Temperley London. Zur Frau geworden. Das meint in diesem Falle: Temperley London hat ein Frauen-, kein mädchenhaftes Bild gezeichnet. Das meint auch, dass die Styles deutlich sexyer sind als bisher. Besonders deutlich zu sehen bei knappen Bustier- oder semi-transparenten Kleidern aus Spitze. Bei den zahlreichen Overkneestiefeln aus Leder. Bei den Netzstrumpfhosen, die eine Reihe von Looks begleiten. Bei der Taillenbetonung vieler Styles. Dem gegenüber stehen Styles mit folkloristischen Anklängen, meist im Lagen-Look. Mit ornamentalen und von Mosaiken inspirierten Mustern, die auf opulenten Materialien übertragen sind. Überhaupt sind die Oberflächen sehr reich, mal durch Waffeloptik, neoprenartigen Materialien oder mehrfarbigen Stickereien erzeugt. So entsteht ein fast schon (zu) opulenter Look bei der ein oder anderen Kombination. Dieser wird zusätzlich durch die großen bestickten Folklore-Tücher unterstützt, die hier in fast keinem Look fehlen dürfen.



Topshop Unique. Bomberjacke, wadenlanger Rock, Oversize-Mäntel in Pythonoptik, ultrakurze Shorts und immer wieder Sweats: Topshop Unique, die Catwalk-Linie des britischen Kult-Filialisten, bringt – selbstredend – eine Reihe von aktuellen It-Teilen auf den Lauftsteg im Tate Modern. Eine stringente Linie, eine Grundidee ergibt sich dabei für den Look allerdings nicht. Möglich scheint vieles, vom aus der 90er Rave-Zeit inspirierten Pelz über ein Negligée-Hängerchen bis hin zum transparenten, bestickten Oberteil in Kombination zum wadenlangen, verspielten Rock in Taftoptik. Frau muss sich nicht zwischen Raver und Lady entscheiden. Sweats in verschiedensten Varianten sind gesetzt. Fell als Partner zum Seidentop genauso wie zur weißen Bluse. Mal als überlange Weste, mal als kurzes, enges Jäckchen. Hauptsache, und so ergibt sich doch ein verbindendes Element, der Look wirkt unangestrengt und wie zufällig. Konstruierte Bilder gehen gar nicht.



Mary Katrantzou. Highlight Mary Katrantzou: Sie hat vermutlich für die größte Überraschnung an Tag drei der London Fashion Week gesorgt, frenetischer Applaus und Standing Ovations inklusive. Symbol-Stickereien ersetzen Drucke, könnte man den grundlegenden Unterschied schnell zusammenfassen. Katrantzou beschreibt es wie folgt: „Früher habe ich durch meine Drucke gesprochen, jetzt spiele ich mit der Sprache der Symbole." Und so stehen im Zentrum der Kollektion diverse Symbole – mal hawaiianische Maskengesichter auf knackig-kurzen oder bodenlangen Kleidern in Markramee-Spitze, mal applizierte Rechtecke, Dreiecke oder Herzen auf semitransparenten Hängerchen in Kettenoptik. Und da schließlich auch Uniformen symbolträchtig sind: Ob Toga oder Kilt – subtile Anleihen daran finden sich quer durch die Kollektion. Meist bricht Katrantzou innerhalb des Looks, verbindet etwa harte Kettenoptik mit mädchenhaften Plissee-Röcken oder -Schleppen. Oder platziert die fast kriegerisch wirkenden Maskenbilder auf einem weichen Ponyfell-Pullover. Wer`s trägt, gehört zum Katrantzou-Stamm, verspricht die Designerin.