Tag Fünf der Mailand Fashion Week. Mit Spannung wird am Sonntagmorgen die Marni Show erwartet. Designerin Consuelo Castiglioni enttäuscht das Fashion-Publikum nicht. Ihre Kollektion zählt zu einer der schönsten der vergangenen Woche.

MARNI.
Marni zählt am frühen Sonntagmorgen ja immer zu den Highlights der Mailänder Schauenwoche. Doch dieses Mal hat sich Consuelo Castiglioni wieder einmal selbst übertroffen. Eine der schönsten, wenn nicht die schönste Schau in dieser Woche. Denn durch eine reduziertere Formensprache als zuletzt, erhält der Marni-Look eine noch ausdrucksstärkere Modernität. Kleider und Ensembles aus A-linigen Röcken zu schlichten Tops stehen dabei im Zentrum. Die Formen sind oft skulptural, Qualitäten haben mitunter Stand. Grafische Karo-Effekte, die über applizierte Jacquard-Bänder erzielt werden, unterstreichen diese Geradlinigkeit. Neue Schößchen- und Falt-Effekte setzen einen femininen Kontra-Punkt. Sehr modern. Sehr Marni.

DOLCE & GABBANA. Kontinuität und eine eigene Handschrift ist für ein Designhaus ja im Grunde das Beste, was einem passieren kann. Das haben Dolce & Gabbana in Perfektion umgesetzt. Dennoch fehlen dabei hin und wieder die Überraschungsmomente. Die Präsentation am Sonntagnachmittag setzt ein wenig zu sehr auf Sicherheit. Es ist alles da, was die Kollektion braucht. Die sizilianische, feminin-sexy Anmutung über super schmale Bleistiftröcke und dazu passende Tops, genauso wie über taillenbetonte Kleider mit schwingendem, wippendem Saum. Die großen Ohrringe, die beschwingte Musik „Amore meraviglioso", die an Italienurlaube in den 60ern erinnert – alles ist da, was eine Dolce-Show ausmacht. Neu sind diesmal die expressiven Drucke – eine  Mischung aus Foulard- und Postkarten-Motiven, die markanten Blockringel in Schwarz/Weiß, Rot/Weiß oder Blau/Weiß und die südamerikanischen Einflüsse über ethnische Applikationen auf Ensembles und Kleidern in groben Leinen-Stoffen.

MISSONI. Geometrische Formen in 3-D: Angela Missoni setzt auf ausgeklügelte Spiele aus Licht und Schatten, um den Texturen ihrer Kollektion Tiefe zu verleihen. Vor dem Hintergrund der Kontrastfarben Weiß und Schwarz spannt sie auf sehr zurückhaltende Weise den haustypischen Farbreigen auf, wobei das Missoni-Muster diesmal eher in großflächiger Trapezform zur Geltung kommt. Der Einsatz von hauchdünnen Organza-Stoffen verstärkt diesen Effekt und ermöglicht durchsichtiges Layering. Insgesamt spiegeln die allgegenwärtigen matten Tonalitäten aber die grundlegende Unentschlossenheit der Designerin in dieser Kollektion wider: Es zeigt sich ein Kontrast zwischen dem Materialreichtum handwerklich hergestellter Strukturen und den leuchtenden, am Bildschirm herbeiprogrammierten Farbübergängen auf glatter Oberfläche.

GIORGIO ARMANI. Der Platzhirsch der Mailänder Modeszene unterstreicht seinen Hang zum mädchenhaften Schick mit hoher Taille und subtil angedeuteter A-Silhouette. Luftige Hosen und Röcke werden mit eng geschnittenen Sakkos und Gilets kombiniert, der systematische Einsatz von Mitternachtsblau und Eisgrau verleiht der hier gezeigten, sinnlich in Samt und Seide gehüllten Frau den gewohnten Hauch Pragmatismus. Schimmernde Oberflächen und glänzende Applikationen betonen den Anspruch an den eigenen Glamour und gehen dabei bewusst das Risiko ein, den Bogen zu überspannen.