Vier Debüts, zahlreiche neue Namen – der Mailänder Schauenkalender erfährt derzeit eine Erneuerung und einen Innovationsschub wie schon lange nicht mehr. Neue Namen übernehmen die Kreativ-Regentschaft traditioneller Häuser und sorgen für mehr oder weniger überzeugende Frischzellenkuren. Auch frische, noch nicht so etablierte Namen sorgen für Dynamik auf den Laufstegen rund um den Dom.



Premiere Eins: Alessandro Michele für Gucci.
Zwar hat er vergangene Saison schon einen ersten Einblick in seine neue Vision für Gucci gegeben. Allerdings ist diese Kollektion zum Frühjahr die erste Schauenkollektion, die allein unter seiner Verantwortung entstanden ist. Er setzt sein eklektisches, bourgeoises Luxus-Hippie-Frauenbild fort. Ob Schleifen, Schluppen, Rüschen, Spitzen oder Plissees. Micheles Fantasie macht vor nichts halt. Außer vor zu viel Sexappeal. Seine Frau mag es hochgeschlossen und kniebedeckt. Die internationalen Einkäufer sind entzückt. Die kommerzielle Reaktion bleibt abzuwarten. Der bisherigen Gucci-Kundin wird das nicht gefallen. Zuviel Retro. Zuviel von allem. Zu wenig Schärfe. Zu wenig Körperbewusstsein. Aber vielleicht wächst eine neue Generation an Gucci-Frauen heran. Die fellgefütterten Leder-Puschen haben es auf jeden Fall schon mal trotz Regen zum It-Piece vieler Moderedakteurinnen geschafft. Fazit: Nicht ganz zweifelsfreies Debüt. Glamourös und beeindruckend, aber manchmal ist weniger mehr. Und sorgt vor allem für mehr Modernität.



Premiere Zwei: Massimo Giorgetti für Pucci.
Frischer, jünger, dynamischer – so wirkt die neue Pucci-Frau. Gleichzeitig gibt es noch jede Menge Muster und durchaus Sexappeal, so dass man auf jeder Kreuzfahrt genügend glänzen kann. Natürlich sieht Pucci jetzt ein wenig mehr nach MSGM aus. Mitunter kursierte in Mailand auch der Begriff MSGP. Allerdings ist Pucci noch genügend Pucci, nur eben etwas straighter. Fazit: Gelungener Start, noch ausbaufähig.



Premiere Drei: Arthur Arbesser für Iceberg.
Sehr bunt, sehr farbenfroh, sehr poppig. Blockstreifen und Farbflash-Offensive. Konsequent und klar durchdacht. Dem Wiener könnte es tatsächlich gelingen, einen neuen Hype für das traditionelle Haus auszulösen. Schließlich waren poppige Comic-Pullis der einstige Star des Hauses. Möglicherweise hat Arbesser mit seinen Streifen und Mustern dazu eine moderne Version geschaffen. Fazit: Gut gemacht, weiter so.



Premiere Vier: Peter Dundas für Cavalli.
Sehr viel 80er. Hohe Taillen, Denim-Interpretationen, teils weite Jacken über schmale Kleider. Mit Sicherheit jünger. Aber mit Sicherheit auch zu wenig glamourös und sexy für die Cavalli-Kundin. Auch von der mitunter aufwendigen Handwerklichkeit und Handarbeit unter dem Altmeister ist nur noch wenig zu sehen. Fazit: Nicht wirklich überzeugend. Das probieren wir nochmal.

Abgesehen von diesen Debüts für große Häuser sorgen auch sonst jüngere Namen für zunehmend mehr Aufmerksamkeit und Frische. Das gilt immer noch für Stella Jean, genauso wie für Lorenzo Serafini für Philosophy oder Marco de Vincenzo, eines der absoluten Highlights. Aber auch Arthur Arbessers eigene Kollektion oder Newcomerin Daizy Shely sollte man für die Zukunft auf dem Plan haben. Nicht zuletzt hat es auch Damir Doma erstmals von Paris nach Mailand gezogen. Forza Italia.

In der TW 40 vom 01. Oktober 2015 finden Sie eine ausführliche Schauenanalyse der Mailand Fashion Week. Die digitale Ausgabe steht bereits am 30. September 2015 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.