Der türkische Modefilialist Yargici steht wegen eines prominenten Beraters seit dem Wochenende bundesweit im Rampenlicht. Die Bild am Sonntag lancierte am Samstagabend die Nachricht, das Wulff seit Ende April als Prokurist für Yargici tätig ist. Der Bericht wurde von zahlreichen anderen Medien aufgegriffen, verbunden mit der Empörung darüber, dass der ehemalige Bundespräsident trotz eines jährlichen Ehrensolds von 236.000 Euro in der Privatwirtschaft tätig ist.

Allerdings: Dass Wulff tatsächlich als Anwalt für das Unternehmen arbeitet, ist seit Monaten bekannt. Die TextilWirtschaft berichtete anlässlich des Deutschland-Starts von Yargici Ende Mai in Hamburg ausführlich darüber. Nach Angaben von Deutschland-Chef Erik Schaap geht das Engagement zurück auf eine private Freundschaft zwischen den beiden Ehepaaren Wulff und Yargici. „Im Grunde war es Herr Wulff, der das Unternehmen dazu motiviert hat, in Deutschland zu starten“, sagte Schaap damals im TW-Interview.

Ein Sprecher der Kanzlei von Christian Wulff mit Sitz in Hamburg sagte auf Anfrage der TextilWirtschaft: „Herr Wulff fungiert als Prokurist, ist aber nicht bei Yargici angestellt. Seine Tätigkeit ist rein anwaltlich.“

Dass Wulff sich mit seiner Tätigkeit bei Yargici eine goldene Nase verdient, davon ist in der Tat nicht auszugehen. Yargici betreibt hierzulande bislang drei kleine Boutiquen. Die Umsätze dürften angesichts des niedrigen Bekanntheitsgrads der Marke noch überschaubar, die Gewinnzone gar ziemlich weit entfernt sein.

Yargici wurde 1978 von Emir Yargici gegründet. 2012 übernahm ein Private-Equity-Investor aus Kuwait die Mehrheit. Das Unternehmen betreibt 62 Filialen in der Türkei, auf Zypern und in Deutschland.
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