Der vorletzte Tag der London Fashion Week war der Tag der großen Namen. Von vielen sehnsüchtig erwartet und deshalb auch bis auf den letzten Stehplatz ausgebucht: Die Show von Burberry Prorsum. Öffenlichkeitswirksam schickte das britische Traditionshaus das Model Cara Delevingne über den Lausteg. Während der Show wurde klar, Chefdesigner Christopher Bailey hat neben den immer wieder neu interpretierten Trenchcoats wohl ein neues Lieblingsteil: Den Pencilskirt. Editor's Choice: die besten Schauen aus London. Tag 4:



Christopher Kane.
Flower-Power beim schottischen Designer Christopher Kane, der seinem Ruf als Shooting-Star der britischen Modeszene einmal mehr gerecht wird. Die Blüte und ihre Entstehung ist Inspiration für seine Frühjahrs-Kollektion und wird in den unterschiedlichsten Facetten als Motiv aufgegriffen. Den Anfang machen ausgestanzte tränenförmige Metall-Blütenblätter, die nackte Haut hervorblitzen lassen. Midiröcke und hochgeschlossene, ärmellose Tops in Blütenspitze symbolisieren Feminität. Dazu dröhnen immer lauter werdende Beats von Pink Floyd's "Another Brick in the Wall" durch das Farmiloe Building, eine ehemalige Lagerhalle mit industriellem Flair. Transparente Plissee-Röcke stehen im Kontrast zu sportiven Sweats mit dem Schriftzug "Flower" oder einem plakativen Blüten-Print mit Pailletten. Neben Schwarz sind es vor allem Pastelltöne wie Mint, Rosé und Flieder, auf die Kane setzt. Drapierte, fließende Kleider und Ensembles kommen mit aufwendigen Blütenapplikation aus Strasssteinen an denTrägern, die die Schulter in Szene setzen. Jede Menge Statement-Pieces zum nächsten Sommer. Dann soll übrigens auch der erste Standalone-Store von Christopher Kane im Londoner Stadtteil Mayfair eröffnen.



Erdem.
Ein großer schwarzer Flügel in der Mitte des Catwalks, frische weiße Hortensien auf den Plätzen der Zuschauer. In der Front Row unter anderem US-Vogue-Chefin Anna Wintour und It-Girls Pixie Geldof und Alexa Chung. Piano und Cello sind die musikalische Untermalung der Erdem-Show im West Handyside Canopy auf dem Gelände des Central Saint Martins College. Schwarz und Weiß sind dann auch die Protagonisten der Kollektion von Designer Erdem Moralioğlu zum nächsten Sommer. Ein Hauch 20er Jahre liegt in der Luft. Unschuldige Romantik gepaart mit einer düsteren Seite. Charleston-Federn, lange Spitzenkleider mit Blütenornamenten und Tülleinsätze prägen den Look. Im Zentrum steht das Spiel mit verschiedenen Längen und unterschiedlichen Materialien. Ein schwarzes, transparentes Spitzenkleid kommt etwa über einer weißen Hemdbluse, transparente Schleppen hängen an Kleidern. Tragbarer sind hingegen Biker-Jacken mit Blüten-Ornamentik und plissierte Lederröcke.



Burberry Prorsum.
Strömender Regen kurz bevor die mit großer Vorfreude erwartete Burberry Prorsum-Show in den Kensington Gardens beginnt. Die mit einem Glasdach überdachte Halle platzt aus allen Nähten, jeder mögliche zusätzliche Stehplatz wird von den Besuchern genutzt. Wie bereits bei Mulberry am Sonntag ist sie auch hier auf dem Laufsteg zu sehen: das britische Model Cara Delevingne - das Gesicht der London Fashion Week für Spring/Summer 2014. Sie verkörpert denn auch perfekt den Look der Kollektion: traditioneller britischer Chic gepaart mit Understatement und einer ordentlichen Portion Sex-Appeal. Viel Spitze (aus Nottingham) und Kaschmir (aus Schottland) ist zu sehen in edlen Pastellen wie Flieder, Bleu und Erdbeere. Daneben natürlich Camel in den verschiedensten Nuancen. Edle Spitzenröcke werden mit kleinen Cardigans oder femininen Blusen kombiniert, darüber kommen lockere oversized-Hüllen in Doubleface oder Velours, die dieses Mal den klassische Burberry-Trenchcoat ersetzen. Highlight ist das letzte Outfit der Show: ein durchsichtiges Cape mit Schmucksteinen besetzt zu einem Ensemble aus feiner Mosaikspitze. Präsentiert natürlich von Cara Delevingne. Und wäre das nicht krönender Abschluss genug, lässt Kreativ-Direktor Christopher Bailey beim Finale Blütenblätter von der Decke regnen. Und auch draußen zeigt sich auf einmal wieder strahlender Sonnenschein.



Tom Ford.
Frauen mit Profil sind bei Tom Ford zu sehen. Erst zum zweiten Mal zeigt der US-Designer im Rahmen des offiziellen Schauenplans in London, hatte er bis Februar seine Kreationen nur einem kleinen, ausgewählten Kreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit präsentiert. Starke Schultern, Gürtel, Schnallen, Stehkragen, viel Leder, Schwarz und Braun - die Entwürfe, die Ford zu Beginn der Show über den Laufsteg schickt, haben einen protektiven, toughen Charakter. Doch das Bild ändert sich Stück für Stück, je mehr Transparenz ins Spiel kommt und nackte Haut durch Cut-outs oder Netzstrumpfhosen sichtbar wird. Futuristisch und sexy wird es über hochgeschlossene aber körperbetonte Kleider mit schillernden Mosaik-Plättchen. Edle Anzug-Kombinationen und Pelzjäckchen symbolisieren den sophisticated Luxury-Chic, für den Tom Ford steht. Mit seiner Präsentation bildet er das Schlusslicht eines hochkarätigen Schauentages, bevor die London Fashion Week am Dienstagabend endet.