Auf Rekordjagd: Der spanische Moderiese Inditex (u.a. Zara) hat das Geschäftsjahr 2016/17 (31. Januar) mal wieder mit einigen Superlativen abgeschlossen. Noch mehr Läden, noch mehr Umsatz, noch mehr Gewinn. Der Konzern hat damit seine Stellung als größte Fast Fashion-Gruppe der Welt weiter ausgebaut. Die wichtigsten Kennziffern haben die Spanier bereits vor geraumer Zeit mitgeteilt. Jetzt liegt der ausführliche Geschäftsbericht vor. Hier sind die wichtigsten Zahlen und Fakten:

Umsatz und Gewinn

Die Umsätze sind um 12% auf 23,3 Mrd. Euro gestiegen. Bemerkenswert: Während die meisten Mitbewerber wie zum Beispiel H&M zuletzt nur durch Expansion gewachsen sind, konnte Inditex auch flächenbereinigt um 10% zulegen. Die Margen sind leicht rückläufig, bleiben aber in ihrer Höhe Benchmarks der Branche. Die Bruttomarge sank auf 57% (Vorjahr: 57,8%), die Ebit-Marge auf 17,5% (17,9%).

Zahl der Läden: 7292

Die Zahl der Filialen ist um 279 auf 7292 gestiegen. Die Zahl verteilt sich auf neun verschiedene Filialkonzepte: Zara (2067), Bershka (1081), Stradivarius (994), Pull&Bear (973), Massimo Dutti (765), Oysho (636), Zara Home (552), Zara Kids (146) und Uterqüe (78). Im laufenden Jahr sind konzernweit rund 500 Neueröffnungen geplant. Dabei will sich Inditex weiter auf größere Flächen konzentrieren und bis zu 200 kleinere Läden schließen. Der Konzern ist in 93 Ländern vertreten.

Verkaufsfläche: Drei mal Helgoland

Die Gesamtverkaufsfläche des Konzerns ist um 8% auf 4,41km² gewachsen. Das entspricht einer Fläche, die fast dreimal so groß ist wie zum Beispiel Helgoland. Den größten Anteil daran hat Zara, es folgen Bershka und Pull&Bear.

Wichtigste Marke: Zara

Das Ergebnis ist eindeutig: Zara. Die Kette hat im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 13% auf 15,39 Mrd. Euro gesteigert und steht damit für 66% der Gesamterlöse des Konzerns.

Inditex: Zara und ihre Schwestern

Expansivste Marken: Zara und Zara Home

Die meisten Läden hat auch 2016/17 das Zugpferd Zara eröffnet. Von den insgesamt 279 Eröffnungen sind 65 auf Zara entfallen. Auf Platz zwei folgt Zara Home (50), auf Platz drei Stradivarius (44). Relativ betrachtet ist Zara Home (plus 15% Verkaufsfläche) am stärksten gewachsen, am schwächsten Bershka (plus 6%).

Profitabelste Marken: Zara und Stradivarius

Inditex schlüsselt in seinem Geschäftsbericht die einzelnen Filialkonzepte nach Ebit-Performance auf. Die profitabelsten Marken sind demnach Zara und Stradivarius mit Ebit-Margen von jeweils 18%. Alle Linien können mit zweistelligen Margen aufwarten. Einzige Ausnahme: der DOB-Filialist Uterqüe kommt nur auf 5%.

Kleinste Marke: Uterqüe

Die jüngste Marke im Portfolio der Spanier, das hochwertige DOB-Konzept Uterqüe, ist noch immer mit großem Abstand auch die kleinste. 2016/17 sind die Erlöse um 10% auf 83 Mill. Euro gestiegen. Uterqüe betreibt neun Jahre nach dem Start insgesamt 78 Geschäfte. Zum Vergleich: Die zweitkleinste Marke, der Wäschefilialist Oysho, kommt auf 636 Läden und einen Jahresumsatz von 509 Mill. Euro.

Black Box Online-Geschäft

Trotz aller Charts, Grafiken und Zahlen: Zu einem Punkt hält sich der Moderiese immer noch ziemlich bedeckt: E-Commerce. Zwar erfährt man, dass die Zahl der Märkte, in denen es Online-Shops gibt, von 29 auf 41 gestiegen ist, und dass die Kanäle weiter miteinander verzahnt werden. Aber für wieviel Umsatz die Online-Shops stehen oder ob sie profitabel arbeiten, wird nicht mitgeteilt.

Wichtigster Markt: Spanien

Immer noch der mit Abstand wichtigste Markt ist für Inditex der Heimatmarkt Spanien. Zwar sinkt der Umsatzanteil seit Jahren, liegt aber weiterhin bei immerhin 16,9%. Zum Vergleich: Die Inditex-Geschäfte in ganz Nord-, Süd- und Mittelamerika stehen insgesamt für lediglich 15,3% der Konzernerlöse.

Mitarbeiterkosten: 15,6%

Lässt man den Wareneinsatz beiseite, sind die Kosten für Mitarbeiter traditionell der größte Block im Modehandel. Im vergangenen Jahr hat Inditex kosteneffizient gearbeitet. Der Anteil der Personalkosten ist von 16% auf 15,6% gesunken. Inditex beschäftigt insgesamt 162.450 Mitarbeiter (Vorjahr: 152.854), davon sind 76% Frauen.

Mietkosten: 9,5%

Der Anteil der Mietkosten am Umsatz ist für die Branche ein wichtiger Vergleichsfaktor. Auch hier haben die Spanier ein besseres Ergebnis erzielt als im Vorjahr. Der Anteil der Miete am Umsatz ist von 10% auf 9,5% gesunken. Die Tatsache, dass sich die Märkte angesichts von Online-Boom und Flächenüberhang zu Mietermärkten entwickeln, scheint dem Konzern also zugutezukommen.

Zahl der Lieferanten: 1805

Inditex arbeitet mit weltweit 1805 Lieferanten zusammen, die wiederum 6959 Fabriken betreiben. Mit Abstand am wichtigsten sind dabei Nähbetriebe (4296), gefolgt von Stofflieferanten (932) und Betrieben aus den Bereichen Finishing (636), Färben/Waschen (573), Zuschnitt (306) und Druck (216). Eine der Stärken von Inditex ist der hohe Produktionsanteil in Europa bzw. Nordafrika, weil dadurch schnell auf Trends reagiert werden kann. Laut Geschäftsbericht befinden sich 59% der Fabriken in Ländern wie Spanien, Portugal, Marokko und der Türkei.

Ortegas Anteil: 59,3%

Er hat Zara 1975 gegründet: Amancio Ortega. Und noch immer hat der mittlerweile 81-Jährige die Macht im Unternehmen. Bei ihm liegen 59,3% der Konzernanteile. Das Geschäft mit der schnellen Mode hat ihn zu einem reichen Mann gemacht. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 84,3 Mrd. Dollar und setzt ihn auf Platz vier der weltweiten Milliardärs-Rangliste, hinter Bill Gates (Microsoft), Warren Buffet (Berkshire Hathaway) und Jeff Bezos (Amazon).

Islas Gehalt: 10,37 Mill. Euro

Inditex-CEO Pablo Isla hat, nach deutlichen Gehaltssprüngen in der Vergangenheit im Vorjahr, erstmals weniger verdient. Zwar ist sein Fixgehalt mit 3,35 Mill. Euro gleich geblieben, dafür ist die variable Vergütung von 8,82 Mill. auf 7,02 Mill. Euro gesunken. Macht summa summarum 10,37 Mill. Euro (Vorjahr: 12,17 Mill. Euro). Der 53-Jährige führt Inditex seit zwölf Jahren höchst erfolgreich und hält einen Aktienanteil von 0,06% im Wert von 62,5 Mill. Euro. Allein aus Dividenden hat er in diesem Jahr knapp 1,3 Mill. Euro erhalten.

Deutschland-Umsatz: 700 Mill. Euro

Inditex hat hierzulande am Schluss des vergangenen Geschäftsjahres 2016/17 (31. Januar) insgesamt 134 Geschäfte betrieben. Die Zahl verteilt sich auf die Marken Zara (77), Massimo Dutti (20), Zara Home (16), Pull&Bear (11) und Bershka (10). Im Gegensatz zu H&M gibt Inditex keine Umsätze nach Ländern bekannt. Das Deutschland-Geschäft lässt sich aber auf Grundlage der Veröffentlichungen im Bundesanzeiger zuverlässig schätzen. 2016/17 dürfte der Konzern demzufolge hierzulande rund 700 Mill. Euro betragen haben, davon entfallen allein rund 560 Mill. Euro auf Zara.
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Einen Vergleich der wichtigsten Kennziffern der beiden Fast Fashion-Konzerne Inditex und H&M lesen Sie ab Mittwoch, 18 Uhr, auf dem iPad sowie ab Donnerstag in der nächsten Print-Ausgabe der TextilWirtschaft.