Licht aus. Spotlight an. Mode. Licht aus. Applaus. Die meisten Schauen laufen so ab. Mal winkt der Designer länger, mal spielt jemand Harfe, mal gibt es Blumen, aber von einer Inszenierung kann man nicht reden. Von der Mode mal abgesehen. Aber manchmal soll es mehr sein. Fürs Image, zur Emotionalisierung, für mehr Aufmerksamkeit. Zuletzt in New York haben alle über Tommy Hilfigers Sanddünen-Landschaft gesprochen. Die Fotografen knipsten mehr. Die Blogger bloggten mehr.

In Mailand leben die Defilees von den interessanten Locations, gefühlt jedes zweite findet in einem atemberaubend schönen Palazzo statt. In Paris dann der Showdown. Hier wird der Catwalk zur Bühne. Legendär die Louis Vuitton-Show zum Herbst/Winter 2012/2013, als Marc Jacobs eine alte Dampflokomotive auf den Laufsteg einfahren ließ. Und Karl Lagerfeld. Chanel im Pariser Grand Palais ist jede Saison aufs Neue eine verlässiche Adresse für tolle Bilder und Inszenierungen: ob überdimensionale Stalaktiten oder riesige Planeten. Auch das Karussell aus der Schau zum Herbst/Winter 2008/2009 ging blitzschnell um die Welt. Und blieb in Erinnerung, wie man merkt. Und dieses Jahr? Das sind die Top 5 Inszenierungen aus Paris:



Kenzo. Humberto Leon und Carol Lim haben gleich die gesamte Show unter Wasser gesetzt. Die Botschaft sollte deutlich und einprägend sein: Stoppt die globale Überfischung der Meeresgründe. Rettet die Fische! Auf der Mitte des Laufsteges: mit Wasser gefüllte Schalen, in denen das Wasser dank lauter Basstöne tanzte. Im Hintergrund: ein riesiger Wasserfall, durch den die Models schlüpften. Dazwischen: Prints mit Fischen und Wasserwellen. Message-Shirts: "No Fish! No Nothing!" Ein Gesamtkunstwerk inklusive politischer Botschaft.



Dries van Noten. Manchmal ist doch alles Gold, was glänzt. In jedem Fall war Dries van Notens Show, die gern als der eigentliche Start des Pariser Mode-Marathons gesehen wird, ein Highlight, buchstäblich: Gold als wichtiges Element der Kollektion, goldene Wimperntusche, und sogar güldenes Haar: Hairstylist Sam McKnight gab echtes Blattgold in die Haare der Models. Alles fein dosiert. Für das Abschlussbild posierten die Models vor großen goldenen Planken. Sie reflektierten das Licht und erzeugten ein schönes Farbspiel und eine warme Atmosphäre. Sehr poetisch.



Undercover. Schwarzlicht. Warum nicht?! Ohne Techno-Musik ist es gut zu ertragen. Dazu Models im Roboter-Look mit großen Sonnenbrillen und akkuraten Helmfrisuren. Oder doch echte Roboter? Sehen konnte man es ja nicht. Zu sehen waren nur die Logo-Shirts. Die Botschaft sollte im Vordegrund stehen: I am here. Silence yourself. I shut it now. Time of Rage. Simpel, aber effektiv.



Dior. Die Kollektion erinnert an Bilder impressionistischer Maler, die Location (das große Zelt im Garten des Musée Rodinan) die hängenden Gärten von Babylon. Ein Weltwunder, surrealistisch und deswegen so faszinierend. Blumendessins allover auf den Kleidern, Orchideen, Lilien, Lupinen, Lianen und Rosen überall an Wänden und Decken. Dazu einhämmernde klassische Musik, die Gänsehaut verursacht. Nicht von dieser Welt



Rick Owens. Wütende Gesichter, fast karikaturistisch, kriegerische Bewegungen, stampfende Schritte. Martial Arts? Später wird es in den Medien heißen, Rick Owens' Ziel sei es gewesen, mit der ungewöhnlichen Tanzperformance darauf hinzuweisen, dass man zu viel in die Mode hineininterpretiere – es gehe schließlich nur um Kleidung. Andernorts wird berichtet, Rick Owens wolle die Diskussion um zu wenige dunkelhäutige Models auf den internationalen Designerschauen anheizen. Vielleicht ging es ihm um beides – oder auch nichts davon, in jedem Fall freute sich ganz Paris über dieses energiegeladene Spektakel.

Eine ausführliche Analyse der Designerschauen in Mailand lesen Sie in der TW 40 vom 3. Oktober 2013. Die digitale Ausgabe steht bereits am 2. Oktober 2013 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.