Der Sneaker ist wie das Internet – er geht nicht mehr weg. Zumindest sieht derzeit alles danach aus. Und so haben inzwischen die meisten Schuhanbieter Turnschuhe im Sortiment. Aber der Verbraucher will vor allem die Modelle der großen Sportmarken. Vielen Schuheinzelhändlern blieb jedoch bislang ob der restriktiven Vertriebspolitik verwehrt, die begehrten Schuhe zu ordern. Für die dem Mainhausener Einkaufsverbund ANWR angeschlossenen Häuser ändert sich das nun. Seit Ende Mai können sie aus 1000 Artikeln wählen. „Wir haben das strategisch geplant und lange verhandelt, sagt ANWR Group-Vorstand Fritz Terbuyken. Wie genau die Zusammenarbeit aussehen soll, erläutert er im TW-Gespräch.


TextilWirtschaft: Herr Terbuyken, wie sieht der Deal mit den großen Sportmarken aus, von dem Sie sprechen?
Fritz Terbuyken:
Seit Ende Mai bekommen unsere Händler der DACH-Region Zugang zu den Top-Sneaker-Marken und können aus 1000 Artikeln von Adidas, Nike und Reebok auswählen. Und das zu besseren Konditionen, weil wir künftig als Single Account gegenüber den Marken auftreten. Wir haben das strategisch geplant und lange verhandelt.

Wie läuft die Order dann in Zukunft ab?
Die Anschlusshäuser ordern über uns. Wir beziehen die Ware direkt von den Herstellern und liefern sie an die Händler.

Was bedeutet das für Ihre Logistik und Lagerkapazitäten?
Die ANWR Group arbeitet bereits seit Jahren mit einem Logistikdienstleister der diese Mengen abwickeln kann. Der größte Teil der Ware wird im sogenannten Cross Docking abgewickelt.

Die Sportmarken sind ja in ihrem Vertrieb sehr selektiv. Wird wirklich jeder Schuhhändler beliefert?
Zum einen haben wir nur sehr gute Schuhfachhändler im Verbund (lacht). Zum anderen verkaufen wir die Module, die von den Marken für den Schuhfachhandel freigegeben sind. Dennoch sind Vorausetzungen zu erfüllen, damit die Marke am Standort wirkt. Nur einen Artikel zu kaufen hilft ja auch dem Händler nicht.  Es gibt 13 verschiedene Warenmodule, mit denen wir uns auf die verschiedenen POS einstellen können.  Wenn ein Händler die Mindestmengen pro Cluster am POS nicht verkaufen kann,  dann nimmt er an dem Modul auch nicht teil. Die Programme sind aber auf einen „normalen“ ANWR Händler abgestimmt.

Können Sie auch die ganz modischen hochpreisigen Artikel anbieten?
Die Highend-Artikel der jeweiligen Marken sind aktuell nicht überall dabei. Wie Sie wissen, bekommen weder der Schuh- noch der Sportfachhandel die Adidas Originals. Auch Reebok ist gechannelt und wir verkaufen dort nur die Royals.  Aber zum Beispiel bei Nike bekommen wir für die ausgewählten Premium-Häuser schon ein Premium Modul.

Seit einigen Monaten testet die ANWR bereits eine Sneaker-Wand. Wo liegt da der Unterschied zu dem neuen Order-Deal?
Die Sneaker-Wand ist ein vertikales Systemgeschäft, das wir steuern, und wodurch der Händler auf der Fläche bessere Kennzahlen in Bezug auf Lagerdrehung und damit auch Flächenproduktivität erzielen kann.  Das aktuelle Sneaker-Wand-Modul enthält 44 Artikel, die vier Mal pro Jahr gewechselt werden. Der Händler meldet uns die Abverkäufe über die Schuhe.de Schnittstelle und wir bestücken dann nach und liefern regelmäßig neue Ware. Bislang wurde dies bei 22 Schuh-Filialen getestet und die Ergebnisse sind beeindruckend. In diesem Monat erfolgt der Rollout auf 100 POS.
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