Die Schauen für Herbst/Winter 2017 sind gelaufen. Was bleibt in Erinnerung? Sicherlich die ungewöhnlich zahlreichen politischen Statements, von Anti Trump-Parolen in New York bis hin zu Feminismus-Bekenntnissen in Mailand. Die Inszenierungen in diesem Jahr fielen im Gegensatz dazu vergleichsweise leise aus. Mit einer Ausnahme: Chanels Raketenrampe im Grand Palais. Major Karl, immer für eine Top Inszenierung gut, hat diesmal noch einen draufgesetzt. Aber auch mit ganz leisen Tönen, wie bei Marc Jacobs, lassen sich gewichtige Statements setzen. Das sind die Top 5.


Chanel, Paris. Groundcontrol to Major Karl. Wenn man den Erfolg einer Schau an ihrer medialen Aufmerksamkeit misst, führt seit Jahren kein Weg an Chanel vorbei. Und tatsächlich hat es Karl Lagerfeld in diesem Frühjahr geschafft, in Sachen Inszenierung noch einen drauf zu setzen. Wohl von keiner anderen Schau wurden so viele Eindrücke in den Sozialen Medien gepostet wie von der Chanel Schau im Grand Palais, denn sie war wahrlich "from outer Space". Lagerfeld ließ das Grand Palais in eine Art stylisches Cape Canaveral verwandeln, das „Centre de Lancement No 5“.  Im Mittelpunkt: eine 37 Meter hohe Rakete, die am Ende der Schau zu den Klängen von Elton Johns „Rocket Man“ sogar ein Stück vom Boden abhob. Eine Sternstunde, bei der – gewollt oder nicht – die Mode fast zur Nebensache wurde.



Marc Jacobs, New York. Quasi der Gegenentwurf zur Chanel-Show. Während bei Chanel ein Special Effect den nächsten jagte, machte Marc Jacobs mit einer Schau von sich reden, der das Übliche fehlte: Musik, gezückte Smartphones – zumindest zu Beginn. Marc Jacobs-CEO Sebastian Suhl hatte ausdrücklich darum gebeten: „Marc möchte, dass jeder die Schau mit seinen eigenen Augen und nicht durch die Kamera erlebt.“ Und so war in der riesigen Park Avenue Armory, wo sich die Zuschauer in zwei langen Reihen gegenübersaßen, zunächst nur das Klackern der Absätze der Models auf dem Holzboden zu hören. Die nächste Überraschung gab es für das Publikum dann beim Verlassen der Halle. Die Models hatten inzwischen auf der Park Avenue auf Klappstühlen vor der Halle Platz genommen. Dort empfingen sie die Zuschauer mit gezückten Smartphones. Eine Umkehrung der üblichen Verhältnisse. Draußen gab's dann auch Musik. „Walk on by“, der berühmte Soulhit aus den 60ern erklang – passend zur Kollektion mit Retro-Attitüde.



Louis Vuitton, Paris. Der Preis für die Top Location der Schauenrunde geht in dieser Saison an Louis Vuitton. Nicolas Ghesquière präsentierte seine neue Kollektion im Louvre, genauer gesagt im Cour Marly im Richelieu Flügel. So defilierten die Models zwischen Marmorskulpturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Eine wunderschöne Kulisse und ein Novum auch für das weltberühmte Museum. Eine Fashion Show in der Skulpturenhalle hat es noch nie gegeben. Für die Franzosen gehören Kunst und Mode ganz offensichtlich einfach zusammen.



Miu Miu, Paris. Miuccia Prada setzt bei ihrer Show für Miu Miu in Paris auf den viel zitierten Fun Faktor. Sowohl in ihrer Kollektion als auch bei der Inszenierung. Der Palais d'Iéna wurde in dieser Saison komplett mit lilafarbenem Plüsch ausgekleidet, von Stufen über Säulen bis zu Geländern. Alles aus einem Guss und sehr harmonisch zur fröhlichen Kollektion mit pastellfarbenen Mänteln und Hüten aus Fake Fur und vielen 70er Jahre Elementen.



Gucci, Mailand. „Der Garten des Alchimisten – ein antimodernes Labor“, so hat Gucci-Designer Alessandro Michele die Story zu seiner Schau genannt. Für die Fotografen war die Inszenierung mit ihren ständig wechselnden bunten Lichteffekten eine Herausforderung, für die Zuschauer ein stimmiges Fashion Spektakel. Michele schickte im Gucci-Headquarter 120 Looks für Frauen und Männer durch eine Art Plexiglasröhre, die sich rund um eine Pyramide im Zentrum zog. Ein ultracooles Ambiente, das in starkem Gegensatz steht zu den eklektischen Looks mit Bezügen zu Orient und Asien, 70ern und 80ern, Disco und Punk, Glam und Granny.

Mehr zum Thema
Catwalk

Die Top Inszenierungen der Menswear-Schauen

Moncler