Mix it, baby. Im Designer-Genre der Menswear gibt es keine Angst vor neuen Nachbarschaften. Das zeigen die Laufsteg-Kollektionen für Herbst 2012 eindrucksvoll. Im Fokus steht das Spiel mit unterschiedlichsten, teils gegensätzlichen Elementen. Wie sieht das konkret aus? Sowohl Viktor&Rolf als auch Neil Barrett und Paul Smith schicken zum Beispiel federleichte Nylon-Oberteile über den Laufsteg. Halb Pulli, halb Jacke. Bei Corneliani, Jil Sander und Burberry Prorsum wird der sportiv-spielerische Gedanke des Print-T-Shirts auf edle Hemden und Strickpullover übertragen – allen voran mit sympatischen Motiven aus der Welt von Fuchs, Blauwal, Elefant und Co. Frankie Morello treibt die Hybridisierung der Menswear sogar soweit, dass er Anzug-Jackets zum Saum hin fließend zum gestrickten, soften Cardigan werden lässt.

All diese neuen Mixlinge werden integriert in breite, teils überraschend massentaugliche Trend-Themen. Omnipräsent zeigt sich die Vielfalt tiefer, reicher Rottöne, die über sämtliche Produktgruppen gespielt wird. Dazu stellen viele Kreative als neueren Farbimpuls zum Herbst eine satte Grünwelt.  Der weiterhin starke Luxus-Klassiker Camel kommt hingegen konzentrierter zum Einsatz. Und zwar vor allem auf entspannten Casual-Styles wie Hoodies, Parkas, Schlupfblousons. Der Blitz-Trend Neon, der die DOB schon jetzt fest im Griff hat und die Schaufenster und Flächen vieler internationaler Department-Stores unübersehbar dominiert, wird für die Männer zum Herbst nur punktuell gesehen.

Die Top-Themen:

DAS TÄGLICHE ROT. Darin sieht jeder Mann gut aus. Unterschiedlichste Rottöne, zumeist tief, reich und edel, werden miteinander kombiniert. Haarige Mohair-Pullis stehen im Kontrast zu blanken Leder-Styles und federleichten Nylons mit leichtem Lüster. Auch Accessoires wie Schals, Krawatten und schlanke Boots werden ins wohl temperierte Rotwein-Farbbad getaucht.

Acne (links), Neil Barrett
Acne (links), Neil Barrett




SANDMÄNNER. Der Luxus-Klassiker Camel macht sich locker. Qualitäten von Angora bis Vicunha werden vor allem dann neu, wenn sie für Street- und Sportswear-Styles zum Einsatz kommen. Sweatshirts, Schlupfblousons und enstpannte Parkas werden ton-in-ton übereinander gelegt. Echte Active-Farben kommen über die Accessoires. Schals, Schuhe und Taschen dürfen aufblitzen.

Pringle (links), Neil Barrett
Pringle (links), Neil Barrett




SCHLANKMACHER. Da geht noch was. Zum Herbst haben die Designer die Konfektion noch einmal auf Diät gesetzt. Aber nur was die Passformen anbelangt. Verkürzte Hosen und Jackets, schlanker Ärmel- und Beinverlauf sind ein Muss. Die Oberflächen der Qualitäten hingegen zeichnen ein Bild mit Tiefgang: über Melangen, sanfte Karos und Flanell-Anleihen.

Neil Barrett (links), Zegna
Neil Barrett (links), Zegna




GRÜNES LICHT. Orange, nein Danke? Wer so denkt, findet in zahlreichen Grünschattierungen würdige Nachfolger für die gebrannte Gewürzfarb-Arie des breiten Marktes. Von Smaragd über Tanne bis Bottle zeigt sich die neue Palette an bläulich grünen Nuancen. Dichte Baumwoll-Qualitäten stehen für technischen Purismus, haariger Luxus-Strick sorgt für Wärme trotz kühler Farbe.

DSquared (links), Iceberg
DSquared (links), Iceberg




NEUE NACHBARN. Materialmix deluxe. Feinste Tuche treffen auf wertigstes Leder. Für eindeutige Akzente und architektonisches Colour-Blocking. Bei Outerwear und Accessoires. Die Spitze der Bewegung gibt dem Kombinationsgedanken einen neuen Dreh und wirft die Druckmaschinen an. Großflächige Prints landen so auf Hemden, Sakkos, sogar Anzügen.

Bikkembergs (links), Bottega Veneta
Bikkembergs (links), Bottega Veneta




MANTEL-TRAINING. Häng den Parka an den Haken. Für die modische Spitze der Menswear geht es ab sofort nur noch im Mantel vor die Tür. Ob mit breiter, zweireihiger Brust oder dezent verdeckter Knopfleiste. Hauptsache schlank und scharf geschnitten ist das Teil. Wolle ist der Taktgeber. Und das Beste: So ist ein Ende der Fellkapuzen-Schwemme in Sicht.

Bottega Veneta (links), Ports 1961
Bottega Veneta (links), Ports 1961