Wir überspringen die Diskussion über die schwindende Bedeutung von Berlin als Schauenplatz. Darüber wurden bereits sehr viele Worte (richtige und falsche) verloren. Und kommen zu den Fakten: Mehr als 50 Defilees und Installationen fanden vergangene Woche in der Hauptstadt statt. Darunter nach wie vor für den Modehandel kommerziell wichtige Kollektionen wie Marc Cain, Riani und Laurèl. Aufregende Aufsteiger wie Achtland und Malaikaraiss, viel beachtete Newcomer wie Hien Le, Ivanman und Isabell de Hillerin. Mit Filippa K eine gefeierte Premiere und mit Kaviar Gauche ein gelungenes Comeback zum 10-jährigen Firmenbestehen. Auch Lala Berlin feiert 10-Jähriges. In Berlin. Und welche sind modisch gesehen die richtungsweisenden Kollektionen? Editor's Choice: Das sind die Top 3:



Schumacher. Keine Überraschung, Schumacher bleibt die Konstante in Berlin. Mit ihrem lässigen Luxus, mit dem Mix aus voluminösem, teils geschmücktem Strick und kastigen Jacken zu kurzen schwingenden Röcken. Dem Aufsteiger schlechthin. Plissees und Falten begegnen und brechen Strukturen, garniert mit reichen Stickereien. Und immer wieder das gekonnte Spiel mit verschiedenen Materialien und Farben in nur einem Look: Grobstrick und Seide. Kroko und Jacquard. Mohair und Pelz. Puder zu Schwarz zu Petrol zu Grün. Alles etwas rauer als zuletzt. Für viele Einkäufer wieder einmal das Highlight in Berlin.



Achtland. Ein Zauber umgibt die Kollektion von Achtland. Sie ist eigenwillig, richtungsweisend. New Faces Award. Vogue Salon. Großes Defilee im Bärensaal. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die neue Kollektion. Sie überzeugt. Mit monochromen Bilder auf gemalten Prints, immer wieder mit spannenden Kontrasten zwischen glatt und rau, zart und fest. Neuen Impulsen für das Erfolgsprodukt Bluse. Und dem sehr penibel gelegten Fokus auf das Handwerk: So trifft hauchdünner fünflagiger Chiffon auf dickes gestepptes, wattiertes Leder, das zu großflächigen Blumen-Ornamenten verarbeitet wurde, cleane Eleganz auf aufwendige Handstickereien. Kopieren (fast) unmöglich.



Lala Berlin. Zehn Jahre Lala Berlin. Happy Birthday! Das vermutlich größte Geschenk: Wichtige Einkäufer wie Evelyn Hammerström von Jades und Iris Jorde von Amorph in der ersten Reihe. Und die Begeisterung in ihren Gesichtern. Designerin Leyla Piedayesh feiert sich, ihre Kollektion und ihre Kunden: „Werdet wild und tut was Schönes!" prangt als Druck und Stickerei von vielen Teilen. Ein Befreiungsschlag, eine Aufforderung. Wilder ist sie, die Kollektion, ein Crossover aus verschiedenen Prints, floral und geometrisch. Die Mäntel und Biker-Styles sind voluminös, die Hosen dazu hautenge Lederröhren oder neue Bermudas-Formen. Spitzenkleider mit transparenten Partien. Wild heißt auch bauchfrei. Ab und an. Frech, modern. Nur die Farben sind mit viel Grau- und Schwarz-Anteil zurückgenommener als zuvor. Allzu wild sollte es dann doch nicht werden.

Eine ausführliche Analyse der Schauen und Messen in Berlin finden Sie in der TW 4 vom 23. Januar 2014. Die digitale Ausgabe steht bereits am 22. Januar 2014 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.