Am vierten Tag der London Fashion Week zählten Peter Pilotto, Christopher Kane, Erdem, Burberry Prorsum und Giles zu den Topschauen.

PETER PILOTTO. Designer Christopher de Vos und Peter Pilotto, die Macher von Peter Pilotto, scheinen gerne nach Asien zu reisen. Dieses Mal dient Kalkutta als Inspirationsquelle für die Sommerkollektion. In der Vergangenheit war es auch mal Indonesien. Die Kollektion ist die konsequente Fortführung dessen, wofür Peter Pilotto steht. Drucke in allen Variationen. Kleider, Röcke und Oberteile, versehen mit opulenten Stickereien, Pailletten und Perlen. Graphische Muster im Mix mit Ornament-Drucken und Fantasie-Prints. Zu Beginn zeigt das Designer-Duo graphische Dessins in Schwarz/Weiß, später wird die Farbpalette durch leuchtende Töne wie Limette, Neongelb, Orange, Rot und Türkis erweitert. Auch wenn die Drucke bei Peter Pilotto weiterhin im Mittelpunkt stehen, auf den zweiten Blick sieht man, dass sich die Silhouette weiterentwickelt hat. Besonders auffällig: Schößchen betonen die Taille. Oberteile mit Cut-outs sind Hingucker. Nebennotiz: In der Luft liegt der Kaffee-Duft des Topshop-Cafés, und zwar während der gesamten Show, die im Topshop Show Space stattfindet. Duftmarketing par excellence.

CHRISTOPHER KANE. Im Winter dunkel, im Sommer hell. Könnte so vielleicht die Faustregel aussehen, mit der sich Designer Christopher Kane in die Vorbereitungen für seine Kollektion stürzt? Diese ist, wie auch die vergangene Sommerkollektion farblich wieder sehr hell ausgefallen. Viele Weiß, Creme- und Beige-Nuancen zeigen sich auf dem Laufsteg. Dazu viele Rosé, Gelb- und Pink-Töne. Und noch eine andere Regel scheint Kane zu beherzigen: Bleibe dem Heimwerkerladen treu. Schon in der Winterkollektion wirkten Strickpullover wie Elektrodrähte, dicke, lederne Schläuche dienten als Passepartout für viele Outfits. Nun sind es Kunststoff-Bolzen, die die Funktion von Knöpfen, Klammern, Zippern und Gürteln ersetzen. Zum Einsatz kommt auch das Gaffer-Tape. Mal etwas dezenter in Weiß oder aber in Schwarz und wie zufällig auf ein transparentes Rosé-Top geklebt. Die Silhouette variiert von steif zu weich. Kastig geschnittene Blazer werden zu weiten Hosen kombiniert, einige Kleider wirken wie aus Origami-Papier gefaltet. Die Verspieltheit und Mädchenhaftigkeit von Kanes Entwürfen wird durch die handwerklichen Details wieder ausgebremst, was seiner Kollektion einen sehr modernen, fast futuristischen Charakter verleiht.

ERDEM. Würde Zenna Henderson noch leben, sie hätte sicher gefallen an der Kollektion von Erdem Moralioglu gefunden. Die Science Fiction-Autorin und ihre Buchreihe aus den 50er Jahren „The People“ dienten dem Designer als Inspiration für seine Kollektion. Kurz zusammengefasst: „The People" handelt vom Schicksal Außerirdischer, die wie Menschen aussehen, aber über „Psi-Kräfte“ verfügen. Als ihre Heimatwelt zerstört wird, müssen sie zu anderen Planeten flüchten. Einige von ihnen gelangen auf die Erde. Was sie dort anziehen könnten, darüber hat sich Moralioglu Gedanken gemacht. Der Hang zum Filigranen, Feingliedrigen ist geblieben, damals waren es die hauchdünnen, bodenlangen Hängerchen mit Spitzen-Applikationen sowie die allover blütenbestickten Entwürfe, die die Sommerkollektion auszeichnete. Aktuell setzt Erdem auf Python. Das markante Schlangenmuster zeigt sich allover oder zu Spitze und Blütendruck kombiniert auf Kleid, Rock, Top oder Mantel. Ein weiteres Highlight sind die seidigen Organza-Kleider, die mit neonorangenen, babyblauen und gelben Blütenblättern bestickt sind. „Uncomfortable Color-Combinations" oder "toxic pastells" nennt der Desginer seine Farbkompositionen. Weitere Elemente, die immer wieder auftauchen, sind Cut-outs, transparente Layerings sowie reich geschmückte Organzastoffe.

BURBERRY PRORSUM. Er wolle mit seiner Kollektion den britischen Glamour der 40er Jahre repräsentieren, so Burberry Prorsum-Designer Christopher Bailey. Es ist ihm gelungen. Und das nicht nur, weil er seine Models in gerafften Bodys und Jäckchen in Gold- und Silber über den Catwalk laufen lässt. Neben den üblich Verdächtigen, den Trenchcoats, die mal mit überdimensional großen Schulterklappen aufwarten, mal mit großen Puffärmeln daherkommen, setzt Bailey auf Capeformen. In orangefarbenem Kunststoff, extrem kurz in Silber, lang mit Schulterkappen oder im Bolerojacken-Style. Die Farbnunancen reichen von zuckersüßen Rot, Rosé und Pinktönen bis Blau, Türkis, hin zu gedeckteren Beige- und Brauntönen. Den schimmernden Oberflächen setzt Bailey figurbetonte Bustierkleider, Shorts und Mäntel entgegen. Genauso tauchen aber auch voluminöse Silhouetten in seiner Kollektion auf, die man bei Ärmeln, Schulterpartien und vor allen Dingen Capes sieht. Mit Spannung wurde das Defilee vom Publikum ewartet. Alle Models trugen metallic-glänzende Trenchcoats und bildeten so die Farben des Regenbogens ab. Ein zauberhaftes Schlussbild.

GILES. Für Designer Giles Deacon scheint die Mystik eine unerschöpfliche Inspirationsquelle zu sein. Wie auch schon in seinen vorangegangenen Kollektionen haftet auch diesen Entwürfen etwas Düsteres an. Ein zersplittertes Glasmotiv zieht sich durch die gesamte Kollektion und zeigt sich auf Tops, Röcken und Kleidern. Aus der griechischen Mythologie hat sich Deacon Pegasus ausgesucht. Das weiße, geflügelte Pferd setzt er großflächig auf voluminösen Abendkleidern und Röcken ein. Ein weiteres wichtiges Element, das sich wie ein roter Faden durch die Kollektion zieht, sind Lasercuts. Teilweise sind die Kleider so „durchlöchert“, dass sie optisch den Anschein haben, zu zerspringen. Schwarz und Weiß dominieren die Kollektion. Nur ein bronzeschimmerndes Lasercut-Kleid und ein hellblau schimmerndes, perlen- und paillettenbesetztes Abendkleid durchbrechen die Schwarz/Weiße-Dominanz. Zu den Hinguckern zählen wieder die ausgefallenen Kopfbedeckungen. Absolutes Highlight ist ein graumeliertes Feder-Fantasie-Kleid.