Mehrere hundert Schauen stehen auf dem Plan in New York, Mailand und Paris. Wer da herausstechen will, der kann zwar auch über eine gelungene Kollektion punkten. Doch mindestens genauso einprägsam ist eine überraschende Inszenierung. Emotionalität und Eventisierung gilt für den Store wie für den Catwalk mehr denn je. Die Zuschauer und Kunden wollen überrascht werden, wollen eine Geschichte sehen. Damit die Kollektion im Kopf bleibt und sich die Kunden auch zwei Saisons später noch an die Show erinnern.

Überzeugen konnten in diesem Jahr wieder die Großmeister, allen voran Karl Lagerfeld für Chanel. Doch auch andere Defilees abseits des Mainstream schafften es, die Zuschauer zu begeistern. Editor's Choice: Die Top 5 Inszenierungen von den Modenschauen zum Herbst/Winter 2014/15: 

Gallery: Inszenierung Chanel

Chanel. Auch in diesem Jahr hat Karl der Große wieder gezeigt, dass die Chanel-Show das Prädikat „Großes Kino“ verdient. Statt eines Laufstegs ließ er in diesem Jahr einen kompletten Chanel-Supermarkt im Grand Palais mit realen Produkten von der Zahnpasta über Staubwedel bis zum Schinken einrichten. Alle Produkte waren mit einem eigens für die Show entworfenen Chanel-Label verziert und konnten nach der Show an den Kassen käuflich erworben werden. Das „Chanel Shopping Center“ war zuerst Einkaufsmöglichkeit für 81 Models, die sich, ausgestattet mit Koffern und Einkaufswagen, durch den Supermarkt bewegten. Nachdem sie ihre offizielle Laufsteg-Runde beendet hatten, folgte eine persönliche Shoppingtour. Während der Show gab es immer wieder Lautsprecherdurchsagen wie „Die kleine Marine möchte an der Kasse abgeholt werden“. Karl Lagerfeld führte damit die Luxuswelt mit den Konsumgütern des täglichen Bedarfs zusammen, was ihm mit Bravour gelang. Nach der Show stürmten die Schauenbesucher den Supermarkt, um sich ihr persönliches Erinnerungsstück zu sichern.


Gallery: Inszenierung Moncler

Moncler Grenoble. Eine schräge Show, die sicher einige Besucher verstört zurück ließ, zeigte in diesem Frühjahr Moncler Grenoble. Die Schau glich einer Performance, in deren Mittelpunkt der „Pendulum Choir“, ein Schweizer Männer-Chor, stand. Die Sänger waren auf sich bewegenden Metallpodesten befestigt. Dabei sangen sie verfremdete traditionelle Alpengesänge und trugen Skikleidung, die von der Schnittführung an Fräcke erinnerte. Die eigentlichen Models erschienen nach und nach in einer Art Setzkasten dahinter. Jedes Model hatte ein Abteil, das von Zeit zu Zeit erleuchtet wurde und so die Sicht auf die neuesten Stücke der Moncler-Kollektion möglich machte.


Gallery: Inszenierung Mulberry

Mulberry. Mystisch ging es beim Taschenproduzenten Mulberry zu, der in einer Show die aktuelle Kollektion von Supermodel und It-Girl Cara Delevingne zeigte. Zu Beginn war Cara von hinten auf einer Schaukel sitzend zu sehen, umringt von blauem Nebel. Sie hatte mehrere Windhunde bei sich, war umgeben von Birkenstämmen und Laub. Lautes Vogelgezwitscher untermalte die Szene. Später ging Cara mit einigen Hunden und zwei männlichen Models im nebligen Mulberry-Wald umher, begleitet von rythmischer elektronischer Musik. Die Show war eine Fortführung der Print-Werbekampagne, in der Cara zusammen mit Eulen und einem knorrigen Baum zu sehen ist.


Gallery: Inszenierung Dsquared²

Dsquared2. Dean und Dan Caten ließen sich auch in diesem Jahr wieder etwas ganz besonderes für ihre Show einfallen. Als Inspiration diente die Geschichte von „Valley of the Dolls“ - ein Buch und die dazugehörige Verfilmung aus den 60ern. Inhaltlich geht es dabei um den Aufsteig und Fall dreier junger Damen in Hollywood, die letztlich alle in einer psychiatrischen Klinik enden. Die Show startete mit einem Video, die die Szenerie schon vorweg nimmt. Darin zu sehen: Im Stil der 60er Jahre gekleidete Models, die in einer Art Zelle verrückt zu werden scheinen. Als sich der Vorhang auf der Bühne öffnete, erwartet die Zuschauer eine Krankenstation, mit typischen Krankenhaus-Metallbetten, alten weißen Heizkörpern und vergitterten Fenstern. Einige Models waren komplett weiß gekleidet und trug runde Hüte im typischen Sixties Style. Sie stellten die Krankenschwestern dar. Dazu gesellten sich exzentrisch gekleidete Damen. Die Musik tat ihr Übriges und schuf eine authentische Filmatmosphäre.


Gallery: Inszenierung Roberto Cavalli

Roberto Cavalli. Gegensätze ziehen sich an – das war wohl das Motto der diesjährigen Show von Roberto Cavalli. Und so ließ er seine Models um ein großes rundes Wasserbecken laufen, das von lodernden Flammen umspielt wurde. Zwei Elemente, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Um dem glamourösen Cavalli-Stil etwas Mysteriöses zu verleihen, gab es außerdem keine grellen Schweinwerfer oder direktes Licht. Stattdessen blieben die Models in dem von Flammen und Lasern nur wenig erleuchteten Raum im geheimnisvollen Halbdunkel.