Bei nasskaltem Wetter hat sich der Schauenreigen in Mailand fortgesetzt. Tag zwei der Mailänder Schauen stand vor allem im Zeichen von Prada. In der Fondazione Prada zeigte Miuccia Prada ihre Entwürfe für Herbst/Winter 2013/14 und setzte damit den Höhepunkt des zweiten Tages.

Prada. Sie schafft es immer wieder zu überraschen: Jede Saison ein neues Frauenbild, jede Saison erfindet sie die Kollektion neu. Nach den Geishas aus dem Sommer schickt sie jetzt schicke Luxus-Trümmerfrauen über den Laufsteg. Extrem viel Pelz sowie Kostüme und Mantelkleider in supersoften Tweed-Stoffen stehen für diese reiche Eleganz. Sie wird noch unterstrichen von opulent mit schwarzen Schmuckssteinen und Pailleten besetzten schwarzen Stoffbahnen, die den Kostümen einen besonderen Twist verleihen. Goldfarbene Gürtel betonen die Taille. Die Röcke sind wadenlang, mal schwingend im Saum, mal mit verschiedenen Längen, die sich durch die unterschiedlichen Stoffe ergeben. Trotz Wadenlänge fehlt es nicht an Sexappeal, allerdings nie zu vordergründig, eher unterkühlt und subtil. Er kommt über schmale Oberteile oder lässig über die Schulter gezogene Feinstrickpullis ins Spiel, die unter Ärmellose Mantelkleider kombiniert werden. Für Richesse steht auch jede Menge Leder, das in gleicher Manier für Mantelkleider und Kostüme verarbeitet wird. Sehr weiblich, sehr luxuriös, sehr ausdrucksstark. Prada at it's best.

Dsquared2. In eine verruchte 40er Jahre Bar zurückversetzt fühlte man sich bei den Brüdern Dean und Dan Caten. Nicht nur in solchen Bars treffen sich Mann und Frau, auch in der modischen Botschaft von Dsquared2 verschmelzen maskuline und feminine Elemente zu einem Look. So kommen im Wechsel Frauen im Männer-Style mit scharf geschnittenen, doppelreihigen Anzügen oder als lasziv verführerische Femme Fatale in mit Strass oder Federn geschmückten Seidenkleidern und sexy Kostümen über den Laufsteg. Dabei darf es richtig protzig aussehen: mit Pelz, unter anderem für Bleistiftröcke, viel Seide und großen Schmucksteinen. Ein schickes, reiches Bild mit überraschend viel Konfektion. Eleganter als zuletzt, und keine Spur von den Dsquared2 typischen Denims.

Just Cavalli. Modern, frisch, jung - seit Renzo Rossos Staff International die Lizenz für die junge Linie aus dem Hause Roberto Cavalli übernommen hat, präsentiert sich Just Cavalli deutlich zeitgemäßer und schärfer. Es geht nicht mehr nur um typisch italienischen Sexappeal. Das war schon in den vergangenen Saisons sichtbar. Die neue Herbst-Kollektion unterstreicht das erneut. Schmale, bedruckte Hosen, Lammfell-Bikerjacken und Wollmäntel im Egg-Shape mit Lederärmeln und aufwändigem Prägemuster stehen genauso für Modernität wie dicke Strickpullis mit Stepp- Ärmeln zum knappen Druck-Mini. Muster und Drucke sind ohnehin das zentrale Motiv, das sich von Paisleys bis zu asiatisch inspirierten Dessins durch die Kollektion zieht. Auch haarige Pelzjacken sind für Just Cavalli Pflicht, häufig in Farbe, passend zum expressiven Mustermix.

Max Mara. Gekrempelt und geschoppt - gepaart mit dem Anspruch an kompromissloses Layering. Max Mara zeigt Zurückhaltung in Farbe und Großzügigkeit in Silhouette. Einmal mehr ist die Outerwear Dreh- und Angelpunkt. Mäntel zelebrieren den Materialmix: Hier trifft Wolle oder Kamelhaar auf Partien aus Pelz, Leder und Seide, die durch die gekrempelten Ärmel zum Vorschein kommt. Auch die oft überlangen Strickteile spielen mit Matt-Glanz-Effekten und dem Mix verschiedener Materialien - so kommt der camelfarbene Strickpullover mit Zopfmuster und Pelz-Ärmeln daher. Neben Camel stehen Schwarz, Grau und Dunkelblau im Zentrum der Kollektion. Gelb sorgt für Belebung, oft als Partner zu Schwarz und Camel im Querstreifen. Neben der Outerwear, die mitunter zu voluminös und massiv daher kommt, gehen die zarteren Strickkleider, Bleistiftröcke und Kaschmir-Hosen hier und da im monochromen Layering unter.

Fendi. Pelz mit einer starken Reminiszenz an die 60er Jahre - so präsentiert sich der Hauptdarsteller der Fendi-Kollektion in dieser Saison. Bestimmt ist der Look von volumigen Pelzkreationen, oft in O-Shape und Signalfarbe wie etwa Pink. Karl Lagerfeld spielt ganz nonchalant mit dem Luxusmaterial, setzt es gleichermaßen für Top, Pullover, Rock oder gleich als Allover-Kostüm ein. Op-Art-inspirierte Musterungen und Patchwork-Optiken bringen zudem Bewegung ins farbenfrohe Bild. Insgesamt zeigt sich die Kollektion leicht, frisch und extrem jung. Das wird nicht zuletzt bei den Kleidern deutlich, deren legere, leicht unkonstruierte Silhouette durch farbige Pelz- oder Lederdetails akzentuiert ist.