Nicht nur die Mode an sich ist von Bedeutung bei der Präsentation neuer Kollektionen, sondern auch das Wie. Wie kaum ein anderes Produkt lebt die Mode von Inszenierungen, die sich ins Gedächtnis des Publikums einbrennen und eine Marke emotional aufladen. Die aktuelle Menswear-Schauenrunde war voller kreativer Ideen vom Winterwald bis zur Vertreibung böser Geister. Fünf Inszenierungen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen.



Ermenegildo Zegna. Alessandro Sartori, Zegnas neuer Kreativdirektor, sorgte dafür, dass sein Debüt für die Marke dem Fashion-Volk in Erinnerung bleibt. Schon allein das Setting für seine Schau ist einzigartig: eine ehemalige Fabrik des Reifenherstellers Pirelli nördlich von Mailand. Der Hangar Bicocca, eine 60 Meter breite, 180 Meter lange und 30 Meter hohe Halle, dient als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst und beherbergt zur Zeit eine Groß-Installation des deutschen Künstlers Anselm Kiefer. The „seven heavenly Palaces“ besteht aus sieben, zwischen 13 und 16 Meter hohen Türmen aus Betonplatten und Bleielementen. Zwischen ihnen defilieren die Models auf einem Boden, der von oben betrachtet an Fischgrät-Muster erinnert. Ein Gesamt-Kunstwerk.



Moncler Gamme Bleu. Er ist der Meister der Inszenierung. Thom Brownes Schauen sind viel mehr als nur Präsentationen von Mode, sie sind durchkomponiert bis ins letzte Detail. Stets mit Spannung erwartet. Für Herbst/Winter 2017 entführt er für Moncler Gamme Bleu das Schauenpublikum in ein Winter-Mächen. Schnee bedeckt den Boden, rieselt sogar vom imaginären Himmel, der Wind pfeift. Stimmiger kann Outerwear wohl kaum präsentiert werden.



Dries Van Noten. Back to the roots. Und wie. Dries Van Noten hat seine 99. Show in einen schäbigen U-Bahn-Tunnel an der Porte de Versailles verlegt. Dort, wo der Belgier schon in den Neunzigern seine Mode gezeigt hat. Perfekt zum shabby Ambiente hat er als Musik „Lust fo Life“ von Iggy Pop in der Version aus dem schottischen Filmdrama „Trainspotting“  gewählt. Am Schluss, wenn die Models alle gemeinsam auflaufen, hat das schon fast etwas von einem Demonstrationsmarsch.



Walter Van Beirendonck. Wer schräge Inszenierungen mag, wird die Schau von Walter Van Beirendonck lieben. Er präsentiert seine Kollektion für kommenden Herbst inmitten einer Art Mummenschanz. Haarige Monster mit Dämonenmasken wirken mit ihren monotonen Trommeln wie Einpeitscher. Dahinter verbirgt sich die Nordtiroler Perchten-Gruppe Seidä-Pass. Perchten sind nach alpenländischem Brauchtum gute und böse Geister, die den Winter austreiben.



Antonio Marras. Wie Storytelling funktioniert, zeigt Antonio Marras in Mailand. Motto: „Nulla dies sine linea“, was so viel heißt wie „kein Tag sei ohne nützliche Tätigkeit“. Die ruhige, poetische Präsentation der Mens- und Womenswear-Kollektion wirkt eher wie ein romantisches Theaterstück, denn wie eine Fashion Show. Inspiration dafür war das Werk des armenischen Regisseurs Sergej Paradzanov.