Mehr als vier Wochen Schauenzirkus sind vorüber. Was bleibt? Vielleicht die Erinnerung an Leder, neu interpretiert bei Proenza Schouler oder die Gitter-Konstruktionen beim Akris-Mantel. Klar dagegen ist die Erinnerung an den Zauberwald bei Dries van Noten oder die Feminismus-Demo bei Chanel. So etwas bleibt hängen. Daran denkt man auch noch nächste Saison. Manch einem mag der ganze Zirkus auf die Nerven gehen. Doch er erfüllt seinen Zweck: Wer sich an die Inszenierung erinnert, erinnert sich auch an die Kollektion.

Chanel, Gaultier – auf die Großmeister der Mode war auch in diesem Jahr Verlass. Mit fulminanten Kulissen verliehen sie ihren Kollektionen zusätzlich Gewicht. Doch es gab auch leise und dennoch spannende Darbietungen wie die schwebenden Luftballons bei Issey Miyake. Das sind die Top 5 Inszenierungen von den Modenschauen zum Sommer 2015, ausgewählt von der Redaktion der TextilWirtschaft:



Chanel. Auch in diesem Jahr konnte man mit Chanel und Karl Lagerfeld rechnen, die wohl die spektakulärste aller Schauen ablieferten. Angeblich hat Karl sich erst kurz vor der Show die Szenerie ausgedacht, die einer Straßendemonstration für Frauenrechte nachempfunden war. Das Publikum stand hinter einem Absperrzaun, wie er für Demonstrationen verwendet wird. Die Models, darunter auch Cara Delevingne und Gisele Bündchen, trugen beschriftete Transparente und Schilder und riefen feministische Parolen durch Megafone. „He for She“ war da zu lesen. Oder auch „Ladies First“.



Dries van Noten. Die Inszenierung von Dries van Noten in Paris nahm die Zuschauer mit in eine verzauberte Märchenlandschaft. Eigentlich bestand die Dekoration nur aus einem von der argentinischen Künstlerin Alexandra Kehayoglou hergestellten Teppich, der einem flauschig-moosigen Waldboden glich. Doch zusammen mit den gezeigten Looks wurde aus der Show ein Zauberwald. Höhepunkt war, als sich am Ende der Show die Models auf dem Teppich niederließen. So entstand eine Szenerie, die an eine Waldwiese erinnerte, durch die Sonnenstrahlen hindurchbrechen.



Balenciaga. Ein Boden aus transparenten Glaswaben unter die Nebelmaschinen ständig Nebel pusten – das war die Umgebung für Alexander Wang und Balenciaga. Die Waben waren beleuchtet, ansonsten war der Raum in Dunkelheit getaucht. Diese Installation bildete den Rahmen für die erste Show, in der Wang wirklich Wang war. Und das wurde von dieser Kulisse mehr als unterstützt. Die dumpfen Beats elektronischer Musik gaben der Inszenierung den letzten Schliff. Futuristisch, clean, düster.



Issey Miyake. Die Schauen von Issey Miyake werden traditionell begleitet von emotionalen Elementen. Das können Ballett-Tänzerinnen sein oder auch mal ein Orchester. In diesem Herbst war es eine auf den ersten Blick einfache, aber dennoch sehr hübsche Installation aus Helium-Luftballons. Diese waren an speziellen Vorrichtungen befestigt und wurden zu Orgel-Klängen des japanischen Musikers und Sound-Künstlers Ei Wada auf und ab bewegt. So entstand eine ganz besondere Atmosphäre aus Klängen und schwebenden Luftballons, die die komplette Show untermalte.



Jean Paul Gaultier. Es war seine letzte Prêt-à-porter-Schau und aus diesem Anlass ließ es das Enfant terrible der französischen Modeszene noch mal so richtig krachen. Gaultier hatte zur Wahl der "Miss Jean Paul Gaultier" geladen. Entsprechend bekamen die Gäste Schärpen anstelle von profanen Eintrittskarten. Gaultier zeigte eine fulminante, schillernde Inszenierung aus Miss-Wahl, Revue und Kabarett, ließ seine Models zu Songs wie "Like a virgin", "Crucified" oder "Sweat dreams" tanzen, strippen, gar miteinander kämpfen. Am Ende regnete goldenes Konfetti auf die Bühne herab und beendete die Show. Viele blieben noch minutenlang sitzen, ließen dieses Feuerwerk auf sich wirken und verdrückten heimlich ein Tränchen.

Eine ausführliche Catwalk-Analyse lesen Sie in der TW 42 vom 16. Oktober 2014. Die digitale Ausgabe steht bereits am 15. Oktober 2014 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.