Der Markt ist satt. Alles schon da oder dagewesen. Das führt bei den Einkäufern und der Presse zu einem seltsamen Mix aus Desillusion, Gleichgültigkeit und Euphorie. So schnell wie manch eine Schau oder eine Kollektion auf den Messen grob gescannt und schnell als nichtssagend und langweilig abgetan wird, so schnell wird eine andere hochgejubelt – wenn, ja wenn sie mal aus der Reihe fällt. Und wenn ihr Raum gegeben wird.

Dafür ist Berlin bekannt. Die Bühne für neue Talente. Anderswo, in Mailand oder Paris, wo der Schauenkalender nur so vor großen Namen strotzt, werden sie leicht übersehen. Oder bekommen erst gar keine Chance, sich zu präsentieren. Dabei gehören die Newcomer der vergangenen Saison, allen voran Hien Le, Achtland und Isabell de Hillerin, mittlerweile zu den richtungsweisenden Kollektionen in Berlin. Und zu den Highlights progressiver Contemporary-Sortimente.

In dieser Saison hat in erster Linie Alena Akhmadullina von sich Reden gemacht. Eine Russin, die von 2005 bis 2009 bereits in Paris gezeigt hat, und die sich offensichtlich auf den Weg gemacht hat, ein neues Bild von russischer Mode zu zeichnen. Befreit von Protz, Sexyness und Aggression. Elegant, handwerklich mit Ornamenten und Stickereien, nur so weit romantisch, wie es in unsere Zeit passt. Ihr Leitmotiv: „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde. Ein intellektuelles. Tolle Jersey-Kleider. Eine junge Tory Burch, könnte man auf die Schnelle sagen. Mit einem Gespür für Farbharmonien: karminrote Wolle zu dunkelbraunem Nerz. Frische Himbeere zu staubigem Rotbraun. Metallisch glänzende Bronze zu stumpfem Rost.

Charakteristisch für sie: handgezeichnete Prints und aufwendig konstruierte Ärmel. 2000 schloss Akhmadullina ihr Studium an der University of Technology & Design in St. Petersburg ab, inzwischen wohnt sie in Moskau und führt zwei Stores in Eigenregie. Aus den Erfahrungen im Verkauf und dem direkten Feedback der Kundinnen rührt offensichtlich die Portion Tragbarkeit und Bodenständigkeit, die die Kollektion umweht. Geschäftssinn, das gefällt Berlin. Zack: Euphorie.