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Faktor Farbe

Farbe ist das Einzige, was wirklich läuft zurzeit. Ein Segen für den Modehandel. Und ein wichtiger Faktor für die Saisonplanung.


Vorneweg muss ich eines klarstellen: Ich mag Farbe nicht. Bringen Sie eine ordentlich graue Wolkenpalette von Weiß bis Anthrazit, setzen Sie als Highlight einen Tupfer Perlmutt oder Rosenholz obendrauf – das würde mir absolut genügen. Vielen anderen Frauen aber nicht. Und das ist ein Segen für den Modehandel. Denn mit Farbe hat er sein Leben lang schon gute Geschäfte machen können (abgesehen von seltenen, aber legendären Flops, wie der Aubergine-Saison im Jahre 1983 – und niemand wollte Aubergine. Oder war es 85?).

Farbe wirkt

Doch in der Regel wirkt Farbe. Und zwar unmittelbar: Sie funktioniert wie das Glöckchen bei den Pawlowschen Hunden. Farbe ist der Reiz – und die Kundinnen reagieren reflexartig darauf. Bei den Hunden setzt übrigens unmittelbar auf den Glockenklang der Speicherfluss ein (sie denken, es gibt Futter), bei den Frauen sofort der Haben-Wollen-Reflex (sie denken, sie kriegen Anerkennung). Viel Orange im Laden – Haben-wollen. Viel Orange an Nachbarinnen und Freundinnen – noch mehr Haben-wollen. In der Biologie nennt man das auch Konditionierung.

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Wie weit das in der Mode geht, haben die jüngsten beiden Winter gezeigt: Ab dem Moment, an dem kräftige Farbe weitgehend aus den Sortimenten heraus verkauft ist – ab dem beginnt der Verkauf zu stocken. Den Menschen fehlt der Reiz. Und das war jetzt mit Regelmäßigkeit knapp zum Schluss der ersten Saisonhälfte. Also deutlich zu früh. Während jetzt, in diesen Tagen, mit den ersten Frühjahrsprogrammen in frischen Farben der Verkauf sofort wieder anzieht.

Zum Sommer mutig Farbe zu Farbe stylen

Insofern sind farbige Chinos, sind Hochrot, Grasgrün, Meerestürkis und Sonnengelb zum Sommer eine Gottesgabe für die Branche. Modische Kunden können sie in großen Teilen mutig zueinander kombinieren, um Trend-Kompetenz zu signalisieren. Weniger Mutige werden Natur, Weiß und Blau kaufen - und über ein hochfarbiges Teil gelegentlich einen Akzente setzen. Um den Sommer muss man sich diesbezüglich wenig Sorgen machen. Aber was wird im Winter?

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Wie überwintert Farbe?

Glücklicherweise stehen auch dafür offensichtlich neue, intensive Farben bereit, die bei den Kundinnen unmittelbare Reflexe hervorrufen können. So müssen sie nicht erst genau in ein Teil hineinschauen, um feststellen zu können: „Oh, da ist was Neues dran!“ Nein, die warmen und doch intensiven Gewürzfarben sieht man schon von weitem. Die etwas milderen Herbstlaubfarben von Cognac bis zu sehr viel grünem Grün – die sind ja sowieso stets sehr populär. Die frische Würze vom Ganzen stellen neue Gelbtöne dar: Curry- und Senf-Nuancen. Die sind natürlich nicht ganz unproblematisch. Trendige Frauen werden sie als Pulli, auch mal Blazer oder schwingenden Wollrock tragen. Diese Farben in Konfektionsteilen, multicolor gemixt und gepatcht, sind einfach Mode. Doch für viele andere genügt ein kleiner, leuchtender Senf-Anteil im Print oder als Paspelierung an einer bordeauxfarbenen Jacke.

Grundsätzlich wichtig ist diesmal aber bei der Saisonplanung, dass der Farbanteil insgesamt deutlich höher liegt als im vorigen Winter. Und sei es vor allem über Strick und Shirt. Lehnen Sie sich doch mal in Ruhe zurück. Stellen Sie sich eine Farbflöte vor: von Curry über Safran und Chili bis Granatapfel, Bardolino, Marone und Tannengrün. Da läuft doch jedem das Wasser im Mund zusammen. Sogar Farb-Hassern.
06.01.2012Redakteur: Gudrun Allstädt

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