Über 50 Schauen. Die Hälfte davon kann man vergessen. Ein böses Statement dieser Tage in Berlin. Gut, es fehlen nach wie vor die großen Namen im Schauenzelt. Aber warum gleich so sarkastisch? Es gibt gute, etablierte Namen zu sehen. Und viel Raum für den Nachwuchs, der abgesehen von ein paar typischen „Abschlußarbeit-Kollektionen“ auch richtungsweisend ist. Blame und Blaenk sind in aller Munde. Augustin Teboul ist eine Erfolgsgeschichte.

Modisch geben die 50 Schauen keine klare Richtung vor, dafür sind die Designer zu eigenständig. Aber sie bringen viele gute Einzelteile und Outfits hervor. Die wichtigsten Impulse kommen nach wie vor aus der Sportswear. Die Mehrzahl der deutschen Modemarken orientiert sich an den Bedürfnissen ihrer Kunden, und die wollen es lässig. Es gewinnt, wer es schafft, Sportswear elegant und feminin umzusetzen: Neue Jacken-Typen zwischen sportiven Blousons und Bouclé-Jäckchen. Der schmale, aber komfortable Anzug. Topseller Kleid, mit Stretch und Taschen, nur nicht madamig.

Seide bildet ein starkes Fundament, flankiert mit Drucken aus aller Herren Länder. Prints, ob organisch oder grafisch, werden das, was Farbe jetzt ist. Ein Magnet. Ethno bleibt eine unerschöpfliche Quelle für Stoffe, Farben und Prints. Aber immer heruntergebrochen für schlichte Outfits. Denn Simplicity ist ein wichtiges Wort für die Mode zurzeit.

Einen neuen Ton setzt Blau. Für DOB und HAKA gleichermaßen. Hier öffnet sich ein facettenreiches Bild: Es geht von Bleu über tiefe Indigobilder bis zu sanften Mint- plus Grün-Nuancen. 50 Schauen in Berlin. Die Hälfte davon ist durchaus sehenswert.

Eine ausführliche Analyse der Berliner Schauen lesen Sie in der TW 28, die am 12. Juli erscheint.