Am Ende eines langen Lieferantentages rückte Karstadt-Chef Stephan Fanderl mit zwei dicken Neuigkeiten heraus: Das Essener Unternehmen startet zur Herbst-/Wintersaison eine Kooperation mit Sfera, der Baby- und Kinderbekleidungstochter des spanischen Warenhauskonzerns El Corte Inglés. Und: Karstadt arbeitet zusammen mit Online-Partnern an einem Offprice-Projekt für Fashion. Der Pilot soll noch in diesem Jahr live gehen.

Beide Aktivitäten will Fanderl als weitere Schritte hin zu seiner Marktplatz-Strategie verstanden wissen: Das Warenhaus macht nicht mehr alles selber, sondern bietet Partnern seine Flächen zum Bespielen an – wovon im besten Fall beide Seiten in puncto Attraktivität, Frequenz und Umsatz profitieren. Fanderl sieht das Warenhaus als „einzigen physischen Marktplatz in der Stadt”, er will sein Geschäftsmodell genau darauf ausrichten.



An der Lieferantenkonferenz in Essen nahmen nach Unternehmensangaben am Donnerstag rund 500 Gäste aus Europa und Asien teil.



Anders als Saks Off 5th, Schwester des Konkurrenten Galeria Kaufhof, will Karstadt keine eigenen, großflächigen Offprice-Häuser eröffnen. Hier soll es laut Unternehmen stattdessen „auf speziellen Flächen in Filialen stark preisreduzierte Bekleidungsmarken” geben. Und zwar stationär wie online. Wer dann bei Karstadts Online-Partnern bestellt, wird auch direkt von ihnen beliefert. Saks Off 5th dagegen, das am 8. Juni seinen ersten deutschen Store im Düsseldorfer Carsch-Haus eröffnet, will sich zunächst weitgehend auf das stationäre Geschäft beschränken.

Wie zu hören ist, soll in Karstadts neuem Kanal – jedenfalls zum Teil – günstige Designer-Mode aus der Vorsaison verkauft werden. Offensichtlich erhoffen sich die Warenhaus-Manager, auf diese Weise, an höherwertige Marken und Kunden heranzukommen, die das Unternehmen bisher meiden. Saks Off 5th hatte ebenfalls angekündigt, Designer- und Premium-Mode mit hohen Rabatten anzubieten. Marken nennen beide nicht.

„Der Kunde wird in unserem neuen Offprice-Konzept on- und offline bestellen, kaufen und auch zurückgeben können. Alles soll in jedem Kanal gehen”, so Fanderl.

Stephan Fanderl
Stephan Fanderl
Für August ist zudem geplant, die Zusammenarbeit mit Sfera zu starten. In zunächst 50 Filialen will Karstadt die Sortimente für Kinder vom ersten Monat bis zum 14. Lebensjahr anbieten. Die übrigen Filialen sollen Anfang 2018 folgen, karstadt.de erst in der zweiten Hälfte 2018.

Die Sortimente der El Corte Inglés-Tochter würden dem Geschmack der deutschen Kunden angepasst, erklärte Einkaufschef Jörg Peter Schmiddem: „Sfera hat sich auf dem hart umkämpften spanischen Markt gegen bekannte Labels wie Zara und H&M behauptet. Sfera passt ganz ausgezeichnet zu unserer Karstadt-Kundschaft.”

In einem hausintern veröffentlichten Interview kündigt Schmiddem weitere Partnerschaften dieser Art an. Gerade wurde in der Frankfurter Filiale bereits mit Lascana ein Pop-up-Store für Swim- und Beachwear eröffnet.

Schmiddem erklärte, Karstadt sei nicht mehr nur in der Phase der Gesundung, sondern „dabei, die Spielregeln des Warenhausgeschäftes nachhaltig zu verändern”. Man werde die Zusammenarbeit mit Lieferanten fortsetzen, „die zu uns passen und die Besten ihrer jeweiligen Branchen sind”.

Die jüngsten Bilanzzahlen allerdings passen noch nicht so ganz zum neuen Selbstbewußtsein. Laut Bundesanzeiger sank der Karstadt-Umsatz im Geschäftsjahr 2015/16 um 5% auf 1,98 Mrd. Euro. Bereinigt um Schließungen lag das Minus bei zwei Prozent. Vor allem das Bekleidungsgeschäft habe zum Abwärtstrend geführt, heißt es. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 48 Mill. Euro nach 13 Mill. Euro im Vorjahr. Den Verlust von zuletzt 65 Mill. Euro konnte das Fanderl-Team auf 7,5 Mill. Euro reduzieren.

Für das laufende Geschäftsjahr hält die Geschäftsführung erstmals seit langem ein ausgeglichenes Ergebnis für möglich.

Verwandte Themen
Wäschehandel

Lascana: „Beachshop”  bei Karstadt in Frankfurt

Lascana Beach Shop
Nachschlag für Fanderl

Raus aus dem Krisen-Modus: Karstadt-Chef bleibt

Stephan Fanderl
Unternehmen

Rene Benko sieht Karstadt saniert

Benko3.jpg