Am dritten Tag der London Fashion Week zählten Preen, Matthew Williamson, Acne, Paul Smith und Jonathan Saunders zu den Topschauen.

PREEN.
Nach fünf Jahren Schauenmarathon in New York zeigten Preen-Designer Justin Thornton und Thea Bregazzi ihre Kollektion erstmals wieder in London. Als Präsentationsplattform wählte das Desginer-Duo das Darwin Center im Naturhistorischen Museum, das besonders durch seine futuristisch anmutende Architektur beeindruckte. Kein Zufall. Denn futuristisch und architektonisch angehaucht zeigt sich auch die Kollektion: Oberteile mit großflächigen transparenten Flächen, nassglänzende Nylonhosen, schimmernde Hosenanzüge in Organza, Spitze in Kombination mit festen Stoffen wie Leder, Bleistiftröcke mit hohen Schlitzen, Etuikleider mit raffinierten überlappenden Stoffeinsätzen oder transparenten Einsätzen. Fazit: Mit ihrer aktuellen Kollektion wagt Preen keine modischen Experimente. Im Vergleich zur letzten Kollektion zeigt sich diese aber deutlich weniger farbenfroh und verspielt. Die unzähligen Blütenprints, Schößchen und taillierten Formen sind gewichen, stattdessen setzen sich Animalprints wie Rochen, Leo und ganz stark Schlange durch. Rosen zeigen sich in schimmernden Qualitäten auf Kleidern, Röcken und Oberteilen. Nicht zuletzt wird der eine oder andere Zuschauer im Darwin Center auch immer wieder an Phoebe Philo gedacht haben. Denn der sehr cleane und sophisticated Look der Kollektion und die teilweise kastigen Formen erinnern stark an den typischen Céline-Look.

MATTHEW WILLIAMSON. Der Designer, dem die Stars vertrauen. So könnte man sagen. An Celebrity-Fans mangelt es Matthew Williamson wirklich nicht. Ob Lindsay Lohan, Rachel Zoe, Katy Perry, Kristen Steward oder Sienna Miller, sie alle sind bekennende Matthew Williams Trägerinnen. Wenig Überraschendes, trotzdem viel Schönes zeigt der Designer jetzt auf der London Fashion Week. Ähnlich wie in der letzten Sommerkollektion spielen Ethno-Muster bei Williamson eine tragende Rolle. Dieses Mal kommen die Inspirationen unverkennbar aus Indien: Frische Farben wie Orange, Gelb, Türkis, Rot, Blau und Grün bringen die Entwürfe zum Leuchten. Seidenblusen und Tunika-Kleider mit aufgedruckten Berglandschaften inklusive Palmendschungel-Druck, Spiegelpailletten-besetzte Kleider, Taschen und Röcke. Ethno Gobelin-Stickerein und Jacquards. Gebetsketten machen den Indien-Look komplett. News am Rande gab es auch: Im kommenden Frühjahr will Williamson seine erste eigene Schuhlinie launchen. Ein Paar Modelle ließ er jetzt schon auf dem Laufsteg ausführen.

ACNE. Von der Musik haben sich schon viele inspirieren lassen. So auch Acne-Designer Jonny Johansson. „Meet me at the wrecking Ball, I'll wear something pretty and white", singt die zierliche Emmylou Harris in ihrem Song "Wrecking Ball" da. Einige Entwürfe in Weiß konnte man dann auch über den Laufsteg schreiten sehen. Bodenlange, voluminöse Kleider und Röcke, hochgeschlossene Oberteile mit Trompetenärmeln (fast schon romantisch-revolutionär für Acne) dazu hochgeschlitzte Röcke oder enganliegende Hosen mit Gallonstreifen in Leder. Vielleicht der Einfluss von der zarten Emmylou? Dann war aber auch wieder gut mit Romantik, und Johansson zeigte in gewohnter Acne-Manier Looks für Großstadtamazonen. Nicht immer cosy, aber dafür mit Statement: gegurtete Röcke, Kleider und Hosen, üppige Layerings, schulterbetonende Oberteile zu schmalen Hosen, zweifarbige gestreifte Lederwesten und immer wieder Shirts mit dem Aufdruck „Music“.

PAUL SMITH. Der ein oder andere Zuschauer wird sich gefragt haben, ob er in der richtigen Fashion-Show sitzt. Models in leuchtend roten Hosen, hochgeschlossenen Kleidern mit Schlitz, gefolgt von Models in Kleidern mit orange-, schwarz- und creme-farbenen Colorblocks, die zu Beginn über den Laufsteg schreiten. Wo? Bei Paul Smith! Der Designer, der zuletzt in der DOB-Kollektion wenig Farbexperimente wagte. Der Designer, der in seiner letzten Sommerkollektion einzig und allein ein royalblaues Top und einen zitrusgelben Tellerrock als Farbtupfer einsetzte und sich ansonsten lieber im Petrolfarben-Spektrum aufhält, zeigt leuchtende Farben. Mal allover als Blazer, Hemd und Hosen-Kombination, mal akzentuiert als Farb-Highlight. Damit setzt er das fort, was er kürzlich in Paris für die Männer gezeigt hat. Farbe satt. Seiner schicken, aber zurückhaltenden Fashion-Attitüde bleibt Smith ansonsten aber treu: Leicht transparente Blusen werden zu Seiden-Trekpants getragen, gerade geschnittene Blazer mit transparenten Ärmeln zu lässig geschnittenen Hosen.

JONATHAN SAUNDERS. Es sei „die härteste Kollektion gewesen“, an der er jemals gearbeitet hat, so Designer Jonathan Saunders. Die harte Arbeit hat sich gelohnt. Saunders überrascht mit einer extrem facettenreichen Kollektion. Von metallic-und goldglänzenden Stiftröcken mit nudefarbenen Oberteilen bis weißen Etuikleidern mit Tropfenmustern, hin zu tief ausgeschnittenen Seiden-Einteilern. Die Tropfenmuster haben es dem Designer besonders angetan. Sie finden sich immer wieder neu umgesetzt auf Kleidern, Röcken, Tops, Hosen und Blazern wieder. Wie auch in seiner vorangegangenen Sommerkollektion zeigen sich Saunders Schnitte körperumspielend. Mehr als zuvor verwendet er in dieser Kollektion Materialien wie Leder, Glanzfolien und Seide und experimentiert mit Verarbeitungsmethoden wie dem Ausbrennen.