Wang will's wilder – so zumindest könnte das Motto für den neuen Balenciaga-Kreativchef Alexander Wang lauten, der Nicolas Ghesquière, seines Zeichens Liebling der Fashion-Journaille, nach knapp 15 Jahren aus Amt und Würden verdrängt. Was bedeutet das für Balenciaga?

Der Amerikaner wird das französische Couture-Haus sicher modernisieren, vielleicht sogar revolutionieren. Er gilt immer noch als einer der angesagtesten Aufsteiger der New Yorker Modeszene. Er hat mit seinen Shirts und Sweats und mit seiner sportiv-urbanen Aussage ein Stück Lässigkeit auf die Laufstege gebracht. Das wird sicher auch sein Ansatz für Balenciaga sein. Während Ghesquière als intellektueller, sensibler, scheuer, reflektiver Kreateur galt, der das Haus mit einer anspruchsvollen, oft futuristischen, sehr visionären Couture-Handschrift versehen hat, wird Wang den kommerziellen Aspekt der Marke sicher deutlich stärker herausarbeiten.

Er steht für Jerseys und Sportivität. Ein wenig dieser Frische und Leichtigkeit wird er auf Balenciaga übertragen. Nicht zuletzt hat er seinen Stil in einem exklusiven Gespräch mit der TextilWirtschaft selbst so beschrieben: „Es dreht sich immer um Leichtigkeit, Sexappeal und Ironie. Ich will dieses Super-Prätentiöse aus der Mode nehmen. Bei uns geht es immer um ein Stück Humor und Ironie.“ Ein bisschen Entstauben, ein bisschen mehr Entspannung – das wird für ihn die Marschrichtung sein. Schließlich geht es für Balenciaga unter anderem darum, sich jüngere Zielgruppen zu erschließen. Auch das spricht für das Engagement des New Yorker Aufsteigers. Denn als Amerikaner steht er ohnehin für einen pragmatischeren Ansatz. Dafür spricht nicht nur seine modische Handschrift, sondern auch die Preislagen und der Arbeitsethos, mit denen er mit seinem eigenen Label am Markt agiert. So hat er gegenüber der TextilWirtschaft geäußert: „Bezahlbarkeit ist für mich sehr wichtig.“

Auch den Aufbau eines „gesamten Lifestyles“ und einer „kompletten Markenwelt“ bezeichnete er damals als elementar für den Erfolg einer Designermarke. Er wird sich bei Balenciaga also auch der derzeit noch unterrepräsentierten Accessoires und Schuhe annehmen. Da haben die Franzosen noch jede Menge Nachholbedarf und Potenzial. Ein Rundum-Paket an amerikanischer Freiheit und Ungezähmtheit also für die Marke. Schließlich sagt Wang selbst: „Ich hasse Modediktate.“ Das nächste Hot-Hot-Ticket für die Fashion-Szene nach Kenzo könnte also schon in den Startlöchern stehen.