Unterschiedlicher konnten die Kollektionen vom zweiten Schauentag in Mailand nicht sein. Prada zeigt sich von Streetart und mexikanischen Murals beeinflusst und bringt farbige Drucke verziert mit Strass und Schmucksteinen auf die Kleider. Es entsteht ein Stil- und Mustermix in Perfektion. Gefeiert mit frenetischem Applaus. Aber auch Costume National, nach über 20 Jahren erstmals wieder auf dem Mailänder Catwalk zurück, findet große Beachtung. Hier allerdings ist es ein rougher, minimalistischer Look in Schwarz und Weiß, der die Zuschauer begeistert.



Max Mara. Als "Neo-minimalistische Eleganz" beschreiben die Max Mara- Macher den Look ihrer Sommerkollektion - und treffender geht es kaum. Schlicht, schnörkellos und geradlinig ist die Handschrift, die sich durch die gesamte Show zieht. Butterweiche Kaschmir-Trägerkleider, darüber lose fallende Mäntel stehen im Fokus. Das Paradestück des Hauses, der Mantel, ist auch in diese Saison zentral. Ungefüttert und mit Kragenknopf wird er sommertauglich. Dabei wirkt er vor allem durch die Materialien luxuriös: Kaschmir, Leder oder Leinen. Auch Anzüge sind bei Max Mara mit neuer Leichtigkeit zurück. Zarte Neutral- und Pudertöne unterstreichen das edle Bild. Sie bestimmen die gesamte erste Hälfte der Show, während in der zweiten Hälfte kräftiges Blau, Orange, Grün und Fuchsia über den Laufsteg gehen. Und zwar von Kopf bis Fuß, inklusive der farblich abgestimmten Strümpfe. Konsequent eben. Und in dieser Konsequenz auch konsequent modern.



Fendi. Höchsten Anspruch an Qualität, Technik, Handwerkskunst und dabei ein hohes Maß an Modernität präsentiert Fendi in einer großartigen Show am Donnerstagmittag. Kolorierte Skizzen von Karl Lagerfeld und ein Text mit eindeutigen Anspielungen auf die Kommunikation im Netz geben schon erste Hinweise auf diese moderne Handschrift. Mehrlagige Seidenkleider mit grafischen Cut-outs und Farbabstufungen von Rot über Koralle bis Weiß stehen bereits für Geradlinigkeit und Modernität. Fendi wäre aber nicht Fendi, wenn nicht auch zum Sommer Pelz ins Spiel käme. Super luxuriös und dabei super leicht wird Pelz, vor allem Nerz, teils in Streifen verarbeitet oder zeigt sich in grafischen Dessins als Applikation auf zarten Seidenkleidern und Tops und Miniröcken. Mit Omas Nerzmantel hat das nichts zu tun. Das ist Pelz auf höchstem Niveau und auf modernste Weise. Echter Cyber-Fur.



Costume National. Nach über 20 Jahren in Paris hat Ennio Capada seine DOB-Linie erstmals wieder in Mailand gezeigt. Und es war ein gelungenes Comeback. Das riesige, roughe, unfertige Untergeschoss eines Hochhauses im neuen Mailänder Viertel Porta Nuova mit rauen Betonböden und kühlem Stahl bildete die passende Kulisse für seine Kollektion. Ein rauer, urbaner, demonstrierter Look mit Military-Anklängen zieht sich durch die gesamte Show. Bikerwesten, Sakkos und Mäntel mit offenen Laser-Cut-Kanten. Teile, die aussehen als seien sie zerlegt und neu zusammengesetzt worden, bestimmen den Look. Dazu kommen wadenlange, lässige Hosen im Männerstil. Das Farbbild ist reduziert auf Schwarz und Weiß. Lediglich eine Serie in Neongelb und Silbermetallic setzt Akzente. So wirkt das Tailoring neu, innovativ und macht einfach Spaß. Costume wie zu seinen besten Zeiten.



Prada. Kunst trifft Streetstyle, trifft Techno, trifft Sport. Einen wilden, überraschenden, schön schrägen Mix präsentiert Miuccia Prada. Margaritas und Good Mother-Cocktails, eine Mischung aus Wodka mit Amaretto stimmen das Schauenpublikum auf dieses Crossover ein. Den Ausgangspunkt für die Kollektion bilden Wandmalereien internationaler Künstler und Illustratoren. Die entsprechenden Kataloge werden bereits am Eingang verteilt. Auch die Wände der Schauen-Location in der Via Fogazzaro sind mit diesen Kunstwerken bemalt und die gleichen Motive finden sich schließlich auch auf den Kleidern von Miuccia Prada wieder. Große Frauengesichter blicken die Zuschauer von diesen Kleidern an.

Doch nicht nur diese Drucke, auch üppiges Dekor über Strass und Schmucksteine zieren die Kleider. Oft sieht es aus, als seien BHs über die Kleider gezogen. Geringelte Kontrastbündchen und grellbunte Strickstulpen erinnern ein wenig an American Football und sorgen für eine sportive Note. Kleider, Faltenröcke, taillierte Mäntel, selbst Pelz - sie alle zeigen sich im Farb- und Mustermix. Es ist der Clash vieler Stil- und Detail-Elemente. Von extrem feminin und dekorativ bis zu Graffiti- und Streetstyle-Bildern. Härte, schnelle Beats und das rasante Tempo, mit dem die Models über den Laufsteg gehen, unterstreichen die junge, urbane Attitüde. Wer nach dieser Fülle an Eindrücken Luft holen konnte, bejubelte Miuccia Prada am Ende begeistert. Erneut ein absoluter Höhepunkt der Woche, wenn nicht der Saison.