Deutschland ist Fußball-Land. Und 2018 ist mit der WM im Sommer ohne Zweifel ein Fußball-Jahr. Dennoch muss nicht alles, was rund ist, ins Eckige. Die Macher des Basketball-Konzepts Kickz sind sich absolut sicher, dass sie mit ihrer Story den Markt aus der Nische heraus gehörig aufmischen können.

Fußball und Basketball? „Warum nicht“, finden Christian Grosse, Geschäftsführer des auf Basketball und Streetwear spezialisierten Filialisten Kickz, und Creative Director Atith Kotsombat. „Die Zusammenarbeit mit einem Fußballer wie Jérôme Boateng kann ich mir gut vorstellen“, erklärt Kotsombat. Auch ein Handballer könne Kickz repräsentieren. Entscheidend sei das Interesse an der Streetwear-Kultur, an Bewegungen wie Hip-Hop, Graffiti, Breakdance.

Kickz-CEO Christian Grosse hat noch viel vor mit seinem Konzept.
Kickz
Kickz-CEO Christian Grosse hat noch viel vor mit seinem Konzept.


Diese Antwort verrät viel über das Selbstverständnis des Konzepts, das vor 25 Jahren gegründet und vergangenes Jahr von Zalando übernommen wurde. Zwar liegt die DNA von Kickz ganz klar im Basketball, der Anteil von Performance-Kleidung am Sortiment ist höher als der von Streetwear, aber: „Das Lifestyle-Element ist für uns der Knackpunkt”, sagt Grosse. Das bedeutet konkret, dass die Macher auch die Performance-Kleidung und vor allen Dingen -Schuhe für den Alltag salonfähig machen wollen. „Schließlich ging der ganze Sneaker-Kult mit dem Jordan 1 von Nike erst los”, merkt Grosse an. Performance- und Lifestyle-Sneaker stehen denn auch für zwei Drittel des Umsatzes, den Zalando für die Tochter nicht gesondert ausweist. Laut Bundesanzeiger belief sich der Konzernumsatz im Jahr 2016, also vor der Übernahme, auf 40,5 Mio. Euro und war damit leicht rückläufig verglichen zum Vorjahr (41,7 Mio. Euro). Begründet wird das im Geschäftsbericht mit dem Ausbau des stationären Geschäfts und Investitionen in den Ausbau der Marktanteile in UK.

Kickz-Creative Director Atith Kotsombat gibt die stilistische Richtung des Filialisten vor.
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Kickz-Creative Director Atith Kotsombat gibt die stilistische Richtung des Filialisten vor.


Aktuell werde das meiste Geld ins Marketing investiert, verrät Kotsombat ohne konkrete Zahlen zu nennen. Nur so viel: „Gut zehn Leute arbeiten Vollzeit im Marketing.” Um der zwischen 16 und 30 Jahre alten Zielgruppe die Kultur rund um Basketball angemessen zu präsentieren, wurde das hauseigene Fotostudio massiv vergrößert und ein Art Director eingestellt. Geplant ist, pro Saison ein bis zwei Lookbooks zu shooten, die dann insbesondere über die Sozialen Medien geteilt, aber auch im eigenen Magazin Five gezeigt werden. „Durch Kooperationen mit Streetwear-Portalen wie Highsnobiety und Hypebeast, die genau den richtigen Kunden ansprechen, möchten wir außerdem unsere internationale Reichweite steigern”, kündigt Kotsombat an.



Für die Außenwirkung sorgen zudem die hiesigen Filialen. Auch in diese wird investiert. Ende März wurde nach einer halbjährigen Umbauphase der Hamburger Store wieder eröffnet. Highlight des 400 m² großen, dreigeschossigen Ladens ist ein Indoor-Basketballcourt. Mehrere 100.000 Euro seien in die Neugestaltung geflossen, sagt Grosse. Und betont zugleich: „Schon vor dem Umbau lief der Store unfassbar gut. Das neue Design zielt also nicht darauf ab, die Umsätze zu steigern, sondern soll das komplette Kickz-Erlebnis auf ein neues Level heben.”

Kickz-Video von der Neueröffnung in Hamburg


Das Konzept soll nach und nach auf die anderen Filialen ausgerollt werden. „Die Läden müssen auf dem neuesten Stand sein”, betont Kotsombat und spielt damit auch auf die spitze Distribution der limitierten Sneaker-Modelle an.

„Wir stellen fest, dass in der aktuellen Jugendkultur zunehmend Interesse an teuren Produkten besteht. Der Preis ist weniger wichtig als ein Statement zu setzen.“

Kickz-Creative Director Atith Kotsombat


Um an stark limitierte und extrem begehrte Modelle wie jene aus der Kooperation von Nike und Off-White zu kommen, handelt es sich bei zwei der 15 Filialen um Premium-Konzepte. Diese sind mit einem erwachseneren Logo und höheren Preislagen gekennzeichnet. Kotsombat merkt an: „Wir stellen fest, dass in der aktuellen Jugendkultur zunehmend Interesse an teuren Produkten besteht. Der Preis ist weniger wichtig als ein Statement zu setzen.” Überhaupt hat die Übernahme durch Zalando dem Kickz-Team ermöglicht, konsequent ein Trading-up umzusetzen. Grosse erklärt: „Wir betreuen auch den Basketball-Shop auf Zalando. Dort bieten wir nun die Einstiegspreislagen. Die Idee ist, bei Kickz Trends zu setzen, die später bei Zalando aufgenommen werden.” Der Basketball-Filialist übernimmt also eine Vorreiterrolle. Auf Zalando sieht man, welche Schuhe Kickz präsentiert, in den Kickz-Stores ist allerdings keine Verknüpfung zwischen den Konzepten erkennbar. „Im Handel ist es heute enorm wichtig, ein scharfes Profil zu haben”, ist sich Grosse sicher.

„Gerade beim Basketball braucht man unterschiedliche Labels. Wenn man von oben bis unten in eine Marke gekleidet auf den Court kommt, sieht man aus wie ein Clown.“

Kickz-CEO Christian Grosse


Zu den Top drei der Lieferanten zählen Nike, Adidas und K1X. Letzteres startete als Eigenlabel von Kickz, agiere mittlerweile aber unabhängig vom Unternehmen, wie Grosse sagt. Ohnehin wird die Marke seit längerem auch an Mitbewerber wie Snipes und Foot Locker vertrieben. Streetwear gibt’s bei Kickz unter anderen von Ellesse, Puma, Helly Hansen, Kappa, Fila, Lacoste und Ralph Lauren. Grosse erklärt, warum er auf Multibrand setzt: „Gerade beim Basketball braucht man unterschiedliche Labels. Wenn man von oben bis unten in eine Marke gekleidet auf den Court kommt, sieht man aus wie ein Clown.”

Das möchte auch außerhalb Deutschlands niemand. „Nächstes Jahr eröffnen wir ganz sicher die ersten stationären Stores im Ausland”, kündigt Grosse an. Auch dabei spielen Städte mit starker Basketball-Szene eine wichtige Rolle, interessant seien etwa London, Mailand und Paris. In Frankreich ist Basketball übrigens schon jetzt bei den Frauen sehr beliebt. Bei Womenswear, deren Umsatzanteil momentan 20 % beträgt, wittert das Kickz-Team denn auch hierzulande großes Potenzial. Schon in der kommenden Saison soll der Anteil steigen, im großzügig angelegten Hamburger Store ist noch ausreichend Fläche frei. „Der Trend zu Knopfhose statt Yogapant spielt uns auch gerade super in die Karten”, glaubt Grosse. Adibreak statt Sonnengruß.

Ebenfalls noch in diesem Jahr starten zwei weitere Online-Shops im Ausland. Wo genau, möchte Grosse nicht sagen. Bislang beliefert Kickz neben der DACH-Region die USA, Frankreich, UK, Schweden, Finnland, Dänemark, die Niederlande und Belgien. Der E-Commerce steht für einen Umsatzanteil von 75%.

„Unsere Läden hatten 2017 die beste Performance ever.“

Kickz-CEO Christian Grosse

Während online mindestens 60 Brands geführt werden, konzentriert sich das stationäre Angebot in Hamburg auf etwa 15 Labels. Für Kickz hat Omnichannel aber sowieso hohe Priorität, an den Fassaden der Geschäfte steht von Beginn an Kickz.com. Auch im Hamburger Store können die Kunden über bereitliegende Tablets alles bestellen. Dennoch: „Unsere Läden hatten 2017 die beste Performance ever”, meint Grosse. „Wenn man es gut macht, befeuern sich digital und stationär gegenseitig.” Eben ganz wie Fußball und Basketball.
Kickz in Kürze
  • 1993 gegründet
  • 15 Filialen, unter anderem in Hamburg, Berlin, München, Stuttgart, Köln (Premium-Konzepte in Berlin und München)
  • Zuletzt ausgewiesener Umsatz 2016: 40,5 Mio. Euro
  • Umsatzanteile: 2/3 Sneaker, 1/3 Bekleidung und Accessoires, davon 80% Menswear und 20% Womenswear, 75% E-Commerce und 25% stationär
  • Märkte: DACH-Region, USA, Frankreich, UK, Schweden, Finnland, Dänemark, Niederlande, Belgien
  • Rund 60 Labels im Sortiment
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