Die etablierten Namen setzen auf etablierte Themen. Fluch und Segen zugleich. Aber Berlin lässt viel Raum für junge und ambitionierte Nachwuchsdesigner. Jung und ambitioniert will nicht heißen übermütig und unkommerziell. Die neue Generation hat Geschäftssinn. Während der Berlin Fashion Week zeigten mehr als ein Dutzend Nachwuchsdesigner einem großen Publikum ihre Kollektionen. Zu den vielversprechendsten Newcomern gehören Steven Tai, Yujia Zhai-Petrow, Ubi Sunt, Hannes Kettritz, Issever Bahri, Rebecca Ruétz und Blaenk.

Steven Tai. Ein chinesisch stämmiger Kanadier, Studium am renommierten Londoner Central Saint Martins College, Abschluss an der University of Arts in London. Jungdesigner Steven Tai ist alles andere als gewöhnlich. Genauso wenig wie seine Kollektion. In einem Interview bezeichnete sich der Jungdesigner einmal als Nerd, der es liebt „Bücher zu lesen, Video-Games zu zocken oder einfach im Buchladen abzuhängen." Kein Wunder also, dass fast alle seine Models während der Show große Brillengestelle trugen. Besonders deutlich wird sein Faible für Bücher bei einem Entwurf: An einem Oberteil sind unzählige kleine Füllerspitzen befestigt, die durch kleine Motoren unterschiedlich schnell rotieren. Der Jungdesigner selbst beschreibt seine Kollektionen als „Geeky, awkward, confident“: Dämlich, komisch, selbstsicher. Auch an praktischen Erfahrungen in der Modebranche mangelt es ihm nicht. Tai arbeitete unter anderem schon als Design Assistent für Stella McCartney, Damir Doma, Viktor&Rolf und Hussein Chalayan.

Steven Tai
Steven Tai


Yujia Zhai-Petrow. Lässig, urban, komfortabel. So lässt sich der Stil von Jungdesignerin Yujia Zhai-Petrow zusammenfassen. Geboren ist Zhai-Petrow in West-China an der historischen Seidenstraße. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Internationalität ist ihr in die Wiege gelegt. Studiert hat sie in New York und London. Besonders angetan hat es ihr Cashmere. Nach Erweiterung ihrer Fachkenntnisse durch jahrelange Arbeit in der Cashmere-Industrie, hat Yujia im Januar 2012 ihre eigene Cashmere-Linie „1913Berlin" gegründet. Für sich selbst hat sei einmal zehn Gebote formuliert, unter anderem heißt es da: Du sollst das reine, leichte Cashmere ehren und es immer mit dem richtigen Shampoo waschen. Du sollst Dich nicht zu sehr auftakeln, sondern lässig und sexy sein. Ehre Deinen Cashmerepulli aus dem letzten Jahr genauso wie den neuen.

Yujia Zhai-Petrow
Yujia Zhai-Petrow


UBI SUNT. Das Label mit dem lateinischen Namen (Wo sind?) setzt sich aus den Designern Aidin Sanati und Moa Wikman zusammen. Kennengelernt haben sie sich in einem Design Studio in London. Beide haben ein starkes Interesse an der Verbindung von Mode, Architektur und Kunst. Aidin Sanati, gebürtiger Iraner, wuchs in Schweden auf. Nach seinem Studium am Royal Institut of Technology in Stockholm, absolvierte Aidin eine Design-Ausbildung in London. Zudem studierte er Kunstgeschichte an der Universität in Stockholm. Moa Wikman, geboren und aufgewachsen in Härnösand im Norden Schwedens, absolvierte, aufbauend auf dem Grundwissen von Schnitttechnik und Modedesign, das Modedesign-Studium am London College of Fashion. Die HAKA-Kollektion von Ubi Sunt steht für modisches Understatement. Cleanes Design, exakte, geradlinige Schnitte.

Ubi sunt
Ubi sunt


Hannes Kettritz. Hinter dem jungen Modelabel aus Berlin, das 2011 gegründet wurde und sich ausschließlich auf Menswear konzentriert, stehen Hannes Kettritz und Birgit Ebser. Die erste Kollektion präsentierten sie bereits im Sommer 2011 auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Nach seinem Designstudium sammelte Hannes Kettritz praktische Erfahrungen bei Esther Perbandt, Sabrina Dehoff and Michael Sontag. Ausgefallene Einzelstücke und Individualität, genauso wie die Tragbarkeit der Einzelteile, steht für das Designerduo an erster Stelle. So zeigt sich auch die Kollektion: Gerade geschnittene Hosen werden zu schlichten Hemden kombiniert. Hingucker sind Capes und mintgrüne Lederjacken.

Hannes Kettritz
Hannes Kettritz


Issever Bahri. Derya Issever and Cimen Bachri gründeten ihr Label im März 2010 in Berlin. Kennengelernt haben sich beide während ihres Modedesign-Studiums an der HTW in der Hauptstadt. Während und auch nach ihrem Studium arbeiteten beide für namenhafte Designer wie Alexander McQueen, Six&Seven Eights for Fashion Fringe, Harriet's Muse, Michael Michalsky, Boss, SAI SO und Macqua. Ihre Debüt-Kollektion gewann im Juli 2010 den „Young Designers Award", der jährlich von der Premium vergeben wird. Mit ihrer dritten Kollektion konnten sie sich beim „Start Your Fashion Business" Award 2011 den zweiten Platz sichern. Derya Issever and Cimen Bachri verfolgen den Anspruch Tradition, Handwerkskunst und modernes Design in ihren Kollektionen miteinander verschmelzen zu lassen. Dabei spielen sowohl die griechischen Wurzeln von Derya, als auch die türkische Herkunft von Bachri eine große Rolle.

Issever Bahri
Issever Bahri


Rebecca Ruétz. Ihr Heimatland Österreich verließ die Jungdesignerin recht früh, um sich ihrer Leidenschaft zu widmen. Der Mode. An der AMD Akademie Mode & Design in München schloss sie ihr Studium 2008 ab. Während ihres Studiums arbeitete Ruétz in New Dehli, Indien, wo sie Inspiration für ihre jetzige Arbeit fand. Ihre Abschlusskollektion brachte ihr den Congnos Relevance Award 2008 ein. 2009 gründete Rebekka Ruétz ihr gleichnamiges Modelabel. Ihre aktuelle Kollektion zeichnet sich durch eine fließende Silhouette aus. Immer wiederkehrendes Element ist der goldene Zipper, der mal auf Gürtel, Bluse, Oberteil oder Kleid und Hose wiederzufinden ist.

Rebekka Ruétz
Rebekka Ruétz
Blaenk. Die beiden Blaenk-Designerinnen Silke Geib und Nadine Möllenkamp verbindet nicht nur die Liebe zur Mode, sondern auch ein sehr ähnlicher Lebenslauf. Silke Geib hat Fashion Design an der Esmod International in Paris studiert. Ihre Abschlusskollektion präsentierte sie auf dem 14. Festival des Arts de la Mode in Hyères. Nach ihrem Studium arbeitete sie u.a. für Maison Martin Margiela, J. Lindeberg and Viktor & Rolf. Nadine Möllenkamp studierte Fashion Design auf der Royal Academy of Fine Art in Antwerpen. Ihre Abschlusskollektion zeigte sie auf dem fünften International Talent Support. Nach ihrem Studium arbeitete Möllenkamp auch für das holländische Designerduo Viktor & Rolf. Für ihre F/S-Kollektion 2013 verwandelten die Designerinnen Vintage-Stücke in hochwertige Couture. In Berlin gewannen sie jetzt den Modewettbewerb „Start your Fashion Business“.

Blaenk
Blaenk