Am vergangenen Sonntag ist Gerhard Kaiser im Familienkreis einem Krebsleiden erlegen. Er hat in den vergangenen zwei Jahren kein Geheimnis darum gemacht, dass er schwer krank war. Dennoch hat Gerhard Kaiser seine Arbeit für das Familienunternehmen, die Modehäuser Kaiser in Freiburg, mit dem gleichen Engagement fortgeführt wie zuvor.

Auch auf allen wichtigen Branchen-Veranstaltungen, ob Messen oder Konferenzen, trat der 59-Jährige bis zuletzt auf mit der ihm eigenen, intensiven Nachdenklichkeit. Viele Menschen aus der Branche werden Gerhard Kaiser wahrscheinlich zum letzten Mal während der vergangenen CPD in Düsseldorf begegnet sein. Nach wie vor tief involviert in den Einkauf und engagiert in der Weiterentwicklung des Unternehmens, das er gemeinsam mit Frank Motz und Heinz-Peter Böker geführt hat.

Noch im vergangenen Herbst eröffnete unter seiner Federführung das neu gestaltete Untergeschoss des Haupthauses: "Miss Underground", eine junge, moderne DOB-Fläche, die er unabhängig von Systemlieferanten gestalten wollte.

Der 1958 Geborene sammelte nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Freiburg, Edinburgh und München erst einmal Erfahrungen im Modehandel. 1985 trat er in das Unternehmen ein, das viele Jahrzehnte lang von seiner Adoptivmutter Zita Kaiser geführt wurde. Bis kurz vor ihrem Tod 2011 ist sie noch täglich ins Unternehmen gekommen, hatte aber die Leitung des Hauses schon seit längerem an Gerhard Kaiser übergeben, der ab 1991 in der Geschäftsführung war.

Die tiefe Verbundenheit des Hauses mit der Familie - und die von Gerhard und Zita Kaiser - belegt auch das im vorigen Jahr eröffnete Café Zita im Modehaus: eine Hommage an die Firmengründerin, eingerichtet mit ihren Biedermeier-Möbeln.

Während seiner Ägide gelang es Gerhard Kaiser für viele Beobachter erstaunlich schnell und nachhaltig, aus dem Schatten der starken Unternehmerin herauszutreten. Er eröffnete weitere Standorte, darunter das Trendhaus Kaiser S1 und arbeitete permanent an der Aktualisierung des Konzeptes mit starkem Bezug auf die Stadt Freiburg und deren Entwicklung.


Gerhard Kaiser wurde weithin geschätzt für seine zugewandte, höfliche und freundliche Wesensart, mit der er auch unbequeme Fragen und Themen anging. "Wir geben den Besuchern unseres Hauses gegenüber täglich ein Statement ab. Wir haben eine hohe Beratungsdichte. Und wir gehen auf die Menschen zu", so sein Credo - auch mit Blick auf digitale Vertriebsformen.

Bis zuletzt war Gerhard Kaiser persönlich beteiligt an der Gestaltung der Premium- und Luxussortimente in der Womenswear. Daneben war er karitativ stark engagiert, unter anderem für eine Klinik für Tumorbiologie und eine geplante neue Kinderklinik. Gerhard Kaiser war alleinstehend und hinterlässt keine Kinder.

"Es ist mir eine Beruhigung und auch Garantie, dass es weitergeht", sagte Gerhard Kaiser mit Blick auf seine Geschäftsführungs-Kollegen im vergangenen November: Frank Motz ist sein Cousin,  und auch Heinz-Peter Böker ist Mitglied der Familie.

Am kommenden Freitag, dem 18. Mai, findet um 10 Uhr im Freiburger Münster ein Trauergottesdienst statt.