Offiziell bestätigt ist es immer noch nicht. Aber es wird wohl so kommen: Maria Grazia Chiuri soll es jetzt bei Dior richten. Eine Herkules-Aufgabe. Und die übernimmt sie auch noch ganz alleine. Ohne ihren langjährigen Kreativ- und Erfolgspartner Pierpaolo Picioli. Mit ihm gemeinsam hat sie Valentino aus dem spitzenbesetzten Dornröschenschlaf erweckt. Ja, einen echten Valentino-Hype entfacht. Mit Rock-Studs, bestickten Blousons, coolen Sneakern und jung interpretierter Spitze haben sie das unter Gründer und Namensgeber Valentino Garavani zuletzt leicht angestaubte Couture-Haus auf den Radar der Fashion-Szene zurückgebeamt.

Vor allem nicht nur ein virtuelles Social Media-Fieber ausgelöst, sondern auch für exzellente Abverkäufe gesorgt. Die eckigen Nieten auf Taschen und Schuhen sorgen seit Saisons für Wartelisten und Sold out-Markierungen kurz nach Lieferung – und zwar nicht nur bei den großen Online-Stores. Valentino ist damit schließlich wieder in den Olymp der Kopiervorlagen aufgestiegen. Heutzutage eine harte, vielleicht die härteste Währung, wenn Zara und Co eine Kollektion für nachahmenswürdig befinden.

Chiuri und Picioli haben also einen Buzz um Valentino erzeugt. Doch schafft die Italienerin das auch alleine? Hat sie dieses Potenzial auch ohne Picioli, mit dem sie seit über 20 Jahren ein kongeniales Kreativteam ergibt? Oder ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn auch zu Dior holt? Aber noch entscheidender: Nieten, Blouson und Spitze für Dior? Ist das vorstellbar? Hype und Lautstärke für das noble Pariser Luxushaus, das für Pariser Eleganz, französischen Chic und vor allem subtile Schnittkunst steht? Kann das der richtige Weg sein?

Wenn das Management um Toledano einen Richtungswechsel, eine radikale Verjüngung, ja eine Revolution anzetteln möchte, wie ihn derzeit gerade Gucci unter Ägide von Alessandro Michele vollzieht, dann möglicherweise. Wenn man die zurückhaltend intellektuelle Handschrift eines Christian Dior und zuletzt eines Raf Simons fortführen möchte, liegt der Anspruch noch einmal deutlich höher. Ein großes Erbe.