Von der Do-it-yourself-Linie bis zum Private-Label-Konzept. Die Preisträger der Wilhelm-Lorch-Stiftung haben sich auch in diesem Jahr mit einer enormen Bandbreite an Themen beschäftigt. Im Rahmen des 59. Forums der TextilWirtschaft am 10. Mai in Heidelberg werden die Preisträger in den Kategorien Kreation, Wirtschaft, Technik und Weiterbildung im Handel ausgezeichnet. Förderpreise in Gesamthöhe von 100.000 Euro stehen hierzu bereit. Wir stellen Ihnen die Preisträger im Überblick vor:

Kategorie Kreation

Die 30-jährige Gesine Försterling wird zum zweiten Mal in Folge von der Wilhelm-Lorch-Stiftung prämiert. Sie ist eine von fünf jungen Frauen, die in der Kategorie „Kreation“ ausgezeichnet werden. Vergangenes Jahr hat sie sich für ihre Kollektion „Coming of Age“ mit dem Gefühlsleben jugendlicher Mädchen beschäftigt. Dieses Jahr hat sie erneut eine Kollektion entworfen, diesmal für Männer. Das Thema: Arbeitswelt, der Titel: „Work“.

Anja Demuth hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit „Chimera“ eine Kollektion entworfen. Diese soll Aufmerksamkeit für transgene Forschung – also die Übertragung von Genen eines Lebewesens auf ein anderes – und die damit verbundenen Gefahren schaffen. Inspiriert wurde sie vor allem von den Brainbow-Techniken, hier werden beispielsweise Gene von Affen auf Katzen zu medizinischen Forschungszwecken übertragen.

„Kawaii“ beschreibt einen Trend aus Japan, bei dem sich erwachsene Frauen wie kleine Mädchen kleiden. Julia Maderitsch hat dieses ungewöhnliche Phänomen, das am ehesten mit „Niedlichkeit“ übersetzt werden kann, untersucht. Sie sieht dieses vor allem als Flucht vor der Realität, daher auch der Name ihrer Kollektion: „Touhi“, Flucht. In ihrer Arbeit führt sie so diverse japanische Gesellschaftsströmungen zusammen.

Verena Winkelmann liebt es, zu reisen. Daher hat die 27-Jährige sich schon in ihrer Bachelorarbeit mit Nomaden-Völkern und Schamanismus in Sibirien beschäftigt. Für ihre Masterarbeit hat sie eine Kollektion entwickelt, die von Island inspiriert ist. Vor allem das Thema Strick hat es ihr dabei angetan. Für die zwölf Outfits und Accessoires hat sie auf Rohstoffe aus Island zurückgegriffen, so besteht eine Handtasche beispielsweise aus isländischem Fischleder.

Auch Friederike Stanitzek hat mit „Furor Floralis“ eine Kollektion entworfen. Das Besondere daran: Die sechs Outfits bilden den Zyklus einer Blüte ab. Als Inspiration diente der Film „Dior and I“ und die darin zu sehende, üppige Blumendekoration.

Wilhelm-Lorch-Stiftung: Preisträger 2017 - Kategorie Kreation



Kategorie Wirtschaft

Fabian Glahn ist überzeugt: Je besser informiert Konsumenten sind, desto eher sind sie auch bereit, nachhaltig hergestellte Produkte zu kaufen. Deshalb hat der 28-Jährige eine Befragung durchgeführt, an der mehr als 600 Verbraucher teilgenommen haben. Dabei hat er interessante Erkenntnisse gewonnen – so sind Verbraucher an Nachhaltigkeit interessiert, oft fehlt ihnen aber das notwendige Wissen. Mit der Arbeit schließt er sein Masterstudium ab.

Aileen Staufenbiel hat eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, die so nah wie selten an der Praxis orientiert ist. Ihre Bachelorarbeit handelt von der Entwicklung des Handelskonzepts Mowago. Unter diesem Namen hat die Wortmann-Gruppe, die seit vielen Jahren mit Tamaris-Flächen erfolgreich ist, ein Franchise-Konzept für die anderen Labels des Unternehmens entwickelt. Jeweils von Montag bis Freitag hat Staufenbiel an der Entwicklung von Mowago gearbeitet, am Wochenende hat sie ihre Bachelorarbeit darüber verfasst.

Daniel Kuhn zeigt Händlern, wie es besser geht. Genauer: wie Handelsunternehmen ein funktionierendes Category Management für Private Labels etablieren können. 

Im Rahmen der Master-Arbeit, die er gemeinsam mit Tailorit verfasste, hat er ein ganzheitliches Eigenmarken-Konzept entwickelt. Für seine Arbeit sprach er mit bekannten Managern und erhielt von diesen einige, auch selbstkritische Stellungnahmen. Die Arbeit zeigt vor allem auf, welches bisher nicht genutzte Potenzial in Eigenmarken steckt.

Mobile Commerce wird von vielen Händlern und Markenanbietern noch stiefmütterlich behandelt. Doch wer Mobile Commerce effektiv nutzen will, muss für den Kunden eine Atmosphäre schaffen, die perfekt auf ihn zugeschnitten ist. Zu diesem Schluss kommt die 26-jährige Anne-Mareike Bölting im Rahmen ihrer Masterarbeit.

Merle Schewe will, dass junge Menschen ihre Kleidung selbst gestalten – anstatt beim Discounter zu kaufen. Als sie ihre kleine Schwester mit einer gefüllten Primark-Tüte sah, entschloss sie sich, eine Kollektion zu entwerfen, die einfach nachgeschneidert werden kann – getreu dem Motto „Faster doesn’t mean better“. Parallel dazu hat sie mit einer Freundin und Mitbewohnerin ein Sachbuch geschrieben, das junge Kunden über Mode und Nachhaltigkeit informieren soll.

Wilhelm-Lorch-Stiftung: Preisträger 2017 - Kategorie Wirtschaft



Kategorie Technik

Hauke Kröger wird dieses Jahr in der Kategorie Technik ausgezeichnet. Nachdem er während eines Praktikums in Mumbai die katastrophalen Zustände in öffentlichen indischen Toilettenhäusern beobachtete, hat er in seiner Bachelorarbeit ein Konzept für Sanitär-Schulungsräume entworfen. Diese sollen auf den Dächern der Toilettenhäuser errichtet werden und Slum-Bewohner in der nötigen Hygiene schulen.

Anna Vahle hat sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit perfluorierten Tensiden beschäftigt, also mit Chemikalien, die Outdoor-Bekleidung schmutz- und wasserresistent machen. Viele dieser Stoffe sind giftig, doch sowohl Marktteilnehmer als auch Verbraucher, Einzelhändler und Produzenten sind diesbezüglich nicht ausreichend informiert. Vahle weist außerdem darauf hin, dass es Alternativen gibt, die ähnlich wirken und weniger gefährlich sind.

Wilhelm-Lorch-Stiftung: Preisträger 2017 - Kategorie Technik



Kategorie Weiterbildung

Astrid Härle, Designerin und Einkaufsassistentin beim Filialisten AWG, schneidert in ihrer Freizeit Kleider und Anzüge für den Turnier-Tanzsport, in dem sie als Mitglied der Bundesliga-Mannschaft zugleich in Latein-Formation tanzt. Für ihr Engagement erhält sie als besonders talentierte und engagierte Beschäftigte in einem Handelsunternehmen den Preis der Wilhelm-Lorch-Stiftung zur Förderung der Weiterbildung im Handel.
Astrid Härle
Astrid Härle


Förderprojekte 2017

Die Anna-Siemsen-Schule in Hannover erhält als eine von zwei Bildungseinrichtungen ein Preisgeld. „Von dem Preis der Wilhelm-Lorch-Stiftung werden bei uns sechs Schulklassen und somit bis zu 200 Schülerinnen und Schüler profitieren“, freut sich Ursula Dreyer, Studiendirektorin und Abteilungsleiterin für Textiltechnik und Bekleidung der Berufsschule. Vom Preisgeld werden auch 21 Lizenzen des Programms Grafis angeschafft – 17 für Schüler, vier für Lehrer.

Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen wird von der Prämie mehrere 3 D-Drucker anschaffen. Denn Professor Matthias Kimmerle von der Hochschule ist überzeugt: „In den USA beschäftigen sich die Mädchen und Jungen schon im Kindergarten mit diesen Geräten, bei uns stehen die Studenten oft ahnungslos vor den Maschinen, wenn wir uns an der Hochschule mit 3 D-Druck beschäftigen.“ Davon werden knapp 300 Studenten profitieren, so Kimmerle. Die neuen Geräte sollen bereits ab dem ersten Semester zum Einsatz kommen: „Ich möchte den 3 D-Druck bei uns nachhaltig in der Lehre verankern.“

Wilhelm-Lorch-Stiftung: Förderprojekte 2017



Rückblick: Was geschah mit den Förderpreisen 2016?

Die Hochschule Niederrhein zählte im vergangenen Jahr zu den Preisträgern der Wilhelm-Lorch-Stiftung. Das Preisgeld wurde in eine Spezial-Nähmaschine investiert, die die Arbeit mit Smart Fabrics zulässt. "Die Maschine ist ein absoluter Mehrwert für uns. Sie ermöglicht die Arbeit an industrierelevanten Innovationsthemen, aber auch Forschungsarbeiten lassen sich über spezielle Features realisieren", sagt Anne Schwarz-Pfeiffer, Professorin für Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein.

Die Hochschule Pforzheim konnte mit dem Förderpreis den Studiengang Accessoire Design ausbauen. Es wurden eine Freiarm-Nähmaschine und eine Spaltmaschine für Leder angeschafft. "Mit den Maschinen können wir nun viel besser und vor allem viel professioneller arbeiten", erklärt Studiengangsleiter Johann Stockhammer.

Wilhelm-Lorch-Stiftung: Was machen die Preisträger aus dem Jahr 2016?

Nachwuchskräfte, die sich für den Förderpreis 2018 bewerben möchten, können ihre Unterlagen bis zum 25.10.2017 bei der Wilhelm-Lorch-Stiftung mit Sitz in Frankfurt einreichen. Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren sowie zur Stiftung gibt es auf Wilhelm-Lorch-Stiftung.de
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Wilhelm-Lorch-Stiftung: Die Preisträger 2016

Mit einer Gesamtsumme von 100.000 Euro fördert die Wilhelm-Lorch-Stiftung in diesem Jahr zwölf Nachwuchskräfte und drei Projekte aus der Branche. 70.000 Euro stehen für die Talente bereit, 30.000 werden an die Preisträger der Projekte ausgeschüttet.