Halbzeit in Mailand. Die ersten großen Namen haben gezeigt. Keine Exzesse. Aber Lebensfreude. Farben, prächtige Prints, aufgelockerte Silhouetten bestimmen die Männer-Schauen für Sommer 2013. Die bisherigen Top-Schauen, ausgewählt von der TW-Redaktion.

ERMENEGILDO ZEGNA.
Smart, schick und einen Tick slick: Ermenegildo Zegna kleidet den arrivierten Dandy erstmals in bedruckte Seidenhemden und sorgt dazu passend bei Anzügen, Hosen und Sakkos für dezent schimmernde Oberflächen. Das Haus ist seit zwei Jahren stolzer Besitzer einer eigenen Seidenspinnerei und lässt nun die frisch erworbene Kompetenz passend zum Zeitgeist in die Kollektion einfließen. Die Farbpalette bleibt an Naturtönen und Blaunuancen ausgerichtet, hier und da sticht etwas Rot ins Auge. Insgesamt ein gelungenes Beispiel, wie seidige Qualitäten dem entspannten Look des Upper Casual zusätzlichen Pepp verleihen.

DOLCE & GABBANA. Man kann den Hinweis auf die eigenen Wurzeln auch überstrapazieren – es sei denn, man verbindet damit eine gehörige Dosis Ironie. So geschehen bei Dolce & Gabbana. Das Designer-Duo stellt den Bezug zu Sizilien so überdeutlich her, dass einem schwant, hier sitzt der Schalk im Nacken. In Krisenzeiten mag man am liebsten auswandern – oder nicht? Und wenn schon, dann in einer Hose der 50er gefälligst, mit niedrigem Bund und hoher Taille, vielleicht sogar als Short. Aus dieser Intuition heraus entsteht ein komplett neuer Look. Die Anzugs-Silhouette wird neu definiert, die Schnitte werden luftiger, weiter, bequemer. Streifen sorgen für zusätzliche Breite, und lange, hochgekrempelte Ärmel signalisieren: Hier tut sich was. Es wird angepackt.

BURBERRY PRORSUM. Klassiker neu erfinden: So einfach die Mission von Christopher Bailey auch klingt, man muss zu Radikalem bereit sein, um sie immer wieder mit Leben zu füllen. Diesmal ist es eine provokante Kombination aus Fluo-Farben und Metallic-Effekten, die blitzartig durch die Kollektion zuckt – auf Kragen, Bomberjacken, Hosen und Slippers gleichermaßen. Im Spannungsfeld zwischen messerscharf geschnittenem Anzug und geräumigen Print-Hemden kommen sie dann aber doch wieder in gewohnter Manier zur Geltung: die Trenchcoats, Cabans und Parkas.

BOTTEGA VENETA. Tomas Maier begeistert mit luftigem, leichtgewichtigem Layering aus Hemdjacken, Sahariennes, Anorakvarianten, Windbreakern sowie Tunikashirts als stilistischem Dreh- und Angelpunkt. Das alles interpretiert über handschuhweiches Leder, Seidenchiffon, Crêpe de Chine, gewaschene Baumwolle. Die Farben passen zum entspannten Mood: milde Tabaktöne, Grauschattierungen, pudriges Blau. „Ich wollte es simpel und easy", so Maier.

PRADA. Mantel, Anzüge, Blazer, ein unifarbenes Hemd, ein Tennispullover, ein simples Tank Top. Dies in wenigen, reduzierten Tönen: Blau, Weiß, Beige, Bordeaux und Grün. Danach die permanente, nur in Farben variierende Endlosschleife alldessen. Die Botschaft ist klar: keine Exzesse, alles sauber, angezogen, aufgeräumt. Bei Männern wie bei Frauen - sie liefen mit, in großer Zahl, über einen klinisch weiß geputzten Boden. Miuccia Prada will zurück zum Wesentlichen.

MONCLER GAMME BLEU. Thom Browne schickte zwei Dutzend Jungs in weißen Hosen, weißen Shirts und Matrosenkäppis in Reih und Glied vor sein Publikum. Die legten los, steppten und ließen es krachen, im Stile eines Tanzballetts der 40er Jahr, im Hintergrund Orchestersound. Dann Moncler Gamme Bleu: Seemannsjacken, kurze knackige Stepper, K-Ways, Trenchcoats, luftig, leichte Nylonmäntel. Das Signal: High Tech, Sport und Spaß.

Weitere Top-Schauen aus Mailand finden Sie in Kürze auf TextilWirtschaft online. Eine ausführliche Analyse der Mailänder Männer-Schauen zum Frühjahr 2013 lesen Sie in der TW 26, die am 28. Juni 2012 erscheint.