Am Donnerstag feiern alle noch das große Finale mit Marc Jacobs in New York. Ab Freitag steht die London Fashion Week auf dem Plan. Und während an den ersten beiden Tagen unbekanntere Namen den Catwalk bestimmen, sind am Sonntag die Hochkaräter an der Reihe. Mulberry zeigt die letzte Kollektion unter Kreativdirektorin Emma Hill - eine Kollektion voller Gegensätze. Blümchenmuster, Leder, zarte Pastelltöne und Knallfarben prägen die Looks. Paul Smith setzt auf lässiges Understatement und schickt eine Neuinterpretation altbewährter Klassiker über den Catwalk. Mary Katrantzou setzt auf cleane Druckmotive. Editor's Choice: die besten Schauen vom Wochenende aus London:



Mulberry.
Tea Time und Mash-up-Music, Blümchenmuster und Lederkombis, Schwäne und Bulldoggen - die letzte Mulberry-Kollektion unter kreativer Regie von Emma Hill lebt von Kontrasten. Schauplatz ist erneut das beeindruckende Claridge's Hotel im Londoner Stadtteil Mayfair, das für seinen Afternoon Tea berühmt ist. So werden denn auch den Showgästen kleine Stückchen und Sandwiches gereicht. Die Kulisse des Catwalks: Ein blumenumranktes Tor mit künstlichen Schwänen. Auch auf dem Laufsteg sind Blümchenmuster Programm. Gänseblümchen kommen in Form von Jacquards bei den Ensembles, als Druck auf Seidenblusen und -Kleidern oder als dreidimensionale Struktur auf Röcken und Sweats.

Dominieren zu Beginn der Show noch zarte Pastelltöne wie Bleu und Rosé, kommen später ein Feuerrot, Schwarz, Navy und Cream zum Einsatz. Bei den Materialien wird neben fließenden, transparenten Stoffen, vor allem Leder in allen Facetten gezeigt - sei es als A-Linien-Rock, Querstreifen-Kleid oder als leichte Hülle. Schulterfreie Bustier-Tops mit angedeutetem Schößchen kommen in Kombination mit weiten Hosenröcken. Druckknöpfe an weiten Bundfaltenhosen und Lederröcken geben Raum, um mit Asymmetrie zu spielen. Und nicht nur echte Bulldoggen führen die Models auf dem Laufsteg mit sich. Natürlich auch die Bayswater und Willow: die Signature-Bags von Mulberry.



Paul Smith.
Lässiges Understatement zeigt "Sir Paul" bei seiner Show im Granary Building des Saint Martins College of Arts and Design. Seinem Motto "Classic with a Twist" bleibt der Brite ein weiteres Mal treu. Klassische Muster wie das Schotten-Karo oder der Hahnentritt werden neu interpretiert. Letzterer etwa als Druck auf einer Hotpants im 50ies-Style oder als platzierte Stickerei am Jacken-Ärmel. Das Karo erhält eine neue Optik, da mehr Längs- als Querstreifen zu sehen sind, und kommt immer auf glatten, glänzenden Materialien.

Der Blazer, die Bluse und die weite Bundfaltenhose sind die wichtigsten Bausteine der Kollektion. Immer lässig aber sophisticated. Der Blazer ist mal überlang, mal kürzer, immer leicht oversized mit einem Knopf, oft mit breitem Revers. Transparente Seidenblusen mit überschnittenen Ärmeln werden lose geknöpft und vermitteln Sex-Appeal. Dazu: hochgeschnittene weite Bundfaltenhosen, oft in 3/4-Länge, Gürtel setzen die Taille in Szene. Romantische Details sind dezente Rüschen-Besätze bei Blusen und Kleidern. Die Farbigkeit bei Paul Smith ist nach wie vor satt: Aqua, Gelb und Grün setzen Akzente neben den Klassikern Navy, Schwarz und Weiß. Frühlingshaftes Element ist ein plakatives Osterglocken-Print auf Kleidern und Tops.



Mary Katrantzou.
Bekannt für ihre elaborierten Drucke versucht Mary Katrantzou ihre Handschrift von Saison zu Saison weiterzuentwickeln. Das gelingt ihr zumindest in der ersten Hälfte Ihrer Schau der Frühjahrskollektion exzellent. Druckdessins, die Lochungen, Schnallen und Schnürungen von Schuhen aufgreifen, wirken modern und cleaner als viele ihrer Motive zuletzt. Natürlich ist der Hype um das Print-Thema nach nunmehr drei Saisons ein wenig am Abflauen. Aber in Verbindung mit modernen neoprenartigen Materialien, oft mit Stand, und Formen wie schwingenden Miniröcken und übergroßen Bikerwesten gelingt es Katrantzou ihrem Kernthema eine neue Note zu verleihen. Sehr feminin und fast etwas überladen wirkt dagegen der zweite Teil der Show mit voluminösen Babydoll-Kleidern, die nicht nur bedruckt sondern auch noch üppig und dekorativ bestickt sind. Ein Touch too much vielleicht. Da lieber Schuhe auf dem Kleid.