Mach hoch die Tür, die Tor mach weit. Die Zeit der verschlossenen Läden ist vorbei. Die Händler reißen die Fassaden auf. Arbeiten mit viel Glas und Tageslicht. Das schafft Raum und gibt den Blick frei auf das Ladeninnere. Aktuell bei Uniqlo und Joe Fresh an der Fifth Avenue zu sehen. Andere folgen. Offene Fassaden fördern den Dialog mit Passanten, das sagt zumindest Visual Merchandising-Experte Prof. Eric Feigenbaum im Interview mit der TextilWirtschaft.



TW: Für uns Europäer ist New York das Mekka des Visual Merchandising. Wo schauen Sie hin, wenn Sie in Europa sind?

Prof. Eric Feigenbaum: Viel passiert sicher in London, aber es passiert auch viel Interessantes und Neues in Istanbul.

TW: Wie sieht es in Asien aus?

Viele interessante Ansätze kommen aus Tokio. Vor allem wenn es um den Einsatz von neuen Technologien geht. Da ist Japan sicher der Vorreiter.

Uniqlo, Tokio; Joe Fresh, New York; Zara, New York
Uniqlo, Tokio; Joe Fresh, New York; Zara, New York
TW: Welche Rolle spielt Technologie heute im Visual Merchandising?

Sicherlich eine wichtige Rolle, der Handel muss sie auch nutzen, um zu überleben. Ich denke aber auch, dass die Kunden immer noch die Ware berühren wollen, den Store in 3-D betreten wollen. Es muss eine Balance zwischen Online- und Offline-Welt gefunden werden.

TW: Wie kann das aussehen?

Gut lässt sich das auf der Fifth Avenue beobachten. Wenn man sie hinunterspaziert, sieht man viel Technik an den Fassaden, aber auch eine Menge offene Fassaden mit viel Glas. Dadurch treten die Händler in einen Dialog mit den Passanten, selbst wenn sie noch auf der anderen Straßenseite sind. Gute Beispielse dafür sind Uniqlo und Joe Fresh an der Fifth Avenue, die komplett gläserne Fassade haben. Das bringt auch Tageslicht in den Laden, was dort eine sehr warme Atmosphäre schafft. Und es senkt natürlich die Hemmschwelle, den Laden zu betreten.

TW: Ist das erfolgreich?

Es scheint so. Denn auch Department Stores folgen diesem Trend. So öffnet Saks Fifth Avenue nach Jahren einen Teil der Schaufenster, um Tageslicht in den Laden zu lassen. Bei Macy's werden eine Vielzahl von Fenstern, die jahrelang übermalt waren, auch wieder geöffnet.

TW: Welche weiteren Trends gibt es?

Man sieht mehr und mehr Schaufensterfiguren. Die Figurenhersteller müssen das beste Geschäft seit Jahren machen. Warum das so ist? Die Schaufensterfiguren zeigen die Ware, aber sie repräsentieren eben auch die Marke und ihr Image. Zum Beispiel hat Uniqlo auf knapp 900m² Verkaufsfläche 400 Schaufensterfiguren stehen. Das bedeutet auch für die Visual Merchandiser neue Möglichkeiten. Dazu kommt, dass auch Händler, die bisher wenig ins Visual Merchandising investiert haben wie etwa der Lebensmittelhandel mehr darauf setzen.

TW: Welchen Einfluss hat Online-Shopping aufs Visual Merchandising?

Online-Shopping ist sehr wichtig, aber wir müssen, wie ich schon sagte, eine Balance finden zum Offline-Shopping. Leute genießen es einkaufen zu gehen. Harry Cunningham, Vice President Director Visual Merchandising bei Saks Fifth Avenue sagt immer: "You can't feel a dress in an iPad". Das stimmt.
Prof. Eric Feigenbaum blickt auf über 30 Jahre Erfahrung im Visual Merchandising zurück. Nach Stationen bei Stern's Department Store und Walker Group/CNI gründete er mit Embrace Design sein eigenes Retail Design Unternehmen. Zudem ist er Chair of the Visual Merchandising Department am LIM College in New York. Den vierjährigen Studiengang hat er mit aufgebaut. Als außerordentlicher Professor lehrt er am Fashion Institute of Technology. Zusätzlich ist er New York Korrespondent des Visual Merchandising&Store Design Magazine (VMSD).