Mailand hat seine Pflichttermine. Prada, auf jeden Fall. Dann Jil Sander und Marni. Bottega Veneta, Gucci, Fendi, Max Mara. Sie sind die wichtigen Player im Luxusmarkt. Impulsgeber in Sachen Trends. Maßgebend für die Sortimente der internationalen Luxus-Häuser. Aber Mailand ist mehr, mittlerweile gibt es während der Fashion Week auch Platz für andere: frische Namen, kreativ und eigenständig. Neu im Geschäft, oder auch schon länger, aber bisher unbeachtet ob der großen und wichtigen Schauen. Das ändert sich allmählich. Einkäufer gehen auch zu kleineren, unaufgeregten Defilees. Journalisten und Blogger berichten. Die Bilder gehen um die Welt. Aufsteiger? Neue Stars am Modehimmel? In jedem Fall Designers to watch:

Gallery: Stella Jean F/S 2014



Stella Jean. Die wahrscheinlich Unbekannteste der drei Designer to watch. Aber eine spannende Neuentdeckung mit interessanten Wurzeln: Stella Jean wurde in Rom geboren, Vater Italiener, Mutter aus Haiti. Engagiert sich für afrikanische Hilfsprojekte. Multikulti – das spiegelt sich in ihren Entwürfen wider: italienische Handwerkskunst mit karibischem Flair. Keine Angst vor voluminösen Silhouetten und expressiven Ethno-Prints. Das hat die Neugier ihres Protegés geweckt: Giorgio Armani hat die junge Frau unter seine Fittiche genommen. So durfte Stella Jean ihre erste Show in Armanis Theater zeigen. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit. Zum Sommer 2014 propagiert die Designerin konfektionierte Ensembles aus geräumigen, dennoch strengen Blazern und höher gearbeiteten Pencilskirts oder Long-Jackets und Glockenröcke. Dazwischen immer mal wieder eine Capri-Pant, ein Hauch 60er Jahre. Darüber breiten sich markante Hawaii-Prints neben Blockstreifen und Checks aus. Ein wilder Mix, Exotik pur, aber nicht überladen. Sehr gekonnt das Zusammenspiel der verschiedenen Muster in nur einem Outfit. Marni hat einen neuen Mitstreiter.

Gallery: MSGM F/S 2014



MSGM. Bei informierten Einkäufern ist das Label schon seit mehreren Saisons im Gespräch, vor allem, wenn es um das noch junge Feld Contemporary Fashion geht. Mittlerweile ist MSGM auch in guten Läden präsent, insgesamt sind es rund 350 weltweit. In Deutschland gehören beispielsweise Stores wie Hayashi in Frankfurt, Jades in Düsseldorf und Apropos in Köln zu den Kunden. Sie schätzen den kompromisslosen, entspannten und urbanen Muster-, Farb- und Materialmix von Designer Massimo Giorgetti. Also kein Geheimtipp mehr, aber der Aufsteiger schlechthin: MSGM ist eine der wenigen italienischen Kollektionen mit Street-Credibility (Giorgetti hat früher als DJ gearbeitet, das hilft sicherlich). Jung, dynamisch, unangepasst, das braucht Italiens Fashion Industrie. Zum Frühjahr/Sommer 2014 bleibt MSGM bei seiner Erfolgsformel: Cleane Schnitte, simple Baumwollkleider und Bottom-Downs, allover mit hawaiianischen Prints versehen. Dazwischen Schürzenkleider – und immer wieder das weiße Herrenhemd, als Solitär oder als Basis für einen neuen Lagenlook. Das passt zum etwas polierterem und mehr sophisticated Look dieser Saison.

Gallery: Fausto Puglisi F/S 2014



Fausto Puglisi. Wohl der Etablierteste unter den Dreien. Bekannt geworden mit Abendkleidern für US-Promis und als Ausstatter von Weltstars wie Madonna. Mittlerweile zum Kreativchef des Pariser Designhauses Ungaro avanciert. Nicht schlecht für einen jungen, wilden Sizilianer. Für seine eigene Kollektion bewahrt er sich das Wilde, Punk ist immer die Leitidee. Bereits im Herbst machte er mit einem Mix aus Tartans, Leder, Strass und Strapsen auf sich aufmerksam. Zum Sommer gibt der Designer seiner Kollektion den Titel „Carolina Herrera trifft Axl Rose“, zeigt weit ausgestellte Röcke, fast Ballkleider, wie man sie von Herrera kennt. Miniskirts und hoch geschlitzte Maxiröcke zu Wickeltops und rauen Bikerjacken. Ein Versace-Moment. Bondage-Bustiers sind der offensichtlichste Botschafter der Punk/Rock-Attitüde. Als Bruch: tropische Prints, Pailletten und Stickereien (mittlerweile Puglisis Markenzeichen) in Primärfarben wie Rot und Blau.

Eine ausführliche Analyse der Designerschauen in Mailand lesen Sie in der TW 39 vom 26. September 2013. Die digitale Ausgabe steht bereits am 25. September 2013 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.