Sneaker gesucht? Und zwar in einer bestimmten Größe? In diesem einen Colourway? Everysize liefert Antworten auf diese Fragen, will Kunden und Händler zusammenbringen.
Fragt man Denis Falkenstein, Geschäftsführer von Everysize, was seine Plattform genau bietet, fällt die Antwort erst einmal nüchtern aus: „Im Grunde betreiben wir eine reine Produktsuchmaschine.” Allerdings geht es hier nicht um ein x-beliebiges Produkt, sondern um eines, das eine ganze Szene mitbegründet hat – um Sneaker. Auf Everysize können Verbraucher nach Sneaker-Modellen suchen, ausgehend von Artikelnummer, Marke oder Modellnamen und – das ist der entscheidende Punkt – ihrer Schuhgröße. Diesen Faktor bot bis dato keine Suchmaschine, wie Falkenstein betont. Die Nutzer sehen dann, welche der verlinkten Online-Shops den passenden Schuh im Angebot haben.
Eugen und Denis Falkenstein und Pascal Prehn sind die Köpfer hinter Everysize.
Eugen und Denis Falkenstein und Pascal Prehn sind die Köpfer hinter Everysize.
Die Idee dazu kam Falkenstein und Mitgründer Pascal Prehn erst vor drei Jahren. Sie stammen selbst aus der Sneaker-Szene. Der gelernte Fotograf Falkenstein hat sich zuvor um das Marketing eines Streetwear-Ladens gekümmert, Prehn war fünf Jahre lang Chefredakteur des Magazins „Sneaker Freaker” und Mitgründer der Sneakermesse „Sneakerness”.

Die beiden wissen also nur zu gut, wie es ist, auf der Jagd nach einem neu releasten Turnschuh sämtliche Online-Shops durchforsten zu müssen, um ihn in der richtigen Größe zu finden. Schließlich sind gerade bei den spitz distribuierten Sneakern selbst die Top-Accounts nicht mit allen Größen eines Modells ausgestattet. Denn die Sneaker-Hersteller unterteilen die Händler nach einem Account-Prinzip, definieren also genau, wer welchen Turnschuh zu welchem Zeitpunkt in welcher Ausführung bekommt.

Ganz vorne mit dabei sind Sneaker-Spezialisten wie Asphaltgold, 43einhalb und Overkill. Da Falkenstein und Prehn durch ihre Vorgeschichten die Macher hinter diesen Konzepten bereits gut kannten, konnten sie sie schnell von ihrer Idee überzeugen. Fehlte nur noch jemand, der die Seite programmierte. An dieser Stelle kam Falkensteins Bruder Eugen ins Spiel. Die Prehawk UG, das Unternehmen hinter Everysize, war geboren.

„Wir haben anfangs komplett auf Content verzichtet. Die Seite sah deshalb auch langweilig aus, war aber komfortabel und mobile-tauglich. Das war uns wichtig.“

Everysize-Macher Denis Falkenstein über die Anfänge der Suchmaschine
Denis Falkenstein erinnert sich: „Wir haben anfangs komplett auf Content verzichtet. Die Seite sah deshalb auch langweilig aus, war aber komfortabel und mobile-tauglich. Das war uns wichtig.” Das Geschäftsmodell baut auf dem Prinzip Cost per Click auf. Das bedeutet, dass die angeschlossenen Händler immer dann zahlen, wenn ein Nutzer von Everysize auf ihren Shop weitergeleitet wird, ob er den Schuh kauft oder nicht. Pro Click macht das 50 Cent. „Dafür liefert unser Kanal einen Kunden, der in seiner Kaufentscheidung schon sehr weit fortgeschritten ist”, sagt Falkenstein. Während eine gute Conversion Rate im Normalfall bei 2,5% liege, erreiche Everysize im Schnitt 6,5%.

Eine Teilnahme an der TV-Show „Höhle der Löwen“ im vergangenen Jahr hat dem Start-up-Unternehmen zusätzliche Reichweite eingebracht. Die Website verzeichnet Stand Januar 2018 laut eigener Aussage etwa 330.000 Besucher und 600.000 Visits pro Monat. Das sorgte 2017 für einen Umsatz von 0,5 Mio Euro.

„Wir haben steile Umsätze mit Everysize gemacht, speziell nach dem Fernsehauftritt.“

Daniel Benz, Inhaber des Sneaker-Stores Asphaltgold, über Everysize
Mittlerweile sind über 50 Shops angeschlossen, dazu zählen Sneaker-Spezialisten genauso wie About You und SportScheck und neuerdings die Online-Shops der Brands selbst. Auf diese Weise bietet Everysize aktuell rund 26.000 Modelle. Asphaltgold ist von Anfang an dabei. Macher Daniel Benz ist zufrieden. „Wir haben steile Umsätze mit Everysize gemacht, speziell nach dem Fernsehauftritt”, sagt er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Übrigens sind nicht nur deutsche Händler mit von der Partie. Auch Caliroots aus Schweden – die Macher haben Ende 2016 den Berliner Soto Store übernommen – und Sarenza aus Frankreich nutzen die Plattform. „Wir arbeiten nicht mit jedem und prüfen unsere Partner sehr genau, machen alle drei Monate Testbestellungen, um den Kunden einen reibungslosen Ablauf garantieren zu können”, merkt Falkenstein an.

Die Kontakte ins Ausland wollen er und sein Team, sechs Festangestellte und in etwa so viele Freelancer, nicht ungenutzt lassen. „Noch in diesem Jahr starten wir in Frankreich und Großbritannien.” Auch die USA haben die Macher im Visier. „In welcher Form wir dort stattfinden werden, steht aber noch nicht fest”, sagt der Geschäftsführer. Denn eine reine Produktsuchmaschine, das soll Everysize in Zukunft nicht mehr sein. Falkensteins Ziel: „Wir möchten eine Community aufbauen.” Im ersten Jahr sei die Plattform organisch gewachsen. Seitdem investiere man ins Marketing, derzeit allein 35.000 Euro monatlich für Facebook-Werbung. Die Macher sind sich sicher, dass sie ihren Umsatz mit der Expansion und neuen Angeboten schon in diesem Jahr verdreifachen können.

„Wir wissen zum Beispiel, wie man Wildleder-Sneaker richtig pflegt und können diese Infos weitergeben.“

Everysize-Macher Denis Falkenstein über neue Content-Ideen für Everysize
Konkret soll die Seite künftig etwa mehr Content bieten, ein bereits bestehender Blog in die Homepage eingebunden werden. „Wir wissen zum Beispiel, wie man Wildleder-Sneaker richtig pflegt und können diese Infos weitergeben”, erklärt Falkenstein. Dazu wurde erst kürzlich ein Chefredakteur eingestellt. Auch Paid Content ist vorstellbar.

Außerdem sollen die User zur Interaktion animiert werden. Erst Mitte März ist Everysize mit einem Sneaker Bot auf WhatsApp gestartet. Das Ergebnis nach einer Woche: 1000 Abonnenten. Dabei posten die Nutzer auch einfach mal ein Bild von den Sneakern, die sie heute tragen. „Als Brand zum Kumpel werden”, so lautet das neue Credo von Everysize. Nutzerprofile sollen künftig Verbrauchern zugutekommen, die sich inspirieren lassen wollen. Passend zu bisherigen Suchanfragen, könnten sie nach dem Login Vorschläge erhalten.

Die Frage danach, ob es bei Sneakern bleibt, quittiert Falkenstein mit einem Schmunzeln und den Worten: „Wir heißen Everysize, nicht Sneaker Search Engine.”
Mehr News aus dem Sneaker-Business
Neuer Sportschuh von Puma

Defy: Puma bringt neue Sneaker-Silhouette für Frauen

Puma lanciert mit dem Defy eine neue Sneaker-Silhoutte für Frauen.
Sneaker Release

Adidas Originals präsentiert neue Sneaker-Silhouette

Adidas Originals Kamanda
Sneaker-Boom

JD Sports Fashion: Expansiv und profitabel

JD Sports kann erneut kräftig zulegen.