Eine neue Gucci-Ära ist eingeläutet. Nachdem die Traditionsmarke zuletzt schwächelte, soll sie sich nun neu erfinden. Gerade hat der neue Kreativchef Alessandro Michele seine erste, komplett von ihm verantwortete Womenswear-Kollektion in Mailand über den Laufsteg geschickt. Anspannung, Gucci steht für mehr als 50% der Luxusumsätze von Kering. Es ist eines der aufregendsten Experimente im High End-Markt. Die Kollektion steht wie kaum eine andere im Fokus der Branche.

Schleifen, Schluppen, Spitze, Blüten, Python und Plissees. Alessandro Michele setzt den von ihm eingeschlagenen Weg für Gucci fort. Seine Frauenwelt: Er mag es hochgeschlossen und kniebedeckend, eklektisch und von den siebziger Jahren inspiriert. Bohemian und bourgeois. Faltenrock und Mustermix inklusive. Alessandro Michele liebt die Nerd-Frau mit überdimensionalen Hipster-Brillen.

Allerdings präsentiert er sich dieses Mal ein wenig glamouröser: mit viel knallig bunten Pailletten, Glitzer und jeder Menge Transparenz. „I love it", schwärmt Linda Fargo von Bergdorf Goodman, New York, und malt ein Herz in die Luft, während sie schnell Backstage eilt, um Michele zu gratulieren. Auch die asiatischen Blogger, eine nicht unwesentliche Zielgruppe, sind hingerissen. Ob es die deutschen Einkäufer auch sind, wird sich zeigen. Wer aufreizende Sexyness erwartet hatte, muss sich nun mit einem neuen Gucci-Bild auseinandersetzen.