Bei den Berliner Messen geht's ums Geschäft, um Inspirationen und Emotionen.
Um mit einem fokussierten Angebot über den gesamten Verlauf der Saison hinweg Begehrlichkeit bei den Kunden zu wecken, die Abverkäufe zu erhöhen und die Rendite zu verbessern, sind Händler und Vertreter der Industrie im Gespräch: Die TW hat Stimmen gesammelt, die sagen, in welche Richtung es geht:

Mehr Flexibilität 

„Wir wissen alle nicht, was 2017 noch alles passieren kann. Deshalb müssen wir beweglich sein: Ich werde die Vororder deutlich zurückfahren”, sagt beispielsweise Stephan Becker, Inhaber des Modehauses Constanca in Trier. 

Anna Striessnig, Petera (Innsbruck): „Die Industrie hat inzwischen ein offeneres Ohr als früher, wenn es um die Wünsche der Händler geht. Meistens tun sie zunächst so, als würden sie nichts hören. Wenn wir aktiv auf unsere Gesprächspartner zugehen, versuchen sie aber zumeist, zu helfen. Vor allem brauchen wir punktgenauere Kollektionen, die in kürzeren Abständen geordert und geliefert werden können.“

Mehr Inspirationen

Andreas Hilgenstock, geschäftsführender Gesellschafter von Engelhorn in Mannheim äußerte sich besonders über die Selvedge Run begeistert: Die Messe sei, vor allem was Inszenierung und Emotionalisierung angeht, sehr innovativ.

Diese Messe für Menswear, Denim, Schuhe und Accessoires, hat diesmal ihr Produktportfolio erweitert. In der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg gibt es jetzt auch ein Areal für die Bereiche Home, Mobilität, Outdoor, Food und Körperpflege, um dem wachsenden Trend der Concept-Stores gerecht zu werden, die neben Mode auch andere Lifestyle-Artikel anbieten.

Wolfgang König, Geschäftsleiter Einkauf bei Reischmann, Ravensburg und Ulm: „Wir müssen in der Menswear ganz klar mehr in Inszenierung investieren. Und weniger Ware auf die Fläche bringen. Im Idealfall 20% weniger Fläche mit Fashion belegen. Im Lager dennoch die Verfügbarkeit hochhalten, auf der reduzierten Fläche dann die Produktivität steigern. Die freien Räume stärker für arrondierende Sortimente nutzen. Für Dinge wie dänische Lakritze - damit kann man auch mal ganz anders ins Verkaufsgespräch einsteigen. Das ist bei einem hohen Stammkundenanteil unerlässlich." 

Schuhe gehören immer öfter zu den Sortimenten von traditionellen Modehäusern. Karl Max Hellner, Modehaus Hellner auf Sylt: „Die Schuh- und Accessoire-Hallen auf der Panorama haben mir gut gefallen. Man muss allerdings aufpassen, dass man den Schuh-Hype im Modehandel nicht überreizt. Das ist ein ganz anderes Business, allein schon, was die Lagerhaltung anbetrifft.”

Mehr Emotionen

Denise Marie Rupp, Brand Manager Frapp: „Die Grundstimmung ist angespannt, aber man muss neue Wege gehen, muss die Händler emotionalisieren. Und der Handel wiederum muss seine Kunden berühren.” 

Und dazu wird gute Ware gebraucht - Daniel Werner, Einkauf KaDeWe Group: „Für Urbanwear-Einkäufer ist die Seek ein Muss. Ich kann kein Label positiv hervorheben, weil es hier so viele gute Sachen zu entdecken gibt."

Mehr Fair Fashion

Annette Hempel, Modehaus Hempel in Wolfsburg: „Ein Wachstumsfeld bleibt für uns Fair Fashion. 2015 sind wir dort um 20% gewachsen, 2016 um 10%. Ich bin gemeinsam mit meinen Teamleiterinnen auf Ethical Fashion Show und Green Showroom unterwegs, um neue Labels zu finden. Das ist in der HAKA immer noch leichter als in der DOB. Ein Comma in nachhaltig, das wäre super!”
Annette Hempel
Nowicki
Annette Hempel
Ohnehin ist viel Betrieb auch bei den Grünen Messen in Berlin. Die Aussteller berichten von der Zunahme „konventioneller” Händler, die die Messe besuchen und zum Beispiel Öko-Jeans suchen. 

Bernd Hausmann, Geschäftsführer des Nürnberger Fair Fashion-Filialisten Glore: „Auch im Fair-Fashion-Bereich wird der Umgang etwas rauer. Ein Thema für uns sind zum Beispiel Exklusivpartnerschaften mit Lieferanten. Auch der Preiskampf ist härter geworden, seitdem große Player wie Zalando auf nachhaltige Mode setzen.”
Bernd Hausmann
J. Nowicki
Bernd Hausmann

Intensivere Kontakte

Karl-Josef Brand, Inhaber KjBrand (Hosen-Spezialist) auf der Panorama: „Die Konzerne kommen alle, wichtig ist, dass der Fachhandel kommt.”


Jens Ristedt, Geschäftsführer und Inhaber des Ristedt City Modehauses, Bremen: „Ich erwarte von der Industrie partnerschaftliches Verhalten. Wir brauchen kurzfristige Themen. Unsere Kundin ist hochinformiert. Das war vor zwei Jahren noch anders.”

Jens Ristedt
C. Wickerath
Jens Ristedt
Guido Schöttler, Geschäftsführer der Modehäuser Leffers in Münster und Wilhelmshaven: „Wir geben dort Verantwortung an Lieferanten ab, wo es funktioniert. Bei Opus und Someday zum Beispiel. Wir treffen uns einmal im Jahr mit den Verantwortlichen, um einen Business-Plan zu erstellen. Je nach Abverkauf wird dann der Warenfluss von Opus bzw. Someday gesteuert.”
Guido Schöttler
Foto: J. Nowicki
Guido Schöttler

Richtiges Timing

Frank Michel, Countrymanager des Labels Zizzi, über Saisontiming: „Die Kundin, die Plus Size kauft, die kauft auch früh.” Und Carlo Canavesio, verantwortlich für den Deutschland-Vertrieb von Elena Mirò, setzt auf ausgewogene Taktung: „Von Januar bis Dezember braucht der Handel gute, neue Ware. Aber nicht zu viel davon.”

Rainer Ueberson, Inhaber der Modehäuser Manhenke in Korbach und Bad Wildungen: „Sehr gut läuft es hinsichtlich Timing Einsteuerung bei Opus, Someday und auch bei Mac. Nach wie vor schwierig ist es bei Systemanbietern wie Street One und Cecil. Die machen immer noch, was sie wollen.”

Rainer Ueberson
J. Nowicki
Rainer Ueberson


Sabrina Hoffmann, Head of Sales bei Ramelow: „Die Industrie ist schon flexibler geworden, was Timing angeht. Man kann öfter als früher über Liefertermine reden. Heute ist vieles möglich, was vor zwei Jahren noch nicht möglich war.“

Mehr Wettbewerb

Saks Off 5th bringt sich in Stellung. Der Premium Offprice-Ableger der Kaufhof-Mutter Hudson's Bay Company macht dieser Tage schon mal kräftig Werbung in Berlin. Genaueres über die Pläne der Kanadier in Deutschland lesen Sie in einem Exklusiv-Interview mit Chefeinkäuferin Berna Bartosch und President Wayne Drummond in der aktuellen Ausgabe der TextilWirtschaft.
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