genauso wie die Premium-Brand, betrifft den lokalen Einzelhändler genauso wie den global agierenden Video-Commerce-Player: Die disruptive Kraft des Digitalen lässt niemanden unberührt.

„Wir verdienen online kein Geld. Dafür ist der Versand zu teuer.“

Arnold Mattschull, CEO von Takko
Der Online-Shop ist für den Discounter Takko vor allem ein Marketing- und Kommunikationsinstrument, sagte CEO Arnold Mattschull auf dem Modehandelskongress der TextilWirtschaft. Für die Lieferung zu den Kunden nach Hause wird eine Versandkostenpauschale von 4,99 Euro erhoben, Lieferungen in die Filiale hingegen sind kostenlos. Takko setzt darauf, dass die Kunden, die ihre online bestellte Ware im Store abholen, weitere Artikel mitnehmen.

„Weil man damit Geld verdienen kann.“

Friedrich-Wilhelm Göbel, Geschäftsführer von SinnLeffers
Der Chef des Multilabel-Filialisten mit 20 Häusern auf die Frage nach den Gründen seines Engagements im Unternehmen. Göbel führte das Unternehmen aus der Insolvenz, seine Familie beteiligte sich mit rund 10% daran. Für die Zukunft plant er die Eröffnung weiterer Häuser.

„Die Künstliche Intelligenz wird uns überrennen.“

Christian Rätsch, CEO von Saatchi&Saatchi Deutschland
Der Deutschland-Chef von Saatchi&Saatchi ist der festen Überzeugung, dass Künstliche Intelligenz einer der vier Top-Treiber der Entwicklung der kommenden Jahre sein wird. Das Internet der Dinge, Sharing-Economy und der Trend zu Individualisierung und Personalisierung sind weitere Top-Faktoren, denen sich die Fashion-Branche seiner Meinung nach stärker widmen sollte.

„Kreativität ist eine anschlussfähige Abweichung.“

Andreas Brill, Geschäftsführer business4brands
Brill ist Experte für Digitale Transformation. Seiner Ansicht nach werden in Zukunft auch kreative Prozesse von Maschinen durchgeführt. Brills Prognose ist, dass Datensysteme es in Zukunft besser hinbekommen werden, Neues zu entwickeln, als Menschen. Schon jetzt zeige sich etwa, dass Künstliche Intelligenzen die besseren Computer programmieren würden als Menschen.

„Das Problem ist: Es ist hinderlich, wenn man zu viel Ahnung vom Produkt hat.“

Dominik Benner, Geschäftsführender Gesellschafter Schuh24.de
Der Erfinder und Macher der Online-Plattform Schuhe24.de kommt eigentlich aus einer Schuhhändler-Familie. Er geht jedoch nach eigenen Angaben nie auf Schuhmessen, kennt sich mit der Mode auch nicht aus. Seiner Ansicht nach ein Vorteil. Zu viel Einblick in die Historie eines Geschäftsmodells würde vielmehr dazu führen, bestimmte Dinge nicht zu wagen. Wie etwa den Launch einer neuen Plattform.

„Ein guter Unternehmer steht morgens auf und geht gerne ins Geschäft“

Norbert Wittenberg, Inhaber, Modes-Sauer-Gruppe
Gemeinsam mit seiner Frau führt Norbert Wittenberg die expandierende Moses-Sauer-Gruppe, die Warenhäuser vor allem in Städten mit Einwohnerzahlen zwischen 30.000 und 50.000 übernimmt und sehr persönlich sowie mit starker lokaler Verankerung betreibt. Als nächstes wird ein Haus in Neustadt/Weinstraße eröffnet.

„Im Prinzip arbeiten wir alle seit 40 Jahren mit dem gleichen Geschäftsmodell. Dass sich das massiv ändern muss, steht außer Frage.“

Peter Graf, Eigentümer von Kleider Bauer
Der Eigentümer von Kleider Bauer in Österreich im Anschluss an eine Präsentation über neueste digitale Instrumente des Handels - etwa für die individualisierte Kundenbetreuung oder gegen das Schlangestehen an der Kasse sowie über die Rolle von Ladengeschäften der Zukunft.

„Den heutigen Kunden erreicht man nicht mehr alleine über den herkömmlichen Flyer oder die Anzeige im Wochenblatt. Viele sind in den sozialen Medien auf Facebook und Instagram unterwegs. Man darf nicht mehr alles über einen Kamm scheren.“

Daniela Drabert, Geschäftsführerin Hagemeyer, Minden
Die Unternehmerin schwört auf das stationäre Geschäft, vor allem als Treffpunkt und Standort für Gemeinschafts-Erlebnisse. Sie appelliert aber vor allem daran, in der Kommunikation mehr Mut und Experimentiertfreude zu beweisen.

„Schau mer mal.“

Peter Graf, Eigentümer von Kleider Bauer
Noch einmal der Chef von Kleider Bauer. Dieses mal die Antwort auf die Frage, wo er das Geld investieren wolle, das er in Wöhrl nicht investieren konnte. Graf hatte zu den Bietern für die Nürnberger Modekette gehört, aber keinen Zuschlag bekommen. Er hat jedoch durchblicken lassen, dass er weiterhin an Zukäufen interessiert ist.

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