Sissi Goetze. Die Berliner Designerin hat im Studio der Mercedes Benz-Fashion Week Berlin eine der besten Menswear-Kollektionen präsentiert. Auf den Punkt gebracht mit nur zehn Outfits, die durch klare Linien, elegante Formen und vor allem schlichte Strenge beeindrucken. Schon farblich ist alles minimalistisch in Schwarz und Weiß, Anthrazit und Silbergrau gehalten. Fast uniformiert wirken die geraden Shorts aus Baumwollstoffen in cleaner Denim-Optik zu steifen Hemden, schmalen Krawatten und simplen Knopfleisten-Shirts mit aufgesetzter Brusttasche. Klassische Strenge wird subtil aufgebrochen mit kleinen sportiven Details wie breiten, abgesteppten Falten an Knien und Ellenbogen, die immer wieder auftauchen – an Pullis, Sakkos, Jacken und Hosen.

Außerdem zeigt die Designerin neue Jackenvarianten, Sakkos ohne Revers, Kragen mit lässig aufgesetzten Taschen und gestrickten Bündchen am Ärmel. Neu sind auch die Materialien wie leicht wattierter schwarzer Waffelpikee und Baumwollstoffe in cleaner, dunkler Denim-Optik. Pfadfinder-Flair bringen die kleinen ranzenförmigen Brustbeutel.

Viel klarer ist der Stil von Frida Weyer geworden. Nachdem die Berlinerin eine Saison ausgesetzt und in Istanbul gearbeitet hat, ist ihre Kollektion deutlich ausgereifter. Und wie immer feminin, elegant. Wie üblich zeigt sie fast ausschließlich Kleider, schlicht und körperbetont in Etuiform, weit schwingend und romantisch, kniekurz und bodenlang. Streng und züchtig, sexy und glamourös. Hingucker sind das knallorange Schösschen- und das fluffige Feder-Kleid. Gelungener als in den ersten Kollektionen sind ihre Experimente mit Stoffen und Drucken. Seide, Chiffon und Brokat bleiben wichtig. Farblich überwiegen Schwarz und Weiß, Creme und Mint. Dazu kommen knalliges Zitronengelb, Orange und Türkis. Sehr schön, neu und plakativ sind die scherenschnittartigen schwarzen Blumendrucke, eine Hommage an ihre Zeit zwischen Orient und Okzident.

Holy Ghost. Die Kollektion der drei Münchnerinnen gehört zu den überraschenden Highlights am letzten Schauentag. Elegant und sexy, aber immer tragbar und alltagstauglich sind die Kreationen von Holy Ghost. Goldene Blazer werden über olivfarbenen Shirts zu cremefarbenen Shorts kombiniert. Kernstück der Kollektion ist der Overall, der in verschiedenen Varianten immer wieder auftaucht. Mal aus gesmashtem caramellfarbenem Veloursstoff, mal mit kurzem Bein und Tunnelzug. Der Tunnelzug ist ein zentrales Element, mit dem die Designerinnen spielen und Klassiker sportiv machen, genauso wie die tiefen Rücken-Dekolletees, mit denen brav wirkende schlichte Hemdkleider, Blusen und Overalls von hinten überraschend sexy und luftig werden. Schön auch die Streifenprints im pastellfarben getönten Safari-Look, die auf wallenden Röcken, Hosen und Tops aus Seide immer wieder auftauchen.

Sehr elegant, klar und schlicht ist die neue Kollektion von Minx. Eva Lutz spielt mit den femininen Elementen der 50er Jahre und grafischen Farbkontrasten der 60er, kombiniert Longshirts zu Stretch-Hosen, weit ausgestellte Röcke mit Zebra-Print zu schmalen Oberteilen mit tiefem V-Ausschnitt und Shorts mit breitem Aufschlag zu taillierten Blazern. Reduzierte, kragenlose Gehröcke kommen zu schlichten Etui-Kleidern, legere Shirts mit tiefem Rücken-Dekolletee zu Stretch-Röhren und feminine Wickel-Shirts zu schmalen Pencilskirts. Erfrischend sind die neuen Farbkombinationen von Vanille zu Mint und leuchtendem Rot zu Apricot. Typisch sind Blenden, Revers und Paspeln in Kontrastfarben, mal laut in Schwarz zu Weiß oder Rot, mal dezent in Gelb zu Creme. Wichtige Materialien sind weiches Jersey und Chiffon, Baumwoll-Seiden-Organza und Taft.