Schumacher. Rena Lange. Laurèl. Marc Cain. Hugo. Heute stehen traditionell die großen Namen auf dem Plan. Schumacher macht den Anfang und setzt die Messlatte hoch. Trotzdem schafft es eine Newcomerin in die Top-Schauen:

Schumacher.
Mystisch-anmutende Farbwelten, starke Rock-Kombinationen und ein anspruchsvoller, wohl dosierter Dekor-Einsatz. Dorothee Schumacher verzaubert erneut. Weniger durch das das Spiel mit Prints und verspielter Attitüde, sondern durch einen reduzierteren, jedoch stets femininen Look mit Kraft. Dazu gehören unifarbene, knielange Röcke mit leichtem Stand und Volumen im Saum. Schwarz-Weiss-Kombinationen, etwa in Fellwesten mit Farbverlauf. Oder als Farb-Partner zu Burgundy. Das Volumen kommt über das Oberteil, oft über den Ärmel, verkürzte schmale Hosen sorgen für Beruhigung. Zu den Key-Pieces zählen sicherlich auch die Blazer- und Parkaformen mit Boxy- und Schwalbenschwanz-Anleihen sowie die farbigen Lederhosen. Für Dekoration sorgen unter anderem Pailletten und Broschen. Glänzende Oberflächen erzeugen Tiefe im Bild.

Rena Lange. Karsten Fielitz kreiert in seiner letzten Kollektion für Rena Lange einen sehr weiblichen, beschwingten und von zuviel Strenge befreiten Look. Sehr überzeugend sind die weich fliessenden Kombinationen aus Bluse und Rock, stark in schwarz-weiß-Optiken. Hoch geschlitzte Röcke und Seidenblusen mit opulenten Schluppen, außerdem Lederhosen in Sarouelform, demonstrieren eine neue Leichtigkeit. Dabei ist die DNA stets spürbar, so kommt etwa der für Rena Lange typische Bubikragen in Leder. Etuikleiderformen zeigen Schluppe und Schulterriegel.

Hugo. Eyan Allen und Bart de Backer haben Hugo so gezeigt, wie man Hugo sehen will: modern, clean, scharf in Schnitt und Silhouette, klar und prägnant in Farben und Dessins. Die Präsentation am Donnerstagabend in den Räumen den Opernwerkstätten in Berlin-Mitte war getrieben von dynamischen, technischen Beats - und genau so war der Drive der rund 30 Models internationalen Formats. Insgesamt ein schnörkelloses, stilistisch aufgeräumtes Bild. Selbstbewusste Frauen in Shiftkleidern, kniellangen Röcken, kurzen Zipp-Blousons, Zigarettenhosen und schmal skizziertem Strick. Die Jungs in präzisem, technischem, farblich monochromem Tailoring.

Isabell de Hillerin. Cleanes Tailoring und die Kombination mit traditionellen moldawischen und rumänischen Stoffen, Stickereien und Fertigungstechniken haben die Berlinerin bekannt gemacht. Diesem USP bleibt die Designerin, die das Label 2009 gegründet hat, auch für kommenden Herbst treu. Folkloristische Stickereien und handgewebte Stoffe aus Osteuropa sind wieder in der Kollektion vertreten, wenn auch viel dezenter als noch zuvor. Erst auf den zweiten Blick erschließen sich Dekorationen auf gedoppelten Taschen oder Kragen. Farblich propagiert Isabell de Hillerin nach der Sommer-Kollektion in Offwhite jetzt Schwarz, Petrol und Marine. Die Stickereien sind ebenfalls Ton in Ton gehalten. Düster und fast züchtig wirkt die Kollektion mit hochgeschlossenen Blusen und wadenlangen Röcken mit eingelassenen Falten. Ohnehin arbeitet Isabell de Hillerin viel mit versteckten Fältelungen und Drapierungen, um den geradlinigen Teilen Bewegung einzuräumen. Lässig sind die Wollmäntel mit überschrittenen, volumigen Ärmeln.

In diesen Zeiten, in denen Trends sich immer schneller selbst überholen, wird viel darüber gesprochen, wie wichtig Tradition ist. Isabell de Hillerin will sie bewahren. Das zeigt sie eindrucksvoll bei ihrer ersten Präsentation im Studio auf der Fashion Week. Die entschleunigte, stille Installation sei ein stiller Protest gegen die Rasanz der Zeit, sagt die Designerin nach der Show gegenüber der TW.