Jede Saison aufs Neue muss man über London diskutieren. Hat die Metropole Relevanz im internationalen Vergleich mit New York, Paris und Mailand? Die großen Namen zeigen woanders. Sogar britische Designer wie Stella McCartney und Victoria Beckham kehren „ihrer“ Stadt den Rücken und präsentieren ihre Kollektionen lieber in Paris bzw. New York. Andere, wie Vivienne Westwood und Alexander McQueen, schicken lediglich ihre jüngeren Zweitlinien über Londons Laufstege.

Das mag alles richtig sein. Hinter New York, Mailand und Paris steht London zurück. Aber in nichts nach. Burrberry Prorsum ist hier, Mulberry und Paul Smith. Matthew Williamson. Peter Pilotto. Und sie, über die im Moment die ganze Fashion-Branche zu schwärmen scheint: Mary Katrantzou. Die in London lebende Griechin wird nun bereits seit einigen Saisons als Aufsteigerin gefeiert. Vor allem wegen ihres Gespürs für Prints. Die Kollektion hängt in Deutschland bei namenhaften Einzelhändlern des Luxusgenres. Eickhoff, Unger, Stylebop. Und sie berichten unisono von guten Abverkäufen.

2010 bereits gewann die junge Designerin den Swiss Textiles Award. Katrantzou konnte sich mit ihren ausdrucksstarken, sehr individuellen Mustern und femininen Silhouetten gegen die harte Konkurrenz durchsetzen. Der Preis, der vom Textilverband Schweiz TVS verliehen wurde, ist mit 100.000 Euro dotiert. „Damit kann ich jetzt mein Business weiterentwickeln und auf die nächste Stufe bringen“, sagte die völlig überwältigte Siegerin Mary Katrantzou damals. Mittlerweile hat sie außerdem den British Fashion Award for Emerging Talent gewonnen. Sowie den Young Designer of the Year beim Elle Style Awards.

Und sie hat ihre Kollektion auf die nächste Stufe gebracht. In London zeigt sie das aktuell. Mit wertvollen Materialien und Prints, die von Briefmarken- und Münzen inspiriert sind. „Ich wusste, ich sollte Korsagen und die Hektik der letzten Kollektion über Bord werfen und mir war bewusst, dass ich auch nicht mit den Trompe-l’oeil-Effekten weitermachen konnte.“ Aber Briefmarken? Münzen? Banknoten? Die Idee nicht kitschig umzusetzen, ist eine Kunst. Ein wenig Romantik ist geblieben, aber im Vordergrund steht die Geometrie. Die symmetrischen Prints unterstützen die geradlinigen Silhouetten. Die Ecken der Briefmarken und Geldscheine bilden perfekt geometrische Kanten an Teilen in A-Linie, an boxy Tops, Shirtkleidern und schmalen Hosen und verleihen ihnen so Extra-Stand. Metallische Brokats stehen für den reichen Materialeinsatz.

Entsprechend reich ist auch der Applaus nach der Show und in den Medien. Und den nächsten Coup hat Mary Katrantzou bereits im Gepäck: Nach Kooperationen mit Topshop, dem Taschen-Label Longchamp und mit Stiletto-Papst Christian Louboutin wird es eine Kollaboration mit der Denim-Marke Current Elliott geben. Die Kollektion wird Ende September präsentiert. Allerdings nicht in London, sondern in Paris.

Die London Fashion Week läuft bis zum 18. September. Auf unserer Website finden Sie täglich neue Berichte über die besten Schauen.