Modenschauen in den Zeichen von Instagram, Facebook und Co: Lässt man die Inszenierungen der vergangenen Schauenrunde noch einmal Revue passieren, dann erinnert man sich ganz spontan an die großen Shows in Mega-Kulisse.
Ob Tommy Hilfigers Jahrmarkt der Eitelkeiten auf dem Gelände des Pier 16 oder Philipp Pleins von Alice im Wunderland inspiriertes Spektakel in Mailand.Tausend mal gesehen. Klicks, Likes und Shares in den Sozialen Medien werden immer mehr zur Leit-Währung für den Erfolg einer Schau. Zuweilen scheint es fast so, als wäre die Instagram-Tauglichkeit inzwischen wichtiger als die Mode selbst. So bewegten sich die Catwalk-Inszenierungen in New York, London, Mailand und Paris in dieser Saison zwischen zwei Extremen: ganz laut und ganz leise, immer aber extrem aufwändig gestaltet und perfekt durchkomponiert. Fünf Top-Präsentationen, die in Erinnerung blieben.


Anya Hindmarch.
Dass eine spektakuläre Inszenierung nicht zwangsläufig ein lautes Spektakel sein muss, hat die vor allem für ihre Taschen bekannte Designerin Anya Hindmarch gezeigt. Sie hat in London eine Schau auf die Beine gestellt, die die Zuschauer förmlich in ihren Bann zog. In den Royal Horticultural Halls stand eine gigantische, kreisförmige Scheibe im Mittelpunkt. Wie eine Muschel öffnete sie sich zum Auftakt ganz langsam und gab den Blick auf eine Art Amphitheater frei, in dem die Models ihre Kreise zogen. Dazu ertönten ruhige, sphärische Klänge.

Für einen zusätzlichen Show-Effekt sorgte die Ausleuchtung der während der gesamten Schau über allem schwebenden Scheibe in unterschiedlichen auf die Kollektion abgestimmten Farben. Die Beziehung zwischen Geometrie und Kunst hätte sie in dieser Saison besonders inspiriert, erklärt die Designerin. So finden sich auch in der Kollektion immer wieder kreisförmige Elemente.



Gucci. Richtig schwer hatten es Fotografen und Blogger bei der Inszenierung der Gucci-Schau in Mailand. Das gesamte Setting war in dichten Nebel und pinkfarbenes Licht getaucht. Ein bisschen gruselig, ein bisschen so, wie in einem komplett verrauchten Nachtclub. Vorhänge aus angeblich 250.000 verspiegelten rechteckigen Pailletten sorgten für Glamour-Effekte.

Florence Welch, Frontfrau von Florence and the Machine und neue Gucci-Markenbotschafterin las mit ihrer prägnanten Stimme Gedichte des englischen Dichters, Naturmystikers und Malers William Blake dazu. Sehr geheimnisvoll und ein wenig verrucht. Top inszeniert, bis ins letzte Detail.



Dries Van Noten. Eine wahre Augenweide. Dries Van Noten hat seine Schau wie so oft wie eine Kunstinstallation gestaltet. In diesem Herbst hat er sich dafür als Kooperationspartner den japanischen Blumenkünstler Azuma Makoto und seine Iced Flowers Show mit ins Boot geholt. Van Noten zeigte seine zum Teil mit Blumendrucken versehenen Entwürfe zwischen 23 großen Eis-Monolithen.

Makoto hat dafür fast 100 seltene Blüten auf einem Amsterdamer Blumenmarkt ausgewählt und arrangiert. Bevor sie für die Show in die französische Hauptstadt gebracht wurden, wurden sie eine Woche lang eingefroren. Eine ruhige, poetische Inszenierung, die ganz ohne Show-Effekte und Promis auskommt und dennoch beim Publikum für einen Gänsehaut-Moment sorgt.



Kenzo. Living Dolls sind an sich nichts Neues. Die Art und Weise wie sie Humberto Leon und Carol Lim für ihre Kenzo-Schau im Architekturmuseum Cité d l'architecture et du patrimoine arrangiert haben schon. Inmitten von aus Stein gemeißelten Statuen wurden echte Menschen, die als Skulpturen posierten, platziert. Ganz normale Menschen, keine Models. Dicke, Dünne, Junge, Alte – zum Teil auf Stelzen, viele nackt, nur bedeckt mit einer Schicht weißlicher oder grünlicher Farbe. Kenzo wollte damit die Schönheit des menschlichen Körpers und seine angeborene Kraft feiern, heißt es in einem Statement. Das ist gelungen – inklusive jeder Menge Instagram-Momente.



Philipp Plein. Ein großes Abschiedsfest. Der King of Bling verlässt Mailand und wird seine Kollektionen künftig in New York zeigen. Das hat er mit einer wahrhaft fulminanten Inszenierung gefeiert. Unter dem Motto Alice in Ghettoland hat er einen kitschig bunten Lunapark aufgebaut. Mit Kettenkarussell, riesigem blinkenden Gartenzwerg, pinkem Flamingo und kleinen 50er Jahre Spielzeughäuschen.

Doch damit nicht genug: Zum Auftakt sang Popstar Fergie und fuhr aus einem riesigen Ghetto-Blaster kommend, im Fifties-Schlitten um den Runway. Eindrucksvoll auch das Finale, als die Models im Ketten-Karussell Platz nahmen und um den Catwalk gewirbelt wurden. Eine Inszenierung, die perfekt zur Marke und ihrer Stilistik passt. Mehr Show geht kaum.