Vor 125 Jahren nahm an einem New Yorker Bahnhof die erste Rolltreppe ihren Betrieb auf. Seither ist der Siegeszug dieses Transportmittels ungebremst, heute fehlt es in keinem Kaufhaus. Anfangs brachten die Kunden der sogenannten „Fahrtreppe“ allerdings viel Skepsis entgegen.
Die Begeisterung hielt sich in Grenzen: Menschen würden wie „Kisten, Kartons oder Vieh“ transportiert, mokierten sich Zeitgenossen, als Ende des 19. Jahrhunderts die erste Rolltreppe am New Yorker Bahnhof Cortlandt Station ihren Betrieb aufnahm. Der Vergleich war gar nicht so weit hergeholt, schließlich kamen die ersten Inspirationen für die Erfindung der Rolltreppe aus der Fleischkonservenindustrie, aus den Schlachthäusern von Cincinnati und Chicago. Grundgedanke war es, das Fließbandprinzip so abzuwandeln, dass auch Menschen befördert werden konnten.

Als erster ließ der Amerikaner Jesse Wilford Reno sein „unendliches Transportband“ patentieren, 1892 war das. Ein Jahr später wurde die Idee in New York umgesetzt und dann über die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 zum Verkaufsschlager. Fortan gab es Rolltreppen in Berlin, London, Paris, New York und Chicago.

Allerdings musste das Gefährt den Kunden erst noch schmackhaft gemacht werden: So reichten Mitarbeiter des Londoner Kaufhauses Harrods männlichen Passagieren nach der Fahrt erstmal einen Brandy, den Damen ein Fläschchen Riechsalz. So viel Fortschritt musste man ja auch erstmal verkraften. Nachzulesen sind diese und andere Anekdoten und Hintergründe zur Geschichte der Rolltreppe in der Dissertation von Andrea Mihm aus dem Jahr 2005.

In jedem Fall aber hat sich die Erfindung durchgesetzt und ist bis heute unermüdlich im Einsatz. Die mit 137 Metern längste, durchgängige Rolltreppe der Welt steht aktuell in Sankt Petersburg. In Deutschland gab es 2017 laut Schätzungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau rund 35.600 Rolltreppen.