Tag zwei der Berlin Fashion Week. Auf dem Plan: Etablierte Namen wie Anja Gockel, Blacky Dress, Basler, Minx und Lala Berlin neben noch jungen Kollektionen wie Holy Ghost und 1913 Berlin by Yujia. Und umjubelten Newcomern wie Blame. Alles kann man nicht schaffen, auch weil sich dieses Mal einige mehr für Off-Locations entschieden haben. Die besten Schauen vom Mittwoch:

HOLY GHOST. Die Kollektion, die 2010 von drei Münchner Freundinnen gegründet wurde, war sofort Liebling der Einkäufer und Presse. Verführerisch, sexy, feminin, manchmal couturig, dabei immer urban – ein sehr zeitgemäßer Look. Vergangenes Jahr folgte die erste Präsentation auf dem Catwalk. Jetzt also die zweite Show in Berlin. Und die ist ungewohnt androgyn, mondän und dunkel. Eine Hommage an Yves Saint Laurents „Le Smoking“, wie wir erfahren. Doppelreihige Anzüge, züchtige Blusen, Marlene-Hosen, Mantelkleider. Etwas zu schwer für Holy Ghost. Stimmiger kommen da schon die sexy Stiftkleider und farbenfrohen Overalls aus Seide daher.

Der beste Look: lässige, verkürzte Seidenhose zu einem Vokuhila-Sweat. Und eine tief sitzende Palazzo-Hose mit einem transparentem Spitzentop und puderfarbenem Mantel mit riesigem Schalkragen. Was in der letzten Saison der Tunnelzug war, ist jetzt der Zipper. Ein zentrales Element, mit dem die Designerinnen spielen und klassische Teile sexy machen. Die Volants hätten die drei Designerinnen weglassen können, sie wirken an fast allen Teilen zu aufgesetzt.

C'EST TOUT. Konsequent Schwarz/Weiß so präsentiert sich C'est tout. Und konsequent scheint Katja Will für C'est tout auch ihre Handschrift gefunden zu haben: Starke vielseitig kombinierbare Einzelteile stehen im Mittelpunkt der Kollektion. Sexy, feminin aber auch jederzeit alltagstauglich. Die Lederröhre mit Schnürung, die transparente Chiffonbluse, der Kaschmir-Pulli mit Zipper-Detail oder Knopfleiste im Rücken. Ein klares, sehr überzeugendes Bild.

BLAME. Off zu Blame. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die beiden Berliner Designerinnen haben sich im letzten Augenblick dafür entschieden, in einer kleinen Location in Berlin Mitte zu zeigen. Aurora, so der Name der Kollektion, die dunstige Morgenröte im Winter diente als Inspiration, sagen die beiden, während sie noch an den Models zupfen. Und so reicht auch die Farbpalette von Weiß und Rosé bis zu Anthrazit und Schwarz. Blame zeigt nicht viele (neun), dafür starke Looks. Gewohnt clean, mit punktuell gesetzten Details wie farbigen Paspeln, Zierstichen und Stickereien, die von Vintage-Nachtwäsche inspiriert sind. Wieder einmal schöne Reminiszenzen an vergangene Tage, modern umgesetzt.

LALA BERLIN. Das Highlight des Tages sind die modernen Gauchos bei Lala Berlin. Leyla Piedayesh ist in Berlin schon ein alter Hase und ein schlauer Fuchs zugleich. Gekonnt hat sie auch diese Saison wieder eine Balance zwischen abgewandelten Bestsellern und ganz neuen Teilen gefunden. So wurde der Ethnoprint aus der letzten Saison in Powerfarben neu aufgelegt. Für lässige Seidenhosen und haarige Pullover.

Frischer kam das Camouflage-Dessin in Aubergine, Kupfer und Mint daher. Besonders gelungen auf einer wattierten Jacke. Frischen Wind bringt auch der Galaxy-Print auf Schlauchkleidern und Wollwesten. Rot herrscht in verschiedenen Nuancen als Farbkonzept vor, begleitet von Creme und Schwarz. Erst das Abschlussbild enthüllt, wie farblich harmonisch und durchdacht die Kollektion sich darstellt.