Die TextilWirtschaft feiert Online-Geburtstag. Am 9. Mai 1997 ging die Website der TW live.

Die Themen von damals sind in Teilen auch heute noch verblüffend aktuell. Ein Auszug:



Ende Mai hieß es zum Beispiel:

„Kühles Wetter, kühle Kunden”

Trotz Minus gibt's in dieser Woche eigentlich keinen Grund zum Jammern. Der Handel hatte schließlich einen Verkaufstag weniger zur Verfügung und hat sich angesichts dessen ganz gut aus der Affäre gezogen. Dennoch ist der Modehandel generell der Ansicht, daß die Gastspiele des Sommers bisher noch zu kurz und selten sind.

Vor allem der Menswear-Handel hatte es im Frühling 1997 schwer. Im selben Artikel heißt es:

Immerhin scheinen die Damen großzügiger einzukaufen als die Herren. Ein rheinland-pfälzischer HAKA-Spezialist klagt: „Die Herren bekommen nur noch etwas, wenn es zwingender Bedarf ist. Und dann muß es haargenau das sein, was man ,irgendwo einmal gesehen hat'. Grausam!”

Eine starke Produktgruppe waren vor 20 Jahren im Womenswear-Geschäft die Blusen. Und auch damals war Gucci eine Benchmark. Auszug aus einer Abverkaufs-Analyse:

Neue Formen bringen Impulse in die Blusen-Abverkäufe. So sorgt die taillierte Bluse für richtig gute Umsatzzahlen. Im jungen Markt laufen die engen Stretch-Modelle oft in Polyester und mit Drucken à la Gucci oder Prada schon eine ganze Weile. Aber auch bei etwas modischeren DOB-Händlern setzen sie sich mit steigenden Temperaturen durch.

Das große Feld der Coordinates-Anbieter zeigt sich indes schon 1997 massiv im Umbruch, wie eine damalige Befragung deutscher Händler im Mai 1997 zeigt:

Die Lieferantenkonzentration ist in vollem Gange. Führte noch vor zwei Jahren der Einzelhandel im Schnitt 10,7 Lieferanten im DOB Coordinates-Bereich, sind es heute nur noch 5,9. Das ergab eine jüngst durchgeführte Analyse des TW-Testclubs. Besonders betroffen sind die Krisenprodukte Röcke, Kleider und Kostüme. Ein konkretes Beispiel: Der Handel hat bei Röcken und Kleidern in der Orderrunde Herbst/Winter '97/98 gegenüber der vorjährigen Vergleichszeit 19 % seiner Lieferanten abgebaut. Und der Konzentrationsprozeß ist noch nicht zu Ende: Viele Händler forcieren weiteren Lieferantenabbau. Je größer das Unternehmen, desto ausgeprägter die Tendenz.

Und warum das Ganze? Die Motive ähneln denen heutiger Strategien frappierend. Im weiteren Textverlauf heißt es:

Die Mehrheit der Händler des TW-Testclubs will durch weiteren Lieferantenabbau die Stärken im Sortiment ausbauen und dem Kunden verdeutlichen. Die DOB-führenden Händler wollen tendenziell zu Lasten der Vororder Lieferantenkonzentration betreiben. Gesteigerte Flexibilität mit schnelleren Lieferrythmen und kürzeren Dispositionszeiten werden in zunehmendem Maße wichtig. Eine Gefahr, die viele Einzelhändler in der Konzentration auf marktstarke Namen sehen, ist die zunehmende Vergleichbarkeit der Sortimente.

Nicht nur bekannte Themen, auch bekannte Personen prägten damals schon die Nachrichtenlage, wie folgendes Beispiel vom 22. Mai zeigt:

Die auf verstärktes internationales Wachstum setzende René Lezard Fashion Group, Schwarzach, baut ihr Kreativ-Potential aus. Ab September 1997 übernimmt Jörg Ehrlich als neuer Creativ-Director die Verantwortung für die Herrenkollektion. Ehrlich zeichnete zuletzt für die Kollektions- und Marketing-Konzeption bei Toni Gard verantwortlich. Jörg Ehrlich wird bei seiner Aufgabe im Team von dem ebenfalls im September nach Schwarzach kommenden Otto Drögsler und dem seit mehreren Jahren bei René Lezard tätigen Bernhard Scherr konzeptionell und beratend unterstützt.



Der BTE indes sensibilisierte die Händler dafür, sich für den nahenden Sommer zu rüsten. Und zwar mit Eisverbotsschildern. Der Appell von 1997 im Wortlaut:


Jetzt Bestellen! Zur Zeit sind Eisflecken an der ausgestellten Ware wieder an der Tagesordnung. Zumindest im Ladeninnern sollte man deshalb den Eiskonsum durch einen entsprechenden Hinweis untersagen. Eisverbots-Türkleber (½15 cm) erhalten Sie zum Stückpreis von 5 DM plus MwSt. und Versand beim ITE, Postfach 29 02 63, 50524 Köln, Fax: 0221/92 15 09-10.


Und noch eine Meldung in eigener Sache. Schon wenige Tage nach dem Launch der TW-Website gab es am 22. Mai ein erstes Zwischenfazit zu lesen:



Und so können sich die Zahlen, mit denen TWnetwork gestartet ist, sehen lassen: Zum Starttermin am Freitag dem 9. Mai, wurden auf den Seiten von TWnetwork über 5000 Pageviews, am Sonnabend gut 2000 und selbst Sonntag noch über 1000 Pageviews gezählt. Das von seiten der Branche auch reales Interesse an den redaktionellen, allem voran den nachrichtlichen Seiten der Daily News besteht, zeigen die Registrierungen. Rund 400 User haben sich seit dem 9. Mai beim Members' Club für ein Probeabo registrieren lassen.


Heute ist digital deutlich mehr los:



Und was sonst noch so los war am 9. Mai im Laufe der Jahrzehnte, in Politik, Wissenschaft, Technik und Sport.

1998: Der 1. FC Kaiserslautern wird als erster Aufsteiger der Bundesliga-Geschichte direkt Deutscher Meister.


1994: Nelson Mandela wird in Südafrika zum Präsidenten gewählt.


1990: Die DDR-Frauenfußball-Nationalmannschaft tritt ihr einziges Länderspiel an (es geht 0:3 gegen die Tschechoslowakei verloren).


1964: Der 1. FC Köln wird erster Deutscher Meister der Bundesliga-Geschichte.


1876: Der erste Otto-Motor wird von Erfinder Nikolaus Otto zum Laufen gebracht.


1502: Christoph Kolumbus bricht zu seinem vierten Trip in die Neue Welt auf.