Verkehrs-Chaos par excellence. Vor dem Kino Grand Rex geht absolut gar nichts mehr. Und das bereits eine volle Stunde vor Beginn der letzten Prêt-à-porter-Schau von Jean Paul Gaultier. Schärpen in den Farben der französischen Landesflagge soweit das Auge reicht. Schließlich hat Gaultier zur Wahl der "Miss Jean Paul Gaultier" geladen. Entsprechend sind es auch ebensolche Schärpen, die er anstelle von profanen Eintrittskarten versendet.

Das Schauenpublikum lässt sich nicht lange bitten, viele der Geladenen stehen mit stolz geschwellter Brust und oftmals in blau-weißem Ringeloberteil in der Schlange an, die am Samstag kein Ende zu haben scheint. Frauen wie Männer, alle sehen sich an diesem Abend als Anwärter auf den Titel "Miss Jean Paul Gaultier". Ganz im Sinne des Enfant terrible der französische Modeszene, dessen Namen er mit seiner Abschluss-Show alle Ehre macht.

Gaultier zeigt eine fulminante, schillernde Inszenierung aus Miss-Wahl, Revue und Kabaret, lässt seine Models zu Songs wie "Like a virgin", "Crucified" oder "Sweat dreams" tanzen, strippen, gar miteinander kämpfen. Teils Retrospektive, teils aktuelle Kollektion, mal an jungen, mal an "Vintage"-Models präsentiert.

Als sich der Vorhang senkt, bleiben noch viele minutenlang bewegungslos im prächtigen Saal stehen. Der Abschied, so scheint es, fällt nicht nur dem Meister schwer.

Der Großteil der Gaultier-Missen zieht derweil weiter. Sie werden im Laufe des Abends noch an zahlreichen Pariser Hot Spots gesichtet. Einmal Miss, immer Miss.