Die Fashion Week in Berlin ist stetig im Wandel. So wie die Stadt es selbst ist. Baustelle, Umbau, Aufbau. Nach über fünf Jahren herrscht jede Saison aufs Neue rege Fluktuation im Schauenkalender. Lala Berlin kommt wieder zurück. Kaviar Gauche bleibt weg. Große, etablierte Namen wie Schumacher, Rena Lange und Hugo bleiben der Hauptstadt treu. Modisch geben die über 50 Schauen keine klare gemeinsame Linie vor, dafür sind die Kollektionen zu eigenständig. Auch eine Eigenart von Berlin. Das sind die Top 5.

Schumacher.
Mystisch-anmutende Farbwelten, starke Rock-Kombinationen und ein anspruchsvoller, wohl dosierter Dekor-Einsatz. Dorothee Schumacher verzaubert erneut. Weniger durch das Spiel mit Prints und verspielter Attitüde, sondern durch einen reduzierteren, jedoch stets femininen Look mit Kraft. Dazu gehören unifarbene, knielange Röcke mit leichtem Stand und Volumen im Saum. Schwarz/Weiß-Kombinationen, etwa bei Fellwesten mit Farbverlauf. Oder als Farb-Partner zu Burgund. Das Volumen kommt über das Oberteil, oft über den Ärmel, verkürzte schmale Hosen sorgen für Beruhigung. Zu den Key-Pieces zählen sicherlich auch die Blazer- und Parkaformen mit Boxy- und Schwalbenschwanz-Anleihen sowie die farbigen Lederhosen. Für Dekoration sorgen unter anderem Pailletten und Broschen. Glänzende Oberflächen erzeugen Tiefe im Bild.

Rena Lange. Karsten Fielitz kreiert in seiner letzten Kollektion für Rena Lange einen sehr weiblichen, beschwingten und von zuviel Strenge befreiten Look. Sehr überzeugend sind die weich fließenden Kombinationen aus Bluse und Rock, stark in Schwarz/Weiß-Optiken. Hoch geschlitzte Röcke und Seidenblusen mit opulenten Schluppen, außerdem Lederhosen in Sarouelform, demonstrieren eine neue Leichtigkeit. Dabei ist die DNA stets spürbar, so kommt etwa der für Rena Lange typische Bubikragen in Leder. Etuikleiderformen zeigen Schluppe und Schulterriegel.

Hugo. Eyan Allen und Bart de Backer haben Hugo so gezeigt, wie man Hugo sehen will: modern, clean, scharf in Schnitt und Silhouette, klar und prägnant in Farben und Dessins. Die Präsentation am Donnerstagabend in den Räumen der Opernwerkstätten in Berlin-Mitte war getrieben von dynamischen, technischen Beats – und genau so war der Drive der rund 30 Models internationalen Formats. Insgesamt ein schnörkelloses, stilistisch aufgeräumtes Bild. Selbstbewusste Frauen in Shiftkleidern, knielangen Röcken, kurzen Zipp-Blousons, Zigarettenhosen und schmal skizziertem Strick. Die Jungs in präzisem, technischem, farblich monochromem Tailoring.

C'est tout. Konsequent Schwarz/Weiß, so präsentiert sich C'est tout. Und konsequent scheint Katja Will für C'est tout auch ihre Handschrift gefunden zu haben: Starke, vielseitig kombinierbare Einzelteile stehen im Mittelpunkt der Kollektion. Sexy, feminin, aber auch jederzeit alltagstauglich. Die Lederröhre mit Schnürung, die transparente Chiffonbluse, der Kaschmir-Pulli mit Zipper-Detail oder Knopfleiste im Rücken. Ein klares, sehr überzeugendes Bild.

Lala Berlin. Das Highlight des zweiten Schauentages sind die modernen Gauchos bei Lala Berlin. Leyla Piedayesh ist in Berlin schon ein alter Hase und ein schlauer Fuchs zugleich. Gekonnt hat sie auch diese Saison wieder eine Balance zwischen abgewandelten Bestsellern und ganz neuen Teilen gefunden. So wurde der Pali-Print, mit dem die gebürtige Perserin 2006 berühmt wurde, in Powerfarben neu aufgelegt. Für lässige Seidenhosen und haarige Pullover. Frischer kam das Camouflage-Dessin in Aubergine, Kupfer und Mint daher. Besonders gelungen auf einer wattierten Jacke. Frischen Wind bringt auch der Galaxy-Print auf Schlauchkleidern und Wollwesten. Rot herrscht in verschiedenen Nuancen als Farbkonzept vor, begleitet von Creme und Schwarz. Erst das Abschlussbild enthüllt, wie farblich harmonisch und durchdacht die Kollektion sich darstellt.

Eine ausführliche Analyse der Berliner Schauen lesen Sie in der TW 4 vom 24. Januar 2013. Die digitale Ausgabe steht bereits am 23. Januar 2013 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.