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Bühnenreif: Die Top 5 Catwalk-Inszenierungen


Burberry legt Mens- und Womenswear-Schauen zusammen und strukturiert den Schauenkalender grundlegend um. Tommy Hilfiger ändert seinen Schauenrhythmus und verkauft direkt im Anschluss die gezeigte Kollektion. Tom Ford zieht ebenfalls mit. In Großbritannien überträgt das British Fashion Council ab sofort die London Fashion Week per Public Viewing auf 60 Großbildschirmen im ganzen Land – was sich derzeit auf den Laufstegen dieser Welt verändert, ist eine Revolution in der Modebranche. Es gibt eine deutliche Hinwendung zum Endkunden – die Demokratisierung der Mode scheint so nah wie nie.

Doch wer die Endkunden als Fans für sich gewinnen möchte, muss mehr bieten als nur eine besondere Kollektion. Die Themen, die jahrelang vor allem für stationäre Läden galten, werden auch bei den Modenschauen zunehmend wichtig: Erlebnis, Inszenierung, Show. Denn will man als Marke nicht nur fachkundige Einkäufer und Journalisten von seinen Qualitäten überzeugen, gilt: Je mehr Aufmerksamkeit, desto besser. Deswegen wird in Zukunft noch wichtiger werden, was einige Labels jetzt schon leisten: Die Marke auch auf dem Catwalk zu inszenieren. Fünf besonders gelungene Beispiele von der aktuellen Menswear-Schauenrunde:



1. Damir Doma.
Eine spektakuläre Location für eine Modenschau zu finden, die kein Geld kostet – das erscheint gerade zu Fashion Week-Zeiten fast unmöglich. Besonders in Städten wie Mailand. Doch Damir Doma hat seine Show zum Herbst/Winter 2016/17 dennoch an einem besonderen Ort stattfinden lassen, nämlich am Mailänder Hauptbahnhof. Treffpunkt Gleis 22, Sonntagabend 8 Uhr. Die richtigen Kontakte machen‘s möglich. Auf der einen Seite die grauen Stahlträger der historischen Dachkonstruktion, auf der anderen Seite ein knallroter Frecciarossa 1000 – angeblich Europas schnellster Zug. Ob der Zug auch Teil der Show war, oder gerade nur zufällig an diesem Gleis stand, ist nicht bekannt. Doch er unterstrich die Kulisse perfekt und setzte die eher dezent farbige Kollektion gekonnt in Szene.




2. Dior.
Tradition trifft Moderne. So lässt sich vielleicht die Show von Dior Homme am besten beschreiben. Denn so voller Heritage eine Marke ist, eine Verjüngungskur kann nie schaden. Und so ähnelte die Kulisse einem rot erleuchteten Skatepark, mit Halfpipe, Rampen und Handrail. Die Models rollten zwar nicht auf Skateboards über den Catwalk, aber die Kollektion zeigte doch einige Skate-Einflüsse. Eine Hose erinnerte an die Baggy-Pants der Neunziger, außerdem Luxus-Hoodies und fingerlose Handschuhe, dazu Cargo- und Utility-Elemente. Im Hintergrund sind die Models, die auch über den Laufsteg gehen, in einem Film zu sehen. Sie pogen und springen in wilder Manier durch die Luft. So entsteht ein modernes Bild, zusätzlich unterstrichen von treibender Musik.



3. Thom Browne.
Er ist mittlerweile bekannt für außergewöhnliche Zeremonien, seine Schauen auch deshalb immer besonders beliebt. Er versteht es, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. In dieser Saison gelingt ihm das mithilfe goldener Bilderrahmen, die von Charly Chaplin-ähnlichen Gestalten enthüllt werden, begleitet von getragener Klaviermusik. Highlight war allerdings die Art der Präsentation der Kollektion. Jeder Look wurde quasi als Tryptichon in drei Stufen gezeigt. Zuerst kam immer eine fast antike Version des Outfits, fast lumpig, so als hätte sie schon 100 Jahre in einem Schrank zugebracht, von Motten zerfressen. Dann folgte eine jüngere Version, dennoch abgewetzt und leicht zerstört, bevor dann die frische, perfekte Ausgabe über den Laufsteg geschickt wurde. Quasi eine Verjüngungskur in Looks. Beeindruckend wurde den Zuschauern so die Vergänglichkeit vor Augen geführt.



4. Henrik Vibskov. Es war eine bedrückend gruselige Kulisse: hölzerne Puppenköpfe, bemalt mit Fratzen ähnlich Chucky der Mörderpuppe, mit beweglichen Mündern, die im Takt auf- und zuklapperten. Dazu monotone Musik. Die Models, die dann den Catwalk betraten, trugen Kopfbedeckungen, die ebenfalls etwas puppenhaftes an sich hatten. Die Show von Henrik Vibskov wurde seinem Image als dänischem Enfant terrible mehr als gerecht. Eine gelungene Abwechslung im elitären Pariser Schauenzirkus.



5. Philipp Plein. Seine Schauen gleichen traditionell einem richtigen Spektakel und auch in dieser Saison ließ es sich Philipp Plein nicht nehmen, richtig dick aufzufahren. Die Show begann mit einem Dirigenten, der inmitten eines grünen Lasergewitters zu dirigieren begann. Es erschien ein in einem Baugerüst in mehreren Etagen untergebrachtes Orchester, das die Show mit Livemusik untermalte, begleitet von einem DJ. Es folgten mit LED-Kabeln geschmückte BMX-Fahrer, die auf der Rampe im Vordergrund die waghalsigsten Stunts vorführten. Erst dann kam die Mode. Und alles zusammen – Kollektion, Show und Musik – ließen keinen Zweifel daran, was die Marke Philipp Plein sein will: laut und wild.



16.02.2016Redakteur: Julia Dietz

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