Das Wochenende in Mailand. Die Stadt ist proppevoll. Die Branche. Die Journalisten. Die Reichen. Die Touristen. An Mode kommt man nicht vorbei. Über zehn Schauen pro Tag. Zwei Store-Eröffnungen. Unzählige Cocktail-Empfänge. Alle schwärmen noch von Prada. Die nächsten großen Namen stehen an. Editor's Choice. Die besten Schauen vom Wochenende:



Sportmax. Überdimensional oder einfach nur riesig - auf jeden Fall rund. Punkte bestimmen die Aussage bei Sportmax, der jüngeren Linie aus dem Hause Max Mara. So durchgängig wie das Thema, so klar und verständlich ist auch der Look. Kastiger Pulli zur fließenden Männerhose, ärmellose Kleider mit leicht schwingendem Saum und Ensembles aus Top und wadenlangen Rock - immer mit Varianten des Punktedessins. Mal als Beschichtung auf dem Pulli, mal in Form eines Colorblocks im Rocksaum, mal als Ausbrenner bei einer Seidenhose oder als Cut-out bei einer Bluse. Dazu ein frisches Farbbild mit viel Weiß, Chamapagner, Puder und Rosé. Das wirkt klar, modern und dazu verkäuflich. Ohne Schnörkel oder viel Chichi. Genau das, was Frauen von heute sich wünschen.



Bottega Veneta. Mailand ist schrill, nervös, laut, nicht nur der Verkehr, und Tomas Maier ist der, der mit Bottega Veneta dazu jedes Mal wohltuenden Ausgleich schafft. So auch in diesen Tagen. Stille Farben - Weiß, Schwarz, Graphit, gebranntes Rot. Subtiles Spiel zwischen Stoffen und Silhouetten, Asymmetrie, pointiert gesetzte Plissees, Fältelungen, Crash und Crinckle. Das Kleid nach wie vor als Protagonist, parallel Composes aus Rock und Bluse. Maier kultiviert das Hochamt von Schnitt-Technik und Raffinement im Detail. Yamamoto, Comme des Garcons - der zarte Hauch asiatischer Design-Tradition.



Jil Sander. Reduziert, ruhig, klar - Jil Sander enttäuscht ihre Klientel nicht, verleiht ihrem Minimalismus aber mit neuen Proportionen einen weiteren innovtiven Dreh. Verkürzte Hosen und knappe Blazer im Boy's Style sind ebenso zentral für diesen Look wie die Weiterentwicklung des Trägerkleides und Ensembles aus hochgeschlitzten knielangen Röcken und bauchfreien oder am Rücken offenen Tops. So gibt es für Sander'sche Verhältnisse relativ viel nackte Haut zu sehen. Trotzdem wirkt der Look immer absolut korrekt. Sex-Appeal, bitte nur subtil. Plexiglaswände auf dem Laufsteg unterstreichen die moderne, minimalistsiche Aussage der Kollektion ebenso wie der für Sander ungewöhnlich expressive Druck, der vom italiensichen Maler und Grafiker Alighiero Boetti inspiriert ist.



Marni. Kein Strom, jedenfalls bei der zweiten Schau von Consuelo Castiglioni, keine Musik, nur ein Hauch von Tageslicht. Leise Schritte, stilles Rascheln, als sich hoch auf der Taille pointierte Hosen, sportive Blousons, lässig gegurtete Jacken am Publikum vorbeibewegen. Ein wunderbarer Moment der Ruhe. Die ungewollte, wiewohl perfekte Symbiose zu fließend leicht, beschwingt den Körper umhüllenden Silhouetten. Schwarz und Weiß und Grau. Und plötzlich: Blumen, Pflanzen, Blüten, bedruckt und aus der Tiefe der Struktur heraus entwickelt. Sportivität und Feminität. Marni auf leisen Sohlen.