Editor's Choice. Die besten Schauen von der Milano Moda Donna zum Herbst/Winter 2013, Tag drei, vier und fünf. Die Highlights: Jil Sander und Marni. Beide Kollektionen überzeugten am Wochenende mit ihren klaren Silhouetten und hochwertigen Materialien.

Jil Sander. Sie bestätigt ihren starken Auftritt bei ihrem Comeback in der vergangenen Saison und präsentiert das, was sie am besten kann: anspruchsvolle Konfektion auf höchstem Niveau. Dabei verfeinert sie ihre reduzierte Handschrift weiter und spielt immer wieder mit kontrolliertem Volumen. Mal bei den Ärmeln einer kastigen Jacke, mal bei einem Rock, der vorne schmal wirkt, hinten aber in A-Linie ausläuft. So wirkt die Silhouette nie zu pur, sondern immer feminin und anmutig. Mäntel und zweireihige Ensembles, bestehend aus Rock und kastiger oder Caban-Jacke, sind dabei zentral. Genauso wie hochwertige Materialien von Cashmere-Strick über gebondetes Leder bis zu Doubleface-Qualitäten. Einfach Sander.

Marni. Streng und reduziert in der Linienführung, aber umso reicher in den Materialien – so präsentiert sich Marni, erneut einer der absoluten Höhepunkte der Mailänder Schauenwoche. Modern durch die klare Silhouette, die nur vereinzelt mit etwas Volumen spielt. Luxuriös und einzigartig durch die Materialien. Ob gebondetes Leder für eine cleane, mantelartige Weste oder Pelz, von geschoren bis langhaarig, mal für breite Rock- und Mantelsäume, mal für ein zweiteiliges kostümartiges Ensemble. Auch maskuline Zipper- und Biker-Elemente für Jacken und Mantel unterstreichen diese klare Modernität.

Bottega Veneta. Tomas Maier ist auf einer Linie mit denen, die Konfektion und sartoriale Raffinesse als ihr aktuelles Leitmotiv wählen – von formeller Strenge will sein Bild für Bottega Veneta indes nichts wissen. Maier schichtet, drapiert, fältelt und hört erst auf bei skulptural gezeichneten Silhouetten. Wolle ist sein Fundament: gewaschen, gekocht, verfilzt, gebondet. Wolle, mal allover, mal gebrochen und gemischt mit Seide, Satin-Duchesse und Leder. Geräumige Mäntel, subtil gegürtet, Blusenkleider, Etuikleider, Ensembles aus schlankem Strick und knieumspielenden Röcken im Wechsel mit satinierten Tops und auf Taille sitzenden Hosen – eine Kollektion von komplexer Leichtigkeit und bewusster Präzision in jedem einzelnen Detail. Highlight: die mit speziellen Waschungen und Verfilzungen kreierten, wie Drucke anmutenden Kleider-Dessinierungen.

Dolce & Gabbana. Dolce ist ein weiteres Mal einfach typisch Dolce. Domenico Dolce und Stefano Gabbana finden immer wieder neue Facetten, in der sie ihr typisch weibliches, reiches, verführerisches sizilianisches Frauenbild neu interpretieren. Eine verschwenderische Feminität in Rot und Gold steht diesmal im Mittelpunkt der Kollektion. Drucke, die ein wenig an Kirchenfresken erinnern, noch üppig bestickt mit Schmucksteinen und Dekor sowie rote Spitze, teils mit opulentem Strassbesatz, prägen das Bild. Dabei reichen die Silhouetten von minikurzen a-linigen Kleidchen bis zu Kostümen mit knieumspielenden, schwingenden Säumen. Von miederartigen Kleidern bis zu weiten Mänteln. Vielleicht nicht überraschend, aber einfach schön und als Erfolgsmodell erprobt.

Sportmax. Pelz, Leder, haariger Strick –  Sportmax zeigt eine sehr luxuriöse Interpretation moderner, zeitgemäßer Tageslooks. Neue Blousons zu konischen Hosen, hüllige Mäntel über schmalen Kleidern oder dicker Mohairstrick zum Lederfaltenrock ergeben spannungsreiche Outfits. Die Linienführung ist klar und reduziert. Im Mittelpunkt stehen die luxuriösen Materialien mit teils dreidimensionaler Oberfläche. Ob Karo-Strukturen, geschorener Pelz, softes Leder, voluminöse, fast scubaartige Flanelle oder haarige Stoffe mit Glitzer-Effekt: reich, dabei aber pur und schnörkellos.

Etro. Jünger, moderner, „mit cleanen Silhouetten und einem sportiven Einfluss“, wie es Veronica Etro selbst beschreibt, präsentiert sich die Kollektion. Dafür stehen oversized Mäntel genauso wie ärmellose Bikerjacken, eine dreifarbige Lederhose und zahlreiche schmale Kleider mit Zipper-Details, die an den langen Ärmeln entlang laufen. Leder- und Zipper-Elemente ziehen sich ohnehin durch die gesamte Kollektion. Oft wird Leder auch auf bedruckte Wollstoffe appliziert, um Jacken und Mänteln eine moderne Attitüde zu verleihen. Prints bleiben dabei für Etro zentral. Klassische Dessins wie Paisleys oder Krawattenmuster werden aber ebenfalls jünger interpretiert. Sie sind oft digital oder mit grafischen Schwarz/Weiß-Effekten verfremdet. Eine sehr gelungene Neu-Erfindung der Etro-Handschrift.