Die TextilWirtschaft hat im Vorfeld der Bundestagswahl prominente Köpfe nach ihren Wünschen an die Politik befragt. Auch Friedrich Knapp. Er ist Inhaber des internationalen Young Fashion-Filialisten New Yorker. Und bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

TextilWirtschaft: Herr Knapp, Sie haben drei Wünsche frei. Was fordern Sie von der nächsten Bundesregierung?

Friedrich Knapp: Als erstes brauchen wir unbedingt Gesetze, die das Internet regeln. Die hemmungslose Expansion der Online-Riesen richtet sehr viel Schaden in unserer Wirtschaft an. Das darf so nicht weitergehen.



Was meinen Sie konkret?

Wir werden von Unternehmen wie Amazon und Alibaba verarscht. Die machen zwar Geschäfte in Deutschland, zahlen bei uns aber keine Steuern, weil sie von Luxemburg bzw. China aus agieren. Das Thema Steuerflucht gilt im Übrigen auch für einen stationären Händler wie Primark, der von Irland aus agiert und in Deutschland auch kaum Steuern zahlt. Das ist Wettbewerbsverzerrung und tut allen weh. Nicht ohne Grund wackeln die einst so erfolgreichen europäischen Textilunternehmen.

Inwiefern ist Ihr Unternehmen davon betroffen?

Wir sehen uns einem Preiskampf mit Wettbewerbern ausgesetzt, der ohne solche Steuerumgehungen nicht möglich wäre. Zunächst mal schadet es der ganzen Gesellschaft, weil Steuereinnahmen fehlen. Mein Unternehmen leidet darunter, weil wir zum Beispiel mehrere Prozesse gegen Amazon führen. Dort werden gegen unseren Willen unsere Marken verkauft, obwohl die Markenrechte bei uns liegen. Da diese Ware von uns nicht lizensiert ist, kann es sich nur um Fälschungen handeln. Das ist Betrug am Kunden.


Gehen Sie dagegen vor?

Natürlich, aber leider hat sogar die Justiz im Angesicht der Riesenkonzerne keinen Arsch mehr in der Hose und traut sich nicht, einstweilige Verfügungen auszusprechen. Im Gegenteil, mir als Unternehmer wird es sogar noch schwerer gemacht: Obwohl es sich um eine Angelegenheit auf dem deutschen Markt handelt, werden wir gezwungen, Klageschriften auf Französisch anzufertigen, weil Amazon in Luxemburg sitzt. Der Staat muss die Unternehmen vor solchen Machenschaften schützen.

Fordern Sie angesichts des Online-Booms auch eine Liberalisierung des Ladenschlusses?

Natürlich. Die Politik muss endlich aufwachen und sehen, dass das eine große Konkurrenz für den innerstädtischen Handel ist. Die Gewerkschaften setzen dem Handel Regeln vor, ohne über die Folgen nachzudenken. Selbst unsere Läden in Italien sind an sieben Tagen geöffnet, unsere Läden im tiefkatholischen Polen auch. Und wir in Deutschland und Österreich sollen sonntags schließen?! Die Diskussion ist wirklich krank. Überall sonst herrschen bei uns mittlerweile amerikanische Verhältnisse, aber ausgerechnet beim Ladenschluss nicht.

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Fühlen Sie sich denn von den Parteien bei Ihrer Forderung nach der Internet-Regulierung unterstützt?

Leider nein. Ich fand es zum Beispiel gut, dass die Grünen sich Gedanken zu Regularien im Online-Handel gemacht haben, bezweifle aber, dass ein Verkaufsverbot am Sonntag die richtige Lösung ist. Gleiches Recht für alle steht für mich hier im Vordergrund. Leider haben sie dann aber Angst bekommen, als fortschrittsfeindliche Spaßverderber zu gelten und haben den Punkt wieder gestrichen. Aber ich bleibe dabei: Wir müssen das Internet regulieren. Das gilt übrigens nicht nur für den Online-Handel. Durch Uber verstopfen weltweit die Innenstädte, in manchen Städten kommen sie nur noch nachts überhaupt voran. Oder Airbnb. In vielen Metropolen ist das für die Einwohner katastrophal. Wir bekommen in Urlaubs- und Touristenmetropolen wie Palma de Mallorca, Barcelona und Berlin kaum noch bezahlbare Wohnungen für unsere Mitarbeiter.

Lassen Sie uns weitergehen. Wunsch Nummer zwei, bitte.

Ich fordere eine größere Distanz der Politik zu den großen Konzernen und Lobbyisten. Was gerade in der Automobilindustrie passiert, ist ein großes Schmierentheater und gehört bestraft. Es ist traurig, dass die Politik andererseits den Mittelstand in Deutschland in den vergangenen Jahren immer stärker vernachlässigt hat. Aber Unternehmer sind halt auch unbequemer als hochbezahlte Angestellte.


Und drittens?


Drittens sollte die Politik die Wähler endlich für voll nehmen. Die Steuern müssen gesenkt werden und Arbeit muss sich wieder lohnen. Der Wähler wird die bisherige Ignoranz der Politik bei der nächsten Wahl bestrafen. Ich glaube, dass davon die AfD profitieren wird. Ihr werden die Wähler geradezu in die Arme getrieben.

Bei welcher Partei werden Sie selbst am 24. September Ihr Kreuzchen setzen?

Bei der FDP. Weil wir die Jungen brauchen, die etwas verändern wollen. Und weil wir ein starkes Gewicht gegen die CDU benötigen. Denn was die veranstaltet, geht gar nicht.

Weitere Stimmen aus der Modebranche vor der Bundestagswahl und Ergebnisse der Umfrage lesen Sie ab heute 18 Uhr auf dem Smartphone oder Tablet für Android sowie iOS und am Donnerstag in der gedruckten Ausgabe.

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